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Tillich und Dulig stellen sich den Fragen von Bürgern und Migranten

Dialogforum in Leipzig Tillich und Dulig stellen sich den Fragen von Bürgern und Migranten

„Sachsen hat schon immer von Menschen profitiert, die zugezogen sind“, sagt Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). Er ist ins Haus Leipzig gekommen, um am Dialogforum unter anderem mit Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) teilzunehmen. Rund 100 geladene Gäste sitzen an den Tischen.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) stellt sich beim Dialogforum den Problemen der Bürger.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Ibrahim knetet an einem Krokodil, Silva an einem Dino und Shahed an einem Schneemann. Aus Mangel an weißer Knetmasse ist der allerdings kunterbunt. Gerade mal acht Jahre alt, haben die drei schon klare Berufsziele: Autoschlosser, Friseurin und Ärztin. „Das klappt schon“, macht ihnen Wael Ibrahim Zayel Mut, der die drei Flüchtlingskinder betreut. Vor sechs Jahren kam er aus Ägypten nach Deutschland, studierte in Leipzig und arbeitet heute in Berlin und in der Messestadt als Dolmetscher. „Deutschland ist schön und bis auf wenige Ausnahmen habe ich hier nur gute Erfahrungen gemacht. Man muss sich einbringen und anpacken können, dann stößt man auf offene Ohren.“, sagt der 27-Jährige in akzentfreiem Deutsch.

Die Eltern der drei Achtjährigen sind ins Haus Leipzig gekommen, um am Dialogforum unter anderem mit Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) und Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) teilzunehmen. Rund 100 geladene Gäste sitzen an den Tischen. Es ist das vierte derartige Forum, die vorherigen fanden in Dresden und Chemnitz statt.

„Sachsen hat schon immer von Menschen profitiert, die zugezogen sind“, sagt Tillich. Auf der Wand hinter ihm steht in großer Schrift und in mehreren Sprachen „Herzlich willkommen!“.

„Erstmals wird mit den Migranten geredet und nicht nur über sie und ihre Probleme. Das ist längst überfällig“, kritisiert Volkmar Zschocke. Der Landtags-Fraktionschef der Grünen sitzt selbst an einem der Tische und tauscht sich mit Migranten aus. Gekommen sind auch Vertreter der Wirtschaft, von Vereinen sowie ehrenamtliche und hauptamtliche Helfer.

Minister Dulig räumt ein, dass dieses Forum mit Migranten spät kommt, „aber sicher nicht zu spät“. Viele der ausländischen Mitbürger würden sich zum Teil von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen bedroht und eingeschüchtert fühlen. Die Politik werde alles tun, damit sie sich in Sachsen zu Hause fühlen. Gute Beispiele gebe es schon. So habe Dynamo Dresden 700 Freikarten für Asylsuchende zur Verfügung gestellt. Dulig nennt zudem eine Firma für Präzisionssysteme in Dohna, die gerade 20 ausländische Auszubildende übernommen hat.

Größte Hürde ist die Sprache. Wer sich nicht verständigen kann, dessen Chancen auf Arbeit sind gering, sagt Oliver Klaus vom Bildungs- und Technologiezentrum Borsdorf der Handwerkskammer. Deshalb sei es gut, dass die Bundesregierung jetzt versprochen habe, mehr Mittel für Sprachkurse locker zu machen. Die Gelder sollen auch Asylbewerbern mit noch nicht abgeschlossenen Verfahren, die aber voraussichtlich in Deutschland bleiben dürfen, zur Verfügung stehen. „Unsere Handwerksfirmen sind gewillt, ausländische Fachkräfte zu beschäftigen“, so Klaus. In Borsdorf habe es bereits mehrere Runden mit Flüchtlingen gegeben, bei denen diese sich über die rund 60 Ausbildungsberufe informieren konnten.

Am Tisch des Ministerpräsidenten geht es um den Abbau bürokratischer Hürden. Tillich macht verständlich, dass der Weg in Arbeit nur über das Erlernen der deutschen Sprache führt. Zugleich verspricht er Entgegenkommen. Das Service-Portal für Sachsen Amt24 soll für englischsprachige Nutzer erweitert werden. Ebenso verspricht er, dass mehr Behördenmitarbeiter geschult werden sollen, damit sie Asylbewerber in englisch beraten können.

Bürokratieabbau verspricht auch Sachsens Ausländerbeauftragter Geert Mackenroth. Viele Formulare, die Flüchtlinge ausfüllen müssen, seien zu kompliziert und unverständlich. „Das wird sich ändern.“ Einige dicke Bretter müssten noch gebohrt werden, fasst Zschocke von den Grünen zusammen. So hätten Flüchtlinge in Deutschland nur einen Anspruch auf Notfallversorgung. Arztbesuche sind oft mit hohem bürokratischen Aufwand verbunden.

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