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Stadtpolitik Verzögerter Skala-Verkauf: Das sagen die Leipziger Stadträte
Leipzig Stadtpolitik Verzögerter Skala-Verkauf: Das sagen die Leipziger Stadträte
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22:57 20.09.2016
Verkauf verzögert sich: Die Zukunft der ehemaligen "Skala" in Leipzig bleibt ungewiss. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Die Zukunft des ehemaligen Theaterhauses „Skala“ in der Gottschedstraße 16 ist weiter ungewiss. Der Stadtrat will per Mehrheitsbeschluss die kulturelle Nutzung erhalten. Doch nach einem Jahr Verfahren zur Konzeptvergabe mischt das Wirtschaftsdezernat die Karten neu: Laut einem aktuellen Gutachten ist der Wert der Immobilie offenbar von 860.000 Euro auf 1,4 Millionen Euro gestiegen. Die Bewerber für das Haus müssen nun lang gehegte Konzepte und Finanzierung überdenken. Wie beurteilen die Stadtratsfraktionen die neuen Entwicklungen? LVZ.de hat sich umgehört.

Für die Konzeptvergabe, bei der neben dem Erlös auch das für den Standort passgenaue Projekt zu gewichten ist, hatten sich per Antrag zunächst die Grünen und Linken im Stadtrat stark gemacht, und dafür auch eine Mehrheit gefunden.

Annette Körner (Grüne), Marco Götze (Linke), Michael Weickert (CDU), Axel Dyck (SPD). Quelle: LVZ

„Ich frage kritisch, wie verlässlich ist die Stadt in ihren Immobilien-Geschäften zu konzeptionellen Bewerbern?“, so Annette Körner von Bündnis90/die Grünen auf Anfrage von LVZ.de. Sie schätzte die Immobilien-Werterhöhung mitten im Verfahren kritisch ein. Finanzielle Einnahmen dürften in diesem Fall nicht vorrangig entscheidend sein. „Dazu wurde im Stadtrat erfolgreich gerungen.“

Dass die Stadt nun trotz rechtlicher Bedingungen wie die Bindung an den Verkehrswert nun alles tun muss, trotzdem einer kulturellen Nutzung für breite Schichten der Leipziger Bevölkerung eine Chance zu geben, steht für Linken-Stadtrat Marco Götze außer Frage. „Eine Stadt hat wenige Steuerungsmöglichkeiten wie diese“, so Götze zum aktuellen Vergabeverfahren.

CDU-Fraktion: „Verkauf zum Maximalwert“

„Wir wollen den Verkauf zum Maximalwert“, stellte dagegen Michael Weickert für die CDU-Fraktion klar. Das Geld werde gebraucht, um den Ausbau der Zweitspielstätte des Schauspiels in der Bosestraße zu finanzieren. Diese soll bis 2017 für mehr als 4,6 Millionen Euro umgebaut werden. Die Wertsteigerung des Hauses in der Gottschedstraße 16 sei absehbar gewesen: „Die Lage in der Stadt ist hervorragend“, so Weickert.

Axel Dyck, langjähriger SPD-Fraktionschef und aktuell kulturpolitischer Sprecher, bekräftigt, dass die Sozialdemokraten zum Ratsbeschluss stehen, der die ehemalige Skala als Kulturhaus festschreibt. „Aktuell ist uns auch kein Verwaltungsvorschlag bekannt, der ein Abweisen hiervon vorsieht“, so Dyck auf Anfrage.

Sorge um Vertrauen von Investoren

Ute Elisabeth Gabelmann, Piraten Quelle: LVZ

Verwundert über den Zeitpunkt der Neubewertung der Immobilie mitten im laufenden Bieterverfahren zeigte sich Ute Elisabeth Gabelmann, Stadtratsabgeordnete der Piraten. Sie sieht die Gefahr gegeben, dass Interessenten aus der Kulturszene vom Liegenschaftsamt „auf dem Weg doch noch ausgebootet“ werden und das attraktive Gebäude letztlich doch nur nach Höchstgebot vergeben werden könnte. Eine Mischnutzung, bei der ein Teil der Hausfläche als Wohnungen genutzt wird, hält sie dagegen durchaus für vertretbar.

Karl-Heinz Obser (AfD), René Hobusch (FDP). Quelle: LVZ

René Hobusch von der FDP fürchtet durch die Verzögerungen in der Vergabe um das Vertrauen von Investoren. Der Liberale schlägt scharfe Töne an: „Dabei hat es offenbar Methode, dass durch die Stadtverwaltung zunehmend Grundstücksvergaben verzögert und dann Bieter mit dem Hinweis auf veränderte Verkehrswerte zu neuen Angeboten aufgefordert werden“, sagte er gegenüber LVZ.de. Hobusch verweist auf das Vorgehen der Stadt beim Markthallengrundstück auf dem Leuschnerplatz. Vor drei Jahren sei der Zuschlag für 2,5 Millionen Euro an die Stadtbau AG gegangen. Jetzt präsentiere das Stadtplanungsamt neue Pläne, die den Kaufpreis um nahezu das Vierfache erhöhe. „So geht man mit Investoren nicht um. Hier nicht und auch bei der Skala nicht!“

Die AfD-Fraktion hält unter den aktuellen Umständen eine Neuausschreibung für den besten Weg. Die ehemalige Skala dürfe nicht unter Wert verkauft werden, auch wenn eine kulturelle Nutzung damit vom Tisch sei, so Fraktionsgeschäftsführer Karl-Heinz Obser. Mit Blick auf das Filmkunsthaus, das sich öffentlich zu seinem Interesse an dem Standort Gottschedstraße bekennt, sagt Obser: Für alle Beteiligten sei es vermutlich vorteilhafter, wenn die Akteure in anderen Stadtvierteln nach einem geeigneten Objekt suchen, um so zur Bereicherung weniger zentral gelegener Stadtgebiete beizutragen.

Von Evelyn ter Vehn

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