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Stadtpolitik Wirtschaftsförderung in Leipzig: Volkswirt fordert "Investitionen in Köpfe"
Leipzig Stadtpolitik Wirtschaftsförderung in Leipzig: Volkswirt fordert "Investitionen in Köpfe"
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21:38 15.11.2017
Volkswirt Reint Gropp Quelle: André Kempner
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Leipzig

Leipzig wächst, die Steuereinnahmen sprudeln, die Beschäftigungsquote ist so hoch wie nie – also alles gut? Der drohende Wegfall von 270 Jobs bei Siemens jedoch hat die Lokalpolitik aufgeschreckt. „Wir unterstützen alle, die sich für den Erhalt der für Leipzig so hochwichtigen Industriearbeitsplätze einsetzen“, versicherte Wirtschaftsbürgermeister Uwe Albrecht im Stadtrat.

Achillesferse des Aufschwungs

Die Wirtschaftsförderung werde sich daher noch stärker auf den Erhalt und die Neuschaffung solcher Arbeitsplätze konzentrieren müssen, sagte der CDU-Politiker und forderte zugleich mehr Anstrengungen aus der gesamten Stadtverwaltung. Zudem hofft er, dass Leipzig durch die Zusammenlegung der Hochschule für Telekommunikation und der HTWK endlich eine „richtige Technische Universität“ bekommt. Fehlende Jobs in der Industrie sind aus Sicht der Stadt noch immer die Achillesferse des Aufschwungs.

Jeder zweite Erwerbstätige arbeitet in Informationstechnologie

Doch das sieht der Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Professor Reint E. Gropp, etwas anders. Der Volkswirt war als Redner zur wirtschaftspolitischen Stunde geladen. „Produktion ist Vergangenheit, nicht die Zukunft“, schrieb er den Stadtvätern ins Stammbuch. Und belegte das mit Zahlen: Machten bis in die 1960er-Jahre Produktionsjobs mehr als 40 Prozent der deutschen Arbeitsplätze aus, seien es heute noch 23 Prozent. Er empfahl Leipzig daher, sich auf den Bereich mit den größten Zuwächsen zu konzentrieren – die Informationstechnologie, in der schon mehr als jeder zweite Erwerbstätige beschäftigt sei. „Die Arbeitsplätze werden anspruchsvoller“, so Gropp. „Wir brauchen deshalb Investitionen in Köpfe.“

Zu wenig Erwerbstätige in Leipzig

Von dem Aufschwung, den Leipzig in den vergangenen Jahren genommen hat, darf sich die Stadt nach Ansicht des Volkswirts nicht blenden lassen. „Das Umfeld ist nicht gut“, erklärte Gropp. Die Stadt liege wie eine prosperierende Insel in einem Sachsen, das weiter schrumpfe und in dem die erwerbstätige Bevölkerung radikal abnehme. Das Bruttosozialprodukt betrage in Leipzig rund 23 000 Euro pro Einwohner. Zum Vergleich: In Hannover ist es doppelt, in Stuttgart viermal so hoch. Den Grund sieht Gropp vor allem in einer zu geringen Zahl von Erwerbstätigen. In Leipzig gebe es rund 300 000 Beschäftigte, in Stuttgart 500 000 und in Hannover 600 000. Gropp: „Das ist der Umland-Effekt.

Er macht Leipzigs Situation deutlich schlechter.“ Sein Befund: „Es gibt zu wenig junge große Unternehmen. Von den 500 größten deutschen Unternehmen wurden zwei Prozent nach 1975 gegründet, in den USA sind es 14 Prozent. Die Facebooks, Amazons und Googles entstehen bei uns nicht. Das ist für Stuttgart weniger ein Problem, aber für Leipzig ein Riesenproblem. Denn hier könnten sie entstehen.“ Der Arbeitsmarkt brauche zudem Zuwanderung, sonst gingen Deutschland ab 2025 jährlich 300 000 bis 400 000 Erwerbstätige verloren. Wozu das führt, so der IWH-Chef, ließe sich am krisengeschüttelten Japan beobachten.

Von Björn Meine

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