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Wolff zu Krawall-Diskussion: „Leipzig braucht keine Nachhilfe aus Dresden“

Ex-Thomaskirchenpfarrer Wolff zu Krawall-Diskussion: „Leipzig braucht keine Nachhilfe aus Dresden“

Die Diskussion um die Folgen der Krawalle am vergangenen Wochenende in Leipzig reißt nicht ab. Jetzt meldet sich Ex-Thomaskirchenpfarrer Christian Wolff zu Wort. Er sieht Versäumnisse beim Verfassungsschutz und lobt Leipzigs Engagement gegen extremistische Auswüchse.

Ex-Thomaskirchenpfarrer Christian Wolff.

Quelle: Leipzig report / Kempner

Leipzig. In die Diskussion um die Krawalle am vergangenen Wochenende in Leipzig hat sich jetzt Ex-Thomaskirchenpfarrer Christian Wolff eingeschaltet. Bei den Chaoten handele es sich zahlenmäßig um eine „sehr überschaubare Gruppe“, die auch mit den Jahren nicht gewachsen sei, sagte er am Freitag gegenüber LVZ.de. Von den kriminellen Taten gehe auch keine politische Gefahr aus. Versäumnisse sieht er allerdings beim Verfassungsschutz und dem Innenministerium.

Minister Markus Ulbig (CDU) hatte jüngst Forderungen aus Leipzig nach mehr Polizei als „populistisch“ zurückgewiesen. Die Reaktion sei für ihn nicht nachvollziehbar, so Wolff. „Wie sonst will man den Straftaten vereiteln, wenn nicht durch die Polizei?“ fragt Wolff in seinem Blog. Der Verfassungsschutz habe konkrete Zahlen zu den Autonomen in Leipzig genannt, sagte Wolff außerdem im Gespräch mit LVZ.de „Wenn die doch bekannt sind, muss man fragen: Warum können die nicht beobachtet werden? Warum ist man überrascht? Was machen denn unsere Sicherheitsorgane?“

Der ehemalige Thomaskirchenpfarrer, der zu Beginn des Jahres das breite Anti-Legida-Bündnis „Willkommen in Leipzig“ geführt hatte, stellt dagegen ausdrücklich Leipzigs bürgerliches Engagement gegen extremistische Auswüchse in den Mittelpunkt: „Leipzig braucht da keine Nachhilfe aus Dresden“, sagt er.

Heftige Debatten statt „Empörungstremolo“

In seinem Blogbeitrag erklärt Wolff: Gerade weil sich in Leipzig seit Jahren Aktionsbündnisse, Gewerkschaften, Kirchen und Parteien gemeinsam gegen rechtsradikales Treiben gestellt hätten, habe sich der „gewaltbereite, immer kleiner werdende Teil der sogenannten Autonomen“ isoliert. Das habe letztlich das Aus für die Neonazi-Demos unter dem Wortführer Christian Worch bedeutet, und diese gewachsene Struktur habe auch gegen Legida funktioniert. Leipzig trete immer hellwach für die Grundrechte ein, wenn diese politisch infrage gestellt würden. „Wir brauchen außerdem offene, heftige Debatten. Wir brauchen Beteiligung am politischen Prozess. So kriegt man Leute“, sagt Wolff.

Die Abgrenzung gegen Gewalt, egal aus welcher Richtung, sei von den Akteuren der Legida-Protest-Kundgebungen immer klar ausgesprochen worden. „Denn wenn Bahnlinien zerstört, Polizeistationen in Brand gesetzt werden, Menschen tätlich angegriffen und Gebäude beschädigt werden, dann sind das keine politischen Statements, sondern Straftaten“, betont der streitbare Kirchenmann.

Gleichzeitig stellt er fest: Was an solchen Taten „links“ oder politisch sein soll, bleibe ihm verschlossen. Auch die sich drehende Spirale von Distanzierung, mit möglichst starkem „Empörungstremolo“ in der Stimme, hält Wolff offenbar nicht für zielführend. Außer den Randalierern selbst werde wohl niemand ernsthaft die Gewaltexzesse befürworten. Gegenüber LVZ.de betont Wolff noch einmal: „Es gibt dafür keinen Rückhalt in der Gesellschaft. Deshalb geht davon keine politische Gefahr aus. Und das ist der große Unterschied zum Rechtsextremismus.“

Evelyn ter Vehn

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