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Leipzig Wird Leipzigs City-Tunnel der Gewinner beim großen Kohle-Poker?
Leipzig Wird Leipzigs City-Tunnel der Gewinner beim großen Kohle-Poker?
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08:58 04.12.2018
Die Chancen stehen gut, dass S-Bahn-Züge künftig auch bis Gera und Döbeln rollen können. Wasserstoffzüge könnten das möglich machen. Quelle: dpa/Jan Woitas
Leipzig

Die Pläne zur Anschaffung von Zügen mit alternativen Antrieben für neue S-Bahn-Verbindungen nach Döbeln und Gera bekommen unerwarteten Rückenwind: Die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ signalisiert Unterstützung. Gleichzeitig treibt das Bundesverkehrsministerium das Vorhaben voran, den Fernverkehr aus Chemnitz durch den Leipziger Tunnel zu leiten. Die Planer in Mitteldeutschland stehen vor großen Herausforderungen.

Einzugsgebiet um 40 000 Menschen erweitern

Experten untersuchen bereits seit eineinhalb Jahren, ob der Einsatz von mit Wasserstoff oder batterieelektrisch angetriebenen Zügen nach Döbeln und Gera (siehe Skizze) möglich ist. Mit diesen neuen Techniken ließe sich das Einzugsgebiet des Mitteldeutschen S-Bahn-Netzes um 40 000 Menschen erweitern, heißt es beim federführenden Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL). Für den Einsatz von Wasserstoff spricht, dass dieser im mitteldeutschen Industriedreieck vorhanden ist und es auch schon Teile einer Leitungsinfrastruktur gibt.

Bislang können auf beiden Relationen keine S-Bahnen verkehren, weil die Gleis­trassen nicht elektrifiziert sind. Dort sind nur dieselgetriebene Loks unterwegs, die aber nicht durch den Leipziger City-Tunnel – Herzstück des Mitteldeutschen S-Bahn-Netzes – rollen dürfen. Mit Wasserstoffzügen wäre die Fahrt durch den City-Tunnel dagegen kein Problem, denn sie stoßen statt Dieselruß nur noch Wasserdampf und Kondenswasser aus.

In diese Planungen ist jetzt richtig Tempo gekommen. Denn die Kohlekommission, die im Auftrag der Bundesregierung das Ende der Kohleverstromung vorbereitet, will den vom Kohleausstieg besonders betroffenen Regionen als Ausgleich Verbesserungen in der Infrastruktur zukommen lassen. In Ostdeutschland soll neben der Lausitz auch die Region Leipzig davon profitieren. So hat die Kohlekommission jetzt offiziell mitgeteilt, dass sie die Anschaffung von Wasserstoffzügen auf den Verbindungen nach Gera und Döbeln finanzieren könnte.

City-Tunnel müsste aufgerüstet werden

Der ZVNL registriert diese und andere Verlautbarungen sehr genau. Dort hat man festgestellt, dass die Kommission offenbar auch erwägt, die ebenfalls angestrebte Anbindung von Markranstädt mit einer möglichen Verlängerung über Weißenfels bis nach Naumburg – und vielleicht auch bis nach Merseburg – zu fördern.

Wie berichtet, plant auch das Bundesverkehrsministerium eine Fernverbindung durch den City-Tunnel. Sie will die Verbindung von Chemnitz nach Leipzig zwischen Chemnitz und Geithain elektrifizieren, so dass Fernzüge perspektivisch nicht mehr über Bad Lausick rollen würden wie bisher der Regionalexpress, sondern über den schon elektrifizierten Abschnitt Geithain und Borna bis unter den Hauptbahnhof.

„Dafür müssten wir dann aber die Sicherheits- und Signaltechnik auf der gesamten Strecke auf den neuen ETCS-Standard aufrüsten“, kommentiert ZVNL-Geschäftsführer Mietzsch diesen Plan. Nur so sei es möglich, den derzeitigen Zug-Abstand im City-Tunnel deutlich zu reduzieren und so Zeitfenster für die zusätzlichen Fernverkehrszüge zu schaffen. „Auch unsere bisherigen Züge müssten dafür umgerüstet werden, da die Intelligenz der neuen Technik in den Fahrzeugen steckt“, betont er. Auch eine Verlängerung der Tunnelstation im Hauptbahnhof sei dann wohl erforderlich. Denn dort können derzeit nur kleine ICE-Züge mit 240 Meter Länge halten – keine großen, mit über 300 Meter Länge. „Der bereits elektrifizierte Streckenabschnitt zwischen Geithain und Borna müsste dann auch von derzeit maximal 100 auf 160 Stundenkilometer erhöht werden, damit die Züge aus Chemnitz nicht länger unterwegs sind als heute.“

Infrastruktur für Wasserstoff-Betankung vorhanden

Angesichts der Vielzahl der neuen Optionen plädiert der Zweckverband inzwischen für eine abgestimmte Lösung. Natürlich sei eine zügige Elektrifizierung von Strecken eine „Vorzugslösung“, heißt es dort. Denn es mache wenig Sinn, die In-frastruktur für alternative Antriebsarten, insbesondere für „Wasserstoffzüge“, nur für eine einzige, vergleichbar kleine Teilstrecke zu nutzen.

Eine vom ZVNL gemeinsam mit der Metropolregion Deutschland in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie hat ergeben, dass die für Wasserstoffzüge erforderliche Betankungsinfrastruktur für die Streckenäste nach Döbeln und Gera in Leipzig aufgebaut werden könnte. In der Diskussion sind dafür fünf Standorte in Leipzig, favorisiert wird derzeit Plagwitz.

Studie zu batteriebetriebenen Zügen läuft

Auch der Bezug von Wasserstoff ist laut Studie relativ problemlos möglich. So betreibt die Linde AG in Leuna zwei Erdgas-Dampfreformierungsanlagen zur Wasserstofferzeugung. Dieses könne dort auch für den Straßentransport verflüssigt oder in ein regionales Wasserwerk-Pipelinenetzwerk eingespeist werden. Dafür wäre nur eine zusätzliche Rohrleistung von 14 Kilometern Länge erforderlich, heißt es in der Studie. Die Leitung könne gleich so ausgelegt werden, dass in der Region auch noch Busse mit Brennstoffzellenantrieb betankt werden können, ebenso private Pkw. Dadurch würde der Endpreis für den Wasserstoff sinken. „Wir haben in unserer Region Firmen, die den Wasserstoff produzieren – und eine Leitungsinfrastruktur“, betont Geschäftsführer Mietzsch.

Trotzdem lässt der ZVNL aktuell prüfen, ob statt der Wasserstoffzüge eventuell auch batteriebetriebene Züge angeschafft werden könnten. Das Ergebnis wird zum Jahresende erwartet.

Von Andreas Tappert

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