Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Gefälschte Auto-Ersatzteile erkennen

Verkehr Gefälschte Auto-Ersatzteile erkennen

Luxusuhren, Lederwaren oder Markenmode: Dass Kriminelle allerlei Gebrauchsgüter kopieren, ist hinlänglich bekannt. Doch die Produktpiraten fälschen auch Autoteile - und überschwemmen den Markt mit riskanten Schnäppchen, deren Einbau böse enden kann.

Voriger Artikel
Muss man verschneite Verkehrsschilder beachten?
Nächster Artikel
Diese zehn Autos sind 2017 reif fürs H-Kennzeichen

Sicherheitscheck: Verstärkt nutzen Hersteller von Ersatzteilen Siegel oder Etiketten auf ihren Produkten, bei denen die Verbraucher etwa im Internet die Echtheit der Teile überprüfen können. Foto: ATE

Stezzano. Normalerweise bummeln die Beamten von Polizei und Zoll allenfalls aus persönlicher Neugier über eine Messe. Doch im Herbst auf der Automechanika in Frankfurt hatten sie einen dienstlichen Auftrag. Sie machten Jagd auf gefälschte Ersatzteile.

Denn Fake-Ware gibt es nicht nur auf den Modemärkten in Fernost oder fliegenden Lederhändlern rund ums Mittelmeer. Längst haben Kriminelle auch Autoteile als lohnenden Geschäftszweig entdeckt und kopieren nahezu alle Komponenten, die im Ersatzteil- oder Zubehörgeschäft gehandelt werden, warnen Experten wie Hans-Georg Marmit von der Sachverständigenvereinigung KÜS. Durch die Fälschungen entstehen den Originalherstellern immense Schäden, die der europäische Dachverband der Automobil-Zuliefererindustrie CLEPA in Brüssel pro Jahr auf fünf bis zehn Milliarden Euro schätzt.

Aber vor allem riskieren die Käufer dabei Leib und Leben, weil die Fakes oft nicht die gleichen Eigenschaften haben wie das Original: Bremsscheiben oder Sättel können reißen, Dichtungen können platzen oder Chips schlicht die falschen Steuerbefehle liefern. Von den nötigen Prüfsiegeln ganz zu schweigen. "Was man nachmachen kann, das wird auch nachgemacht", ärgert sich Peter Wagner vom Zulieferer Continental. Er warnt davor, dass sich Produktpiraterie im so genannten Aftersales über nahezu alle Produktkategorien erstreckt. Besonders hoch im Kurs: sicherheitsrelevante Teile, die einem Verschleiß unterliegen und deshalb öfter ersetzt werden müssen. "Bremsenprodukte wie Bremsflüssigkeit, Bremsbeläge und Bremsscheiben sind deshalb gefährdeter als viele andere Warengruppen."

Oft hilft schon der gesunde Menschenverstand, eine Fälschung zu entlarven, sagt Marco Moretti, der beim italienischen Bremsenhersteller Brembo das Aftermarket-Geschäft leitet. Werde Ware deutlich unter den üblichen Listenpreisen angeboten, sollte man zumindest skeptisch werden, warnt der Experte. Und wenn auch noch die Verpackung oder die passenden Dokumente fehlen, gilt: "Finger weg!".

Um auf Nummer sicher zu gehen, schützen die Hersteller sich und ihre Kunden mit aufwendiger Technik gegen die Produktpiraten. Sie leisten sich deshalb wie Brembo eigene Abteilungen mit Dutzenden von Mitarbeitern, die Internetshops, Messen und Märkte durchstöbern und die Fälscher den Behörden melden. So hat zum Beispiel Continental gerade in Mexiko und Marokko Betrüger vor Gericht gebracht. Und sie haben spezielle, schwer zu kopierende aber leicht zu überprüfende Etiketten und andere Siegel entwickelt. Bei Brembo sind auf der Verpackung Gesichter der eigenen Mitarbeiter abgebildet, sagt Moretti. Außerdem nutzen die Italiener einen individuellen QR-Code, der die Packung als Original ausweist. Er ist in das Siegel und das Etikett der Schachteln gedruckt, wo man auch ein fälschungssicheres Hologramm erkennen kann

Auch Continental nutzt solche Etiketten mit Holografie-Technik, sagt Wagner und erläutert noch einen zweiten Schutzmechanismus, den Hersteller wie Bosch, Continental/ATE, Federal-Mogul Motorparts, GKN, GS1, Mahle, MANN-FILTER, Motorservice, Schaeffler, TRW und WABCO sowie die Datenplattform TecAlliance gemeinsam propagieren: Sie haben die Brancheninitiative "Manufacturers against Product Piracy" (MAPP) ins Leben gerufen und versehen die Verpackungen jetzt mit einem so genannten DataMatrix-Code. Damit bekommt das gekennzeichnete Autoersatzteil eine weltweit einzigartige Identifikationsnummer, anhand derer sich die Produkte eindeutig identifizieren lassen, so die MAPP-Allianz auf ihrer Website: Diesen Code überprüft man auf einer speziellen Internetseite, auf der Homepage des Herstellers oder teilweise sogar mit einem App auf dem Smartphone direkt im Laden: "Dann sieht man sofort, ob es sich um eine Originalverpackung oder eine Fälschung handelt", sagt Wagner.

Experten wie Marmit räumen ein, dass manche Teile sehr teuer sind. Er rät Knausern aber, ihre Ersatzteile lieber direkt beim Zulieferer zu kaufen statt beim Fahrzeughersteller oder in der Werkstatt nach generalüberholten Austauschteilen zu fragen. Von dubiosen Quellen und windigen Lockangeboten rät er dringend ab - selbst wenn es keine sicherheitsrelevanten Teile sind: "Wenn es dumm läuft, passt das Bauteil nicht richtig, hält nicht lange oder ist schlicht und einfach gar nicht zulässig." Billig kaufen heißt deshalb nicht selten doppelt kaufen. "Und wenn man dann auch noch die Rennerei und all den Ärger mit einrechnet, legt man am Ende wahrscheinlich sogar drauf."

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Aktuelles
  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Hier finden Sie Infos und Fotos vom Leipziger Opernball 2017 unter dem Motto „Moskauer Nächte“ mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album 2
    Leipzig-Album 2

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr