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Fazit der Testwoche: „Ich würde mir kein e-Auto kaufen“

Bilanz nach einer Woche Stromer Fazit der Testwoche: „Ich würde mir kein e-Auto kaufen“

Eine aufregende Woche liegt hinter Andreas Pankau: In den letzten sechs Tagen stieg der Leipziger auf den Stromer von VW um. Erlebt hat er Positives und Negatives und zieht nun für sich ein Fazit aus seinen Erfahrungen mit dem Elektroauto.

Wie lief der e-Auto-Test? Andreas Pankau zieht nach einer Woche Bilanz.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Eine aufregende Testwoche liegt hinter Andreas Pankau: In den letzten sechs Tagen verzichtete der Leipziger auf seinen dieselbetriebenen Audi und stieg auf den Stromer von VW um. Erlebt hat er Positives – „Ich fahre an der Ampel als erster los“ – und Negatives – „Hilfe, warum funktioniert die Stromtankstelle nicht?“ Der 38-Jährige sagt, er fand es spannend, das Auto zu testen und sich mit dem Thema Elektromobilität mal intensiv zu beschäftigen. „Ich habe jetzt einen guten Einblick bekommen“, findet er und kann nun ziemlich genau sagen, was ihm an dem e-Golf gefällt und welche Punkte verbessert werden müssten.

Pro e-Auto:

– Rein optisch gefällt ihm der e-Golf. „Ein solides Auto; wegen des kleinen Kofferraums sicher kein Familienwagen.“

– Bei niedrigen Geschwindigkeiten rollt der e-Golf leiser als ein Benziner über den Asphalt.

– Außerdem ist die Beschleunigung nur schwer zu toppen. „Ich habe mal ordentlich Gas gegeben und da sieht man, die anderen bleiben an der Ampel stehen.“

– Auch das Fahrgefühl bewertet Pankau positiv: „In der Stadt, aber auch auf der Autobahn macht es richtig Spaß, das e-Auto zu fahren.“

– Positiv fällt die Ausstattung ins Gewicht: Fahrassistenzsystem, Freisprecheinrichtung, Soundsystem.

Kontra e-Auto:

- Hauptkritikpunkt ist die geringe Reichweite des Autos von gerade mal 200 Kilometern. „Die Kapazität des Akkus ist nicht ausreichend. Das müsste dringend verbessert werden.“ 500 bis 600 Kilometer müssten auf alle Fälle drin sein, findet Pankau. Dann würde er bei langen Fahrten sogar die Zwangspause für das Laden des Akkus in Kauf nehmen.

Wann macht der Akku schlapp

Wann macht der Akku schlapp? Die geringe Reichweite von nur 200 Kilometern ist das größte Problem des e-Golfs, kritisiert der Testfahrer.

Quelle: Andreas Pankau

- Minuspunkte gibt es auch für den hohen Preis des Autos. In der Grundausstattung kostet der e-Golf 36.000 Euro. Das Modell, das Pankau diese Woche gefahren ist, schlägt mit all den technischen Finessen mit über 40.000 Euro zu Buche. Allein das Fahrspurassistenzpaket kostet 1770 Euro extra, das Soundsystem 680 Euro. „Das ist heftig“, findet der 38-Jährige.

- Pankau fragt sich zudem, wie lange der Akku des e-Golfs wirklich hält und wie teuer ein neuer wäre. VW gibt auf den Akku acht Jahre lang Garantie. Doch ob diese Prognose stimmt?

Müsste er eine Schulnote vergeben, würde das e-Auto von ihm eine klare 3 bekommen. „Die Reichweite fällt schwer in die Waagschale“, begründet Pankau. Immerhin ein „Befriedigend“ für den e-Golf.

Erlebnis „e-Auto fahren“ kommt schlechter weg

Weil er fair bewerten will, unterscheidet der Tester zwischen dem Elektroauto an sich und dem Erlebnis „e-Auto fahren“ als Ganzes. Schließlich gäbe es hier Kritikpunkte, für die die Autobauer nichts können. Was das Drumherum angeht, ist der Zahnarzt allerdings noch kritischer. Generell könne er sich schon vorstellen, irgendwann einmal ein e-Auto zu fahren. „Man kriegt es hin im Alltag, muss aber gut planen.“ Allerdings müssten dafür einige Voraussetzungen erfüllt sein:

Für das Fahrerlebnis mit dem e-Auto vergibt Pankau die Schulnote 4 oder 5 – vor allem wegen des schlecht ausgebauten Ladenetzes

Für das Fahrerlebnis mit dem e-Auto vergibt Pankau die Schulnote 4 oder 5 – vor allem wegen des schlecht ausgebauten Ladenetzes.

Quelle: Dirk Knofe

Das Hauptproblem sei die geringe Zahl der Ladesäulen. Davon sollte es mehr geben, und zwar am besten ohne zeitliche Begrenzungen. „Nach vier Stunden muss ich wieder umparken, das ist hier im Innenstadtgebiet nicht leicht und nervt. Es müsste außerdem immer gewährleistet sein, dass ich eine freie Ladesäule bekomme“, so Pankau. Wenn jedoch immer mehr Menschen ein e-Auto fahren, dann wäre auch der Andrang an den Stromtankstellen größer, gibt er zu bedenken. Das könnte zu neuen Problemen führen, da das Tanken ja nicht, wie beim Benziner, nur ein paar Minuten dauert.

Was tun, wenn die Stromtankstelle besetzt ist

Was tun, wenn die Stromtankstelle besetzt ist? Andreas Pankau wünscht sich mehr Ladesäulen.

Quelle: dpa

Von dem Vorschlag des Vertreters der Stadtwerke, sich für längere Urlaubreisen ein benzinbetriebenes Teilauto zu mieten, hält Pankau nichts. „Das kostet dann ja wieder extra“, entgegnet er. „Für mich käme das nicht in Frage.“ Er als täglicher Pendler könne auf ein eigenes Auto nicht verzichten. Mit dem will er auch weitere Strecken zurücklegen können.

Strom fürs Auto kostet zuviel

Ein weiterer Kritikpunkt: die hohen Kosten für den Strom. Pankau hat sich ausgerechnet, dass er beim Verbrauch nicht spart. Aktuell gibt er monatlich etwa 200 Euro für Sprit aus. Das würde sich mit einem Elektroauto vermutlich nicht ändern. Zwar kann er an den Ladestationen der Leipziger Stadtwerke noch kostenfrei tanken. „Aber wie lange wird das noch so sein?“, fragt sich der 38-Jährige.

In Chemnitz müsste er für den Strom mit Sicherheit zahlen, auch an den Schnellladesäulen unterwegs kostet das Laden. Auf der Fahrt zu seiner Oma ins mecklenburgische Malchow fielen Stromkosten von etwa 50 Euro an. „Mit meinem Auto würde ich bei einem Dieselpreis von 1,10 Euro sogar günstiger kommen“, rechnet Pankau vor. „Zumindest, wenn ich so langsam fahre, wie mit dem e-Auto.“

Anreize schaffen für einen Stromer

Ein Vorschlag des Testers

Ein Vorschlag des Testers: Der Strom sollte subventioniert werden.

Quelle: dpa

Seiner Ansicht nach müssten weitere Anreize geschaffen werden, Autofahrer dazu zu bewegen, elektrisch zu fahren. Die Prämie von bis zu 4000 Euro und die Befreiung von der Steuer seien seiner Meinung nach dafür nicht ausreichend. „Es wäre gut, wenn der Strom subventioniert würde und nur halb so teuer wäre“, schlägt er vor. Das Gesamterlebnis „e-Auto fahren“ bewertet Andreas Pankau mit der Schulnote 4 bis 5. „Das schlecht ausgebaute Ladenetz und der hohe Strompreis fallen hier ins Gewicht“, begründet er die Entscheidung. Immerhin: Stehen geblieben ist er mit dem e-Golf nicht. „Dann hätte ich wohl ein „Durchgefallen“ geben müssen“, sagt er und lächelt.

Fazit der Testwoche: Andreas Pankau ist nach wie vor nicht abgeneigt, irgendwann auf einen Stromer umzusteigen. „Aktuell würde ich mir aber kein e-Auto kaufen.“

Von Gina Apitz

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