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18:03 09.10.2015
Nicht immer ist das Zusammenleben von Hund und Katze so harmonisch - wer aber einiges beachtet, kann den Tieren ein friedliches Mieinander ermöglichen. Quelle: Silke Heyer
Tübingen

Katzen im Hundekörbchen oder beide Tiere Nase an Nase - solche Fotos oder Videos kursieren im Internet. Viele Nutzer finden das putzig und lustig. Aber sehen die Tiere das genauso?

Katze-Hund-Gemeinschaften seien künstliche Eingriffe in die Natur, sagt

Thomas Steidl, vom Ausschuss für Kleintiere in der Bundestierärztekammer. Die Tiere hätten evolutionär bedingt überhaupt nichts miteinander zu tun: "Der Mensch hat zwar den Hund vollständig und die Katze partiell sozialisiert, aber beide Tierarten haben total unterschiedliche, auch soziale, Anforderungen", sagt Steidl.

Zeigt ein Hund bereits Aggressionen gegenüber anderen Tieren oder sogar Menschen, dann sollte man die Zusammenführung mit einer Katze besser lassen, empfiehlt Hundetherapeutin

Stephanie Grube. Gleiches gilt bei sehr ängstlichen Hunden. Sie rät ebenfalls von der Anschaffung eines kleineren Tieres ab, wenn der "Erst-Hund" ein starkes Hetz- und Jagdverhalten hat. "Der Hund wird aufgrund seines Verhaltens seinen Besitzer in den Wahnsinn treiben, und man muss ewig darauf achten, dass die Tiere nicht aus Versehen unbeobachtet sind", sagt Grube. Sie rät im Zweifelsfall zum Treffen mit einem Hundetrainer.

Tierärztin und Verhaltenstherapeutin Xenia Katzurke aus Berlin erklärt, wie sich testen lässt, ob ein Hund friedlich auf Katzen reagiert: "Wir prüfen unsere Hunde mit Katzen, die hundeerfahren sind." Dabei läuft die Katze frei im gewohnten Territorium, während der Hund mit Maulkorb und Leine gesichert ist. Auch die Katze hat ihre Bezugsperson dabei. "Je nach Körperhaltung und Pupillengröße gibt dies Aufschluss auf ein eventuell vorhandenes Jagdverhalten", erklärt Katzurke.

Aber selbst katzenerfahrene Hunde verstehen sich nicht per se mit jeder Katze, erzählt die Tierärztin. "Es ist und bleibt eine individuelle Situation, in der durchaus auch Kreativität und Empathie eine große Rolle spielen." Und Grube ergänzt eine weitere Voraussetzung: "Es ist sehr wichtig, dass die Beziehung zwischen dem Ersthund und dessen Menschen in Ordnung ist."

Stimmt die Beziehung, erkennt der Hund das neue Tier als Eigentum des Menschen an. Dies ist Voraussetzung für ein friedliches Kennenlernen. Und die Auswahl des "Zweit-Tieres" spielt natürlich auch eine wichtige Rolle: "Es ist wichtig, dass die Tiere zueinander, in das eigene Umfeld und zu einem selbst passen", sagt Katzurke.

Am größten sind laut Steidl die Erfolgsaussichten, wenn ein erwachsenes, sozial geprägtes Tier mit einem jungen, noch nicht geprägten zusammengeführt wird. Insbesondere Hündinnen vertragen sich oft gut mit Katzenjungen. In solchen Fällen kann die Hündin die Rolle einer Ziehmutter übernehmen - und die Katze kann von ihr lernen.

Aber auch andere Konstrukte sind denkbar. "Wenn es sich ergibt, ist das prima und putzig", sagt Steidl. Er rät aber von Experimenten und zwanghaften Versuchen, Tiere zusammenzuführen, ab. "Eine sehr alte Katze hat zum Beispiel oft keine besondere Motivation, sich mit einem jungen Hund auseinander zu setzen", ergänzt Katzurke.

Ist das womöglich passende zweite Tier gefunden, sollten Halter das Kennenlernen der Tiere sorgfältig vorbereiten. Der Neuzugang sollte beispielsweise einen Rückzugsort mit einem eigenen Schlafplatz und einem eigenen Napf bekommen. "Möglichst ein Ort, den der Hund akzeptieren und von dem er fernbleiben muss", so Grube. Die Experten raten: Für den wichtigen Tag des Einzugs einen Helfer organisieren. "Ein Mensch und ein Tier ergeben jeweils ein Team", sagt Hundetherapeutin Grube.

Ein weiterer Tipp ist, schon im Voraus eine Decke mit dem Duft der Katze ins Haus zu holen, damit der Hund sich daran gewöhnen kann. Los geht es dann mit erstem Blickkontakt und Beschnuppern - der Hund bleibt dabei an der Leine. "Vermeiden sollte man dabei eine stressige Umgebung und hektische frontale Konfrontation", empfiehlt Katzurke. Die Tiere entscheiden also selbst, wie weit sie gehen.

Ähnliches gilt, wenn nicht eine Katze, sondern beispielsweise ein Nager mit einem Hund im Haus leben soll. Auch dann kommt es besonders auf das Jagdverhalten des Hundes und den Erstkontakt an der Leine an, sagt Katzurke. Sitzt ein Tier in einem Käfig, darf der Hund beispielsweise nicht dagegen springen oder bellen. Außerdem sollte das Tier im Käfig genug Platz haben, um sich zurückzuziehen und zu verstecken.

dpa

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