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Tiergeschichten Am Ende der Leine
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13:07 11.02.2015
Quelle: Jochen Lübke dpa

Beate und ihr Mann hatten das Haus erst kürzlich gekauft. Schon immer war es ihr Wunsch gewesen, das Stadt- gegen das Landleben einzutauschen. Und zu dem erworbenen Haus gehörte besagter Schuppen. Jedes Mal, wenn Beate vor dem Anbau stand, formten sich in ihr ein paar konkrete Gedanken. Sie wollte den Schuppen vom Gerümpel befreien und einer guten Bestimmung zuführen. Auch die Richtung stand schon fest. Sie sollte verbunden sein mit einem allmählich wachsenden Wunsch. Bei Bekannten lebten ein paar putzige Wesen, die ihre Zuneigung gewinnen konnten. Schweine. Doch keine gewöhnlichen Schweine, sondern Minipigs. Schweinchen im Miniatur-Format.

Die kleinen Borstentiere glänzten durch hohe Intelligenz, Zärtlichkeit und Charme. Sie sprangen quirlig über den Hof, boxten sich spielerisch in die Seiten und schienen auf ihren Gesichtern ein ständiges Lachen zu tragen. Bislang war die Idee, sich mit eigenen Quiekern zu umgeben, aufgrund ihres Lebens in der Stadt nicht umsetzbar gewesen. Doch nun, auf dem flachen Land, sah die Sache anders und vielversprechend aus. Trotzdem: Es fehlte für Beate noch der letzte Schubs, um dem Gedanken auch Taten folgen zu lassen. Etwas in ihr war noch nicht bereit für ein Leben mit Borstenträgern. Ihr Mann tendierte auch eher zu Hunden, was einen gravierenden Unterschied zu Schweinen bilden dürfte. Er stellte es sich entspannend vor, nach Feierabend durch den Ort zu wandeln, eine Leine in der Hand und am anderen Ende ein oder zwei nette Hunde. So war die Frage nach neuen tierischen Hausgenossen noch völlig ungeklärt und bis zu einem Ergebnis nutzte Beate, um ihre Erlebnisspeicher mit Entzücken zu füllen, weiterhin die befreundeten Schweinchen.

Dann kam bei denen Nachwuchs an. Die Ferkel waren so reizend und suchten nach angemessener Zeit einen eigenen Wirkungskreis, fern von ihren Eltern. Da hielt Beate nichts mehr zurück, sie überzeugte auch ihren Mann, der Schuppen wurde zum Stall umgebaut, ein Auslauf angeschlossen und Fritz und Frieda zogen ein. Sie sahen allerliebst aus, beide rosig wie Marzipan, Fritz mit schwarzen Ohren und Frieda mit Sprenkeln auf dem Rücken. Die beiden gewöhnten sich schnell an das neue Zuhause und Beate wurde nicht müde, ihre Gesichter zu betrachten. Die kleinen Rüssel mit der Steckdosennase, die hohe, runde Stirn – die Schweinchen erfüllten aufs Schönste das rührende Kindchen-Schema. Voller Lebensfreude rannten sie herum, federten im Sprung, als wäre der Garten ein Trampolin, und trugen in ihren Mienen das gleiche Lächeln wie die Eltern. Sie buddelten im Stall erwartungsgemäß im Stroh und gruben tiefe Furchen auf der angegliederten Wiese. Schweine sind professionelle Wühler, ob groß oder als Kleinstausgabe. Die beiden Minipigs wollten keine Ausnahme sein. Sie warfen das Erdreich auf, gestalteten das Grundstück um, wenn man sie gewähren ließ, verströmten gute Laune und Liebenswürdigkeit.

Bald hörten sie auf ihre Namen und taten eine Menge für Futter, speziell für Äpfel und Karotten. Dann begann Beate, die Schweinchen zu dressieren. Sie brachte ihnen bei, über eine Wippe zu laufen, an deren anderem Ende als kleiner Denkanstoß eine dicke Möhre lockte. Die Schweine trugen auf Befehl Gegenstände herbei und waren sehr erfreut, ihre Klugheit zeigen zu können. Bei allem, was sie taten, bewiesen sie sich als äußerst gelehrig. Beate dachte an ihren Mann, dachte an seinen Wunsch nach Spaziergängen durch die Gegend. Dann kam ihr eine Idee: Sie kaufte zwei kleine Halfter, zog sie über die runden Körper und begann mit heimlichem Training.

Als es endlich klappte, präsentierte sie ihrem Mann die große Überraschung. Der nahm nach anfänglicher Skepsis mutig die Herausforderung an und traute sich durch das Dorf. Und er konnte bemerken: Der Spaziergang war entspannend, wohltuend und erbaulich und verbannte alle Hektik. Zu seiner großen Belustigung sah er das ungläubige Staunen der Menschen. Die registrierten einen Mann mit Leine und am Ende dieser Leine trabten stolz zwei kleine Schweine.

Karin Tamcke

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