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Tiergeschichten Am richtigen Platz
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21:28 15.04.2014
Quelle: Wolfgang Sens

Fredo hat viel Persönlichkeit, aber wenig Talente, legt man die Leistungen der Artgenossen bei ihm als Maßstab an. Der kleine blonde Mischling kann weder apportieren noch auf Befehl die Pfote geben. Und auf dem Hundeplatz ist er stets der Verlierer, wenn es um Agility geht. Nie hat er gelernt, durch den Tunnel zu kriechen, im Slalom die Stäbe zu umrunden oder etwa durch Reifen zu springen. Er scheiterte schon am Grundprinzip. Und selbst die Wachsamkeit hat sich bei dem milden Rüden ins Gegenteil verkehrt. Er ist die Freundlichkeit in Person, würde jedem Besucher in Zuvorkommenheit die Türen öffnen, wäre er dazu in der Lage.

Man könnte nun versuchen, das Ganze zu hinterfragen, nach dem Ursprung zu suchen. Ist in seinen Genen nicht das kleinste Talent zu finden? Fest steht, er wurde nicht extra gezüchtet, keiner hatte versucht, ganz besondere Gaben durch eine Auslese zu erzielen. Nein, Fredo ist ein Zufallsprodukt. Entstanden aus einer Liaison zwischen Hofhund und unbekanntem Streuner. Eines Tages war er da, zusammen mit seinen Geschwistern, die man bald vermitteln konnte. Nur Fredo wollte es nicht gelingen, die Blicke der Interessenten zu fesseln und in seine Richtung zu lenken. Dann hatte er doch noch Glück. Sein künftiges Herrchen kam auf den Hof, wollte nur Kartoffeln kaufen. Und neben einem gefüllten Korb trug er noch etwas mit sich, trug es vorsichtig nach Hause. Dieses Extra war so reizend und spülte mit seinem Welpencharme sämtliche Bedenken fort. Denn eigentlich war die Zeit vorbei, wo er einen Hund als einen Begleiter suchte. Doch Fredo hatte ganz spontan seine Zuneigung erweckt. Und warum nicht im Rentenalter noch einmal mit einem Tier beginnen?

Die Mann-und-Hund-WG entwickelte sich positiv. Fredo wuchs heran, unbeschwert von Intelligenz, die sich darin äußern sollte, dass er Kommandos lernen und zur Ausführung bringen würde. Um den Alltag aufzuwerten, hatte sein Herrchen nämlich im Sinn, ein paar Dressuren zu entwickeln und bei Fredo umzusetzen. Nichts davon funktionierte. Fredo war gleichbleibend freundlich und entzückt von der Aufmerksamkeit, doch blieb ihm der Zweck dahinter verschlossen. Gab es nichts, was Fredo konnte? Jeden Tag nur Müßiggang und Stunden auf der Couch? Dann las sein Herrchen eines Tages einen Report in der Zeitung. Damit war der Einstieg vollzogen in ein völlig neues Gebiet. Fredo sollte wichtig werden, nicht nur für seinen Besitzer. Die große Freundlichkeit des Hundes könnte man kanalisieren und als Lesehund an Schulen zum geschätzten Einsatz bringen. Damit war nicht gemeint, dass der kleine Mischling ins ABC einsteigen sollte, das wäre auch zu viel verlangt. Fredo würde sich vorlesen lassen und damit Kinder unterstützen, die an Leseschwäche leiden. Sein Job wäre es zu lauschen, ohne Vorurteile, um Angst und Spannung abzubauen und auf diese Weise die Leseleistung zu verbessern. Fredos charmantes Naturell gab so viel Einfühlsames her, das keinen Leistungsdruck erzeugte. An der örtlichen Schule würde Fredo heilvoll wirken. Er wäre hier am richtigen Ort.

Sein Herrchen hatte Erfahrung mit ehrenamtlicher Tätigkeit. Das hier war ein neuer Weg, den es zu beschreiten galt, und das gemeinsam mit Fredo. Keine Agility-Versuche und albernen Kunststückchen mehr. Allein die nette Persönlichkeit des kinderlieben Hundes war in diesem Fall gefragt. Bald gab es ein Probelesen, das Fredo mit Bravour bestand. Er ging auf die kleinen Vorleser zu, umhüllte die nüchterne Schulatmosphäre mit einer Aura aus Herzlichkeit. Aufmerksam und zugewandt gab er sich den Worten hin. Er korrigierte nichts, belächelte keine Fehler, ermunterte durch Blicke, wedelte Zaghaftigkeit hinweg. Er stützte Hoffnung und Zuversicht, streichelte das Selbstvertrauen. Die Kinder liebten ihn sofort, warten seitdem mit Freude auf ihn. Er wird noch viel bewirken können, da sind sich alle sicher. Und wieder hatte Goethe recht, als er folgende Zeilen schrieb: Lehre tut viel, aber Aufmunterung tut alles. Kannte er einen Hund wie Fredo?

Karin Tamcke

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