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Aus die Maus

Aus die Maus

Ich hatte nur Katzenstreu kaufen wollen. Und dann sah ich sie: silbergraue Pelzchen, rubinrote Augen. Mäuse. Wunderschön fand ich sie, elegant, edel und kostbar.

. „Ach die!", sagte der Mann in dem Zoogeschäft. „Die sind für die Schlangen." Wie bitte?!!! Und ohne jegliche Skrupel kaufte ich den Schlangen ihr Frühstück weg.

Wie macht man den Lieben zuhause klar, dass plötzlich zwei Mäuse zur Familie gehören? Die Reaktionen konnten verschiedener nicht sein: Große Freude bei den Kindern, Verblüffung und Skepsis bei meinem Mann, hellstes Entzücken bei den Katzen – und Ekel und Entsetzen bei meiner Schwiegermutter, die schwor, keinen Schritt mehr über unsere Schwelle zu tun, solange bei uns Mäuse lebten.

Die jedoch, Bill und Dill getauft und von alledem nichts ahnend, bezogen ein gemütliches Terrarium. Sie bekamen darin viele Äste zum Klettern, ein schönes Eigenheim samt Laufrad und lebten fortan in ihrem eigenen kleinen Mäusekosmos. Keinerlei traumatischen Erinnerungen nachhängend, richteten sie sich ein. Nett war es, ihr Treiben zu verfolgen, wenn auch der olfaktorische Genuss deutlich zweifelhaft war. Will heißen: Mäuse und empfindliche Nasen sind höchstwahrscheinlich nicht kompatibel.

Bill erwies sich als idealer Ehemann. Er kümmerte sich um Haus und Hof und machte sogar die Betten, was Dill als nicht gut genug empfand und ihren Unmut darüber zeigte, indem sie die Papierschnipsel zum Fenster rauswarf, wo sie vom unverdrossenen Bill wieder eingesammelt und zur Tür ins Haus getragen wurden, wo Dill sie wieder aus dem Fenster warf, wo Bill sie wieder durch die Tür ... und so weiter und so fort, so ging das stundenlang, was der Zuneigung zueinander aber keinen Abbruch tat.

Sie liebten sich heiß und innig, trotz unterschiedlichster Ansichten über Haushaltsführung und Kindererziehung. Denn es dauerte nur zwei Wochen, da zappelten vier stramme Jungmäuse im Nest: Schweinchenrosa, haarlos und blind. Nun zeigte der stolze Bill, was ein liebender Vater ist. Er putzte die Kleinen und bettete sie um und hätschelte sie und putzte sie wieder und wieder, während seine Angetraute durch das Terrarium flanierte und das Kinderzimmer nur zum Säugen betrat, eine Tätigkeit, die Bill auch mit bestem Willen nicht ausführen konnte, das musste selbst Dill einsehen.

Bald wurden die Mäuslein niedlich, bekamen rubinrote Augen und silbergraue Fellchen. Sie turnten an den Ästen und Papa Bill zeigte ihnen die Welt. Drei Wochen später gab es Nachschub. Neben dem Flanieren hatte Dill noch Zeit gefunden, vier weitere Kinder zu gebären.

Bill war nun rund um die Uhr alleinerziehender Vater. Und wir Besitzer von zehn Mäusen. Alle entzückend und edel und kostbar. Trotzdem – es wurde allmählich Zeit, sich ernsthaft Gedanken zu machen. Am einfachsten war die Trennung nach Geschlechtern. Und genau das taten wir. Ein Terrarium für die Mädels, eins für die Mäuseknaben. Und wir hatten sogar Glück, nicht immer vertragen sich Farbmaus-Männchen, wie wir später erfuhren.

Aber was war mit Bill und Dill? Wer könnte so herzlos sein, das liebende Paar zu trennen? Über Bills Mäusekopf hinweg beschlossen wir für ihn die Kastration. Ein Anruf bei unserem Tierarzt. Ja, er wollte den Eingriff wagen, auch wenn es für ihn ein Novum war.

Bill überstand die OP mit Bravour. Nach einem eintägigen Krankenlager konnte er zurück in Dills Arme. Und beide führten noch lange ein glückliches Mäuseleben. Nur was die weitere Vermehrung anging, da hieß es endgültig: Aus die Maus!

Karin Tamcke

Karin Tamcke

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