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Bommels Rache

Bommels Rache

War es ein Racheakt? Die Strafe für die Nichtbeachtung? Wer hätte das wissen sollen? Bommel jedenfalls machte ein Pokerface. Keine Miene verzog er. Keine Falte bedeckte die Stirn.

Quelle: privat

Die schwarzen und grauen Linien in seinem Tigergesicht umrandeten wie immer im Gleichmaß die grünen Kateraugen, aus denen Unergründlichkeit sprach. Nein, Bommel erklärte sich nicht. Möge man doch sein Verhalten als Folge auf das Unrecht werten. Zumindest war damit erreicht, dass sich nun alles um ihn drehte, wenn auch nicht in lobender Form. Doch hatte er das erwartet? Man kann das nie wissen bei Katzen. Nein, ein Lob schien unwahrscheinlich. Denn es war zu befürchten, dass Bommel im Vollbesitz seines Trotzes die Tat begangen hatte. Zu stark wich sein Betragen von der Vorschrift ab. Im Grunde kennt er die Regel. Und die besagt ganz klar: Eine Maus gehört nicht ins Bett! Ansonsten führt Bommel ein freies Leben.

Er kam als junges Katzenkind in sein jetziges Zuhause. Auf dem benachbarten Bauernhof waren Kätzchen angekommen, alle wurden vermittelt bis auf ein Tigerkaterchen. Wollte das etwa keiner? Doch dann fand sich auch für den Gestreiften eine nette Familie. Er konnte es kaum besser treffen: Bommels neue Menschen leben am Ende der Straße in einer ruhigen Gegend. Hier wuchs der Kater auf, unbeschwert und unbehelligt von Autos und anderen Gefahren. Bald arbeitete er sich erfolgreich in den Job als Jäger ein. Als reiner Autodidakt fand er auch ohne Schulung die beste Strategie. Besonders durch den Mäusefang verdient er sich nun manches Zubrot. Und weil er sozial veranlagt ist, möchte er auch seine Menschen an der Atzung teilhaben lassen, die ihrerseits nicht freudig nach dieser Großzügigkeit verlangen. Doch wissen sie genau, dass Bommel darauf wartet, für sein Jagdglück gelobt zu werden und nicht zuletzt für das Angebot, seine Beute mit ihnen zu teilen.

Stolz erhobenen Hauptes, im Fang eine fette Maus, war er auch heute angekommen. Doch diesmal gestaltete sich alles anders. Keiner hatte Augen und Ohren für den siegestrunkenen Bommel. Im Haus ging Hektik um. Es wurde geputzt und gewienert. Der Staubsauger, von Bommel überzeugend gehasst, brummte aggressiv, es klapperte Geschirr, Stühle wurden gerückt – man bereitete sich mit Eifer auf eine große Feier vor. Da war kein Platz für Bommel und seinen Jagderfolg, er wurde nicht einmal wahrgenommen. Und da tat der Kater, was er sonst nie darf. Er trug die Maus ins obere Stockwerk, wo die Gästezimmer liegen. Alles war bereits gerichtet für die Übernachtungsgäste. Bommel sprang mit Schwung aufs frisch bezogene Bett, ohne große Gewissensnot, und widmete sich der Maus. Die schmutzigen Katerpfoten, an denen noch die Erde klebte, würde er später putzen, was er dann auch tat.

Danach verlangte er nach einem kleinen Schlummer und da aus dem Erdgeschoss noch immer die Akustik großer Betriebsamkeit drang, entzog sich Bommel dem Trubel, indem er im Gästezimmer verblieb. Er wechselte nur kurz das Bett, denn auf den Mäuseresten mochte er nicht ruhen. In der federleichten Umarmung des nachbarlichen Deckbetts sank er in einen entspannenden Schlaf, wobei kein Anflug von Schuldgefühl seine Seele kräuselte.

Es ging schon stark auf den Abend zu, die Gäste würden bald erscheinen, da trieb es Bommels Frauchen zur letzten Inspektion noch einmal in den Raum, in dem noch immer der Kater schlief. Durch das ganze Haus drang der Entsetzensschrei. Auf den frisch bezogenen Betten verteilten sich die Überbleibsel kätzischer Völlerei. Und der Übeltäter, zum gemütlichen Kringel gerollt, strahlte Unschuld aus. Oder war es Scheinheiligkeit? Er erhob sich nicht einmal. Wollte er mit seinem Benehmen ein deutliches Zeichen setzen? Allen damit bekunden: Das habt ihr nun davon!? Man ignoriert nicht ungestraft einen mäusetragenden Kater! – war das die überbrachte Botschaft, verpackt in einer tranchierten Maus?

Er hatte erreicht, was er wollte. Nun wurde ihm Aufmerksamkeit zuteil, und das in nicht geringem Maße. Selbstverständlich gab es kein Lob. Doch Bommel überhörte die strafende Komponente. Und lange währte der Ärger nicht. Denn an der Liebe seiner Menschen zu ihrem grau gestreiften Kater wird es nie einen Zweifel geben. Ob mit oder ohne Maus im Bett.

Karin Tamcke

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