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Das Wunder der Verwandlung

Das Wunder der Verwandlung

Wenn man einen Teich anlegt, dann ist das nicht nur ein optischer Gewinn, sondern auch ein kleines Abenteuer. Wer wird sich im neuen Lebensraum einquartieren? Man kann Fische einsetzen – und das war‘s dann.

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Quelle: dpa

Die buddeln im Boden, machen das Wasser trüb und fressen alles, was ihnen vor die Kiemen kommt. Man kann es aber auch anders machen. Kann abwarten, wer von selbst erscheint. Was viel spannender ist. Und genau so verfuhren wir.

Wobei wir nicht lange warten mussten. Kaum war die Grube ausgehoben und das Wasser strömte ein, da waren sie schon da, die ersten künftigen Bewohner. Wasserläufer. Aus dem Nichts erschienen. Über welche Leitung hatten sie die Information empfangen, dass hier eine neue Bleibe entstand? Sie schlitterten über die Oberfläche, nahmen den Teich in Besitz. Als nächstes kamen Mückenlarven und wir ahnten nichts Gutes. Es folgten Wasserflöhe, Wasserkäfer und noch so allerhand Krabbelzeug. Bald wurde das kleine Gewässer zum Liebestreff paarungsbereiter Frösche, die viel Gequake und ebenso viel Laich erzeugten, aus dem sich nach angemessener Zeit winzige Kaulquappen formten. Über der Oberfläche schwebten bunte Libellen, Vögel nutzten den Teich als Freibad – ein reges Leben entwickelte sich.

Und dann sah ich eines Tages ein paar neue Bewohner. Schmutzigbraune Wesen und wenig attraktiv. Sie gründelten tief unten im Schlamm und hatten so gar keinen Charme. Ihre langen schmalen Körper steckten in Panzern wie Ritter in der Rüstung, was ihnen ein martialisches Aussehen gab. In ihren Gesichtern war ebenfalls kein milder Zug zu finden. Sie waren auch nicht in friedlicher Absicht da, das war recht schnell zu merken. Dass sie die Mückenlarven fraßen, fand ich noch in Ordnung. Aber sie fielen auch über die Kaulquappen her. Hockten lauernd im modrigen Untergrund, um Unauffälligkeit bemüht, saßen unbeweglich da, wie ein Teil des Schlammes, um dann, wendig trotz des Panzers, blitzschnell hervorzuschießen. Das Opfer sah sich daraufhin von festen Greifarmen umklammert und zügig hinter den Mandibeln verschwinden. Aus ihr würde nun kein Frosch mehr werden, das war der armen Quappe klar.

Was waren das für gnadenlose Räuber? Sie schienen sich wohl zu fühlen in unserem Gartenteich. Immer mehr wurden es und sie wuchsen merklich bei dem guten Nahrungsangebot, das ihnen vor die Mundwerkzeuge schwamm. Und dann geschah eines Tages etwas höchst Erstaunliches. An einem schönen Sommermorgen sah ich einen der Geharnischten aus dem Wasser steigen. Er erkletterte einen Schilfhalm. Und tat erst einmal – nichts. Was suchte er über der Wasseroberfläche? Dann sah ich, er war nicht alleine gekommen. Es schien eine ganze Versammlung zu sein. Überall klammerten sie sich fest, diese braunen Ungeheuer, verbanden sich mit Tannenwedeln und den Halmen von Kalmus und Schilf. Hingen unbeweglich da und meditierten vor sich hin.

Doch dann gab es bei jedem von ihnen eine Veränderung. Im Nacken platzte der Panzer. Eine kleine Sollbruchstelle, durch die etwas Zartgrünes drängte. Unendlich langsam, im Verlauf mehrerer Stunden, hatte sich aus der Öffnung allmählich ein neues Wesen gewunden. Zum Schluss klebte am Halm eine leere Haut, daneben blinzelte eine hübsche große Libelle ins helle Tageslicht, das sie erstmals mit neuen Augen sah. Eine Mosaikjungfer war geboren. Hatte sich befreit vom Dasein im Schlamm des Teiches. Und nun wusste ich: Es war keine neue Spezies, die den Untergrund beherrschte. Es waren Libellenlarven. Nach drei Jahren ihres beengten Lebens im Wasser durften sie nun den hässlichen Larvenkörper verlassen.

Das Wunder der Verwandlung machte sie zu überaus schönen Insekten. Vollzogen war die Metamorphose vom hässlichen Entlein zum stolzen Schwan. Eine Larve nach der anderen erfuhr diese Veränderung. Lange saßen sie da, die bunten, schillernden Libellen. Im Licht härteten ihre Flügel aus und auf ihren Körpern intensivierte sich das anfänglich blasse Muster zum kräftig grünblauen Mosaik. Dann begannen sie, die Flügel zu erproben. Ließen sie schwirren und übermütig rotieren wie kleine Hubschrauberpropeller. Bis sie endlich aufstiegen zu ihrem Jungfernflug in ein neues, freies Leben. Und ich sah künftig ihre Larven in einem ganz neuen Licht.

Karin Tamcke

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