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Die Übermutter

Die Übermutter

Hatten die Ferkel es geahnt, wie dringend sie ihre Zuneigung brauchte? Waren sie so sensibel, trotz des geringen Alters, die Notwendigkeit zu spüren? So muss es gewesen sein, denn warum hätten sie sich sonst einem artfremden Wesen zugewandt? Nun aber erfuhr die Hündin Rosita eine Extraportion an Liebe und füllte damit die Speicher auf, die schon so lange Zeit auf eine Zufuhr gewartet hatten.

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Quelle: Privat

Es gab dort noch so viel Raum zu füllen. Mit Wohlwollen und Bestätigung.

Es war kein leichtes Dasein gewesen, aus dem Rosita stammte. Keiner wusste, woher sie kam, keiner wusste, was vorher war. Aber ein Honigschlecken schien es nicht gewesen zu sein. Eines Tages lief sie herum auf dem Bauernhof. Eine magere, struppige Hündin. Streunend und auf der Suche nach Futter. Man stellte ihr einen Napf hin, befüllte den sehr reichlich und gab noch einen Knochen dazu. Rosita zeigte Dankbarkeit, legte Treue in den Blick, versprach einen edlen Charakter und verbellte alle Fremden. Das gab vermutlich den Ausschlag, man stellte ihr eine Hütte auf und sie als Wachhund ein. Leider hatte sie etwas verschwiegen. Das Geheimnis blieb noch ein Weilchen verborgen, dann offenbarte es sich allmählich durch eine Rundung um ihre Mitte und kurz darauf mit der Geburt von fünf entzückenden Hundewelpen. Darüber war zwar keiner erfreut, doch Rosita gehörte jetzt zum Hof, wie hätte man sie verjagen können wegen des kleinen Fehltritts?

Sie bewährte sich als rührende Mutter und zog die Kleinen auf. Ein Nachweis über den Vater war nicht zu erbringen, aber auch über die eigenen Eltern konnte sie keinen erbringen, trotzdem war sie gut gelungen. Eine Schönheit steckte nicht in ihr mit dem senffarbenen Fell und den ungeordneten Ohren, die mal spitzten und mal schlappten, doch darauf kam es auch nicht an. Es wurde Wachsamkeit verlangt, über die sie reichlich verfügte, Gutmütigkeit war gefragt und selbstverständlich Gehorsam, auch hier war kein Mangel zu finden. Die Welpen wuchsen in den Zustand hinein, ein eigenes Leben zu führen, bekamen gute Plätze in der näheren Umgebung und alles war wieder in Ordnung. Rosita hatte es genossen, den Nachwuchs zu umsorgen und die Kraft zu spüren, die ihr die Kleinen gaben durch die tiefe Verbundenheit. Ihr Nachholbedarf war unerschöpflich. Doch nun war es wieder vorbei mit der engen Gemeinschaft zu Wesen, die ihre Zuneigung brauchten. Nicht dass Rosita unglücklich war, sie nahm es als unabänderlich hin.

Dann ergab es sich kurz darauf, dass Ferkel geboren wurden. Sechs rosige kleine Schweinchen quiekten im Stall um die Mutter herum. Das war nichts Außergewöhnliches. Auf einem Bauernhof mit Schweinen passiert das sogar recht häufig. Doch diesmal lief alles anders. Rosita fand sich neben dem Bauern zur Begutachtung der Ferkelchen ein, beschnupperte sie mit Andacht, leckte ihnen fürsorglich über die Steckdosennasen und fügte sie spontan der Liste der Lebewesen hinzu, die sie zu bewachen gedachte. Dann geschah etwas, das getrost erstaunlich zu nennen ist. Die Ferkel ließen ab von der Mutter. Eben noch nett um die Sau dekoriert, verließen sie die Quelle der Nahrung, wandten sich der Hündin zu und forderten sie auf, die Versorgung weiterzuführen. Technisch gab es da kein Problem, Rosita hatte ja noch vor kurzem ihre eigenen Kinder verpflegt, die Milchbar zeigte sich nicht geschlossen. Und der Hund war nur allzu bereit, die kleinen Quieker anzunehmen. Als hätte Rosita darauf gewartet, gab ihr Körper willig Nahrung an die Ferkel ab. Danach wurden die Schweinchen geputzt, was diese in Ordnung fanden.

Es spielte sich so ein, dass sich das rosige Jungvolk sofort auf die Hündin stürzte, um den Nachschlag einzufordern, kaum dass Rosita den Stall betrat. Dem anfangs verdutzten Mutterschwein schien das nicht unlieb zu werden, es verschaffte ihm ein wenig Freizeit und Rosita im Austausch das Gefühl, von großer Bedeutung zu sein. Mit diesem Deal waren beide zufrieden und die Ferkel erst recht. Nur der Bauer, der konnte sich kaum erholen von seiner Verwunderung. Mit beträchtlicher Verblüffung sah er dem außergewöhnlichen Treiben zu. So etwas hatte es noch nicht gegeben, seit er Landwirt war. Und dann musste er daran denken, dass in Kürze seine Kühe Kälber bekommen würden...

Karin Tamcke

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