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Draußen vor der Tür...

Draußen vor der Tür...

 Suchen Sie nach einer neuen Sichtweise der Wirklichkeit? Streben danach, sich von alten Glaubenssätzen zu lösen, sind bereit, Ihre Energie bis zur Neige auszuschöpfen?

Dann schaffen Sie sich Katzen an oder gehen Sie bei schon vorhandenen in die Lehre.

Denn Katzen ticken anders. Garantiert. Stimmen Sie sich nur ganz auf die Frequenz Ihrer Lieblinge ein und sie werden Ihnen den Weg schon weisen. Bei meinen beginnt das bereits mit dem Gebrauch der Katzenklappe. Diese Öffnung mit integrierter Schwingtür ist ja eine geniale Konstruktion. Vorausgesetzt, sie wird fachgerecht benutzt. Wir haben uns mit dem Einbau sehr viel Mühe gegeben, um unseren Katzen einen komfortablen Ein- und Ausgang zu schaffen. Doch wann und wie wird sie benutzt oder vielmehr nicht benutzt? Katzen haben da ihre eigene Sicht. Benutzt wird, wenn man auf dem einfachsten Weg noch einmal schnell in den Garten will. Oh ja, dann geht es ab durch die Klappe. Man möchte kurz darauf wieder rein? Nun greifen andere Gesetze. Die Frage ist: Wie kommt eine Katze zurück ins Haus? Jedenfalls nicht durch die Klappe. Die scheint zur Einbahnstraße zu werden. Denn es greift ein höheres Wissen: Schließlich gibt es Türen. Die Klappe für raus, die Tür für rein. Unser Haus hat drei Türen. Und wir haben drei Katzen. Damit wäre alles gesagt. Böse Zungen behaupten immer, dass sich Katzen nur deswegen Menschen halten, weil sie keinen Daumen zum Öffnen der Dosen haben, aber ich sehe das nicht so begrenzt, ich sehe noch andere Gründe. Denn Katzen haben auch keinen Daumen, um damit Türen zu öffnen. Auch dafür halten sie sich Menschen. Menschen wie beispielsweise mich. Wie gesagt – drei Katzen, drei Türen. Und vor jeder sitzt in stetem Wechsel eine. Nun ist man als langjähriger Katzenbesitzer schon gestählt für die Kapitulation, ist trainiert auf das Verlustgefühl, wenn der eigene Wille den Bach runter geht. Meine Freunde und Bekannten kennen das Problem. Nehmen wir mal ein Telefonat. Sie wissen, was kommt, wenn ich alle paar Minuten das Gespräch unterbreche: „Moment, ich lass mal schnell eine Katze rein!“ Und hier beginnt die Problematik. Hatte ich eben „schnell“ gesagt? Der gemeine Homo sapiens versteht darunter: Tür öffnen, Katze eintreten lassen, Tür zu – fertig. Das wäre unter „schnell“ zu verstehen. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Die Tür ist offen – und Felis catzus beliebt, zur Salzsäule zu erstarren. „Na, wolltest du nicht rein?“ „-,-“ „Bitte!!!“ Die Katze sitzt da wie angenagelt. „Gut, dann eben nicht“. Fortführung des Telefonats. Durch die Scheibe flehen mich Augen an, die immer runder werden. Also das Ganze noch mal von vorn. Tür geöffnet – Katze bleibt sitzen, guckt gelangweilt ein bisschen nach rechts, auch mal ein bisschen nach links.

Na gut, dann nicht. Schließen der Tür und Fortführen des Telefonats.

Dezentes Kratzen am Türrahmen seitens der Katze. Ich denke an den letzten Anstrich zwecks Beseitigung der Kratzspuren an der Tür, er liegt noch nicht lange zurück. Mein Telefonat wird etwas unkonzentriert. Das Türkratzen entwickelt sich von dezent zu fordernd. Erneutes Öffnen der Tür. Die Katze blickt über die Schulter nach hinten und spürt gedanklich imaginären Vögeln nach. Die Tür wird wieder geschlossen. Ein zartes Miauen dringt an mein Ohr. Ich übe mich in selektivem Hören, konzentriert allein aufs Telefon. Das Miauen nimmt zu an Intensität und Stärke. Draußen vor der Tür scheint es jetzt wirklich dringend zu werden, Pfoten werden förmlich gerungen, aus der Mimik-Kiste „Betteln Stufe drei“ gekramt. Ich merke, wie mein Widerstand schmilzt wie Schnee in der Frühlingssonne. Ich öffne erneut die Tür. „Letzte Chance, meine liebe Katze! Jetzt aber bitte nichts wie rein!“ Aus großen Augen trifft mich ein Blick, geprägt von Nachsicht und Erstaunen: „Wer hat denn hier was von Reinwollen gesagt?“ Dreht sich um, schreitet mit sanftem Tritt und wiegendem Schritt davon und verschwindet in der Tiefe des Gartens. Und was bleibt mir? Die Katze vor der nächsten Tür...    

Karin Tamcke

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