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Ein Naturbursche

Ein Naturbursche

Schier unglaublich ist es, was er sich da geleistet hat. Es lief doch alles gut für ihn. Nach seinem schwachen Start ins Leben. Ein winziger Welpe war er gewesen.

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Quelle: Carsten Rehder

Der Kleinste aus dem Wurf. Nun strotzt er vor Gesundheit und Schönheit, aalt sich in Bewunderung, ist selbstbewusst und erfolgreich. Und dann das! Hat er sich damit alles verscherzt? Kann man ihm diesen Faupax verzeihen? Sein Verhalten entschuldigen mit seiner Liebe zu Wald und Flur? Viel Wohlwollen braucht es dazu. Andererseits: Hatten sie sich nicht extra einen deftigen Hund gewünscht? Einen naturverbundenen Hund?

Drei Jahren ist es her, da kam Familie F. am Frühstückstisch zusammen, um über die Beschaffenheit eines künftigen Hundes zu beraten. Robust hatte er zu sein, intelligent und freundlich. Er sollte Freude haben an langen Wanderungen, sich für Wassersport begeistern und reiselustig zeigen. Doch war die Suche eher als theoretisch zu betrachten, im Grunde stand die Rasse fest. Es gab einen Hund im Freundeskreis, der die F.s begeistert hatte. Ein kleiner drahtiger Hund von großer Liebenswürdigkeit. Ein Norfolk Terrier. Alles lief auf ihn hinaus. Und so dauerte es auch nicht lange, bis ein schlappohriger, schnauzbärter Welpe in ansprechendem Karamellton das neue Familienmitglied wurde: Borro vom Bergfels zog ein. Obwohl viel kleiner als seine Geschwister, hatte sein unbändiger Charme die F.s dennoch bezaubert, so dass entgegen aller Vernunft die Wahl nur auf ihn fallen konnte. Er erwies sich als große Bereicherung, absolvierte alle Welpenstadien von Schuhezerbeißen bis Kissenzerreißen. Er zeigte sich aufgeschlossen und freundlich, intelligent und ausgeglichen. Bereitwillig begann er endlich zu wachsen und hörte erst damit auf, bis er die vorgeschriebenen Maße eines klassischen Norfolks vorweisen konnte.

Gern kam er allen Erwartungen nach, begleitete die Familie auf jedem ihrer Wege. Er gab sich robust und kernig. Aus dem ehemals schwächlichen Welpen war ein typvoller Hund geworden. Ja, mehr noch, Borro hatte sich zu einer stattlichen Schönheit entwickelt. Die Wende in seinem Leben ließ nicht lange auf sich warten. Ein Tierarzt führte sie herbei. Während eines Impftermins erkannte dessen geschultes Auge das große Potential des Hundes. Er empfahl eine Karriere in der Zucht, sah eine große Zukunft für ihn. Die Familie war besorgt. Die gewünschten Liebesdienste durften ihn nicht stressen, ihm sollte noch genügend Zeit für andere Freuden bleiben. Sie ließen ihn daher lediglich für die Ersatzbank registrieren.

Nach dem medizinischen Eignungscheck begann Borro seinen Dienst im Sinne der Vermehrung. Wenn ihn der Ruf erreichte, fuhr er zu einem Schäferstündchen mit einer Norfolk-Lady. Alles lief in harmonischen Bahnen, ob Privatleben oder Job. Doch dann kam dieser Tag, der unglückselige Tag, an dem ihm das Missgeschick passierte. Er wurde in eine Villa gebracht, um dort einer rassigen Schönen entsprechend den Hof zu machen. Es war ein vornehmes Haus. Das Kuschelweich dicker Teppichware schmiegte sich unter seine Sohlen. Trippelnd durchmaß er die Weite der Flure. Ein übergroßer Spiegel spielte ihm kurzzeitig einen Streich, er gaukelte ihm tatsächlich einen weiteren Norfolk vor, doch durchschaute er schnell die Täuschung. Er fühlte sich etwas unbehaglich, nahm eine Atmosphäre auf, die antiseptisch war. Alles roch so fremd und steril, nichts davon nach Wald und Feld. Dann sah er sie plötzlich vor sich, die befreiende Ausdehnung einer Landschaft. Einer Landschaft mit Büschen und Bäumen. Ein Bild, das er kannte und liebte. Er strebte darauf zu. Gehorchte seinem Verhaltensmuster. Es schrieb ihm automatisch das weitere Agieren vor. Bevor ihn jemand hindern konnte, hob er ein Bein und hinterließ sein Statement am Baum der Fototapete.

Die Halter der vornehmen Hundeschönheit waren doch recht schockiert. Würde er dieses Benehmen mit seinen Genen vererben? Auch Borro hatte den Irrtum bemerkt. Könnte das Konsequenzen haben? Schande statt zarter Liebesbande? Doch dann überzeugte er mit seinem Charme. Alles war wieder gut, er durfte die amouröse Sache zu einem guten Ende bringen. Als Belohnung gab es einen Spaziergang in seinem Lieblingswald. Und wer ihn ganz genau dabei ansah, der konnte ein schelmisches Lächeln um seine Lefzen erahnen.

Karin Tamcke

Karin Tamcke

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