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Ein rätselhafter Vorgang

Ein rätselhafter Vorgang

Manchmal passieren Sachen, die absonderlich erscheinen. Rätselhaft und unerklärlich. Und die dann doch eines Tages, wenn das Geheimnis gelüftet ist, dem Reich der rechten Dinge zuzuordnen sind.

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Quelle: Bodo Marks

Bis es jedoch dazu kam und Lotte endlich Gewissheit hatte, vergingen etliche Wochen. Wochen des Kopfzerbrechens. Der Ungeduld im Suchen nach einer plausiblen Erklärung. Denn dass ihre Meerschweinchen plötzlich zu Handlungen fähig sein sollten, die aufgrund ihrer körperlichen Gegebenheiten einfach nicht durchführbar waren, daran hatte Lotte starke Zweifel. Die Lösung musste anderweitig gesucht und hoffentlich bald gefunden werden.

Die Spannung nahm zu von Woche zu Woche. Derweil taten die Meerschweinchen, was sie immer taten. Jedenfalls in Lottes Beisein. Sie wuselten durchs Stroh, führten Meerschweinchengespräche und nagten an Salat und Karotte. Auch Lotte tat, was sie immer tat. Auf das geheimnisvolle Treiben, das sich stets dann vollzog, wenn sie nicht anwesend war, hatte sie sowieso keinen Einfluss. So kümmerte sie sich weiterhin und mit nie versiegender Zuneigung um ihre beiden kleinen Schweinchen. Sie hatte sie geschenkt bekommen. Ein Fehltritt waren sie gewesen, eine Freundin hatte das Liebesleben der eigenen Tierchen unterschätzt und dann eines Tages mit Erstaunen die Vermehrung registriert. Nun lebten Krümel und Müsli schon eine Weile bei Lotte und waren deren ganze Freude. Um ihnen stets Licht und Luft zu verschaffen, durften Krümel und Müsli auf dem Balkon einen großen Käfig bewohnen. Und hier war dann eins Tages der Ursprung des Rätsels zu suchen. Und hoffentlich bald zu finden.

Krümel und Müsli waren ruhige Tiere, ihr Verhalten geprägt von tiefer Zufriedenheit. Doch hörte nun Lotte in der letzten Zeit nachts ein aufgeregtes Quieken. Und stets, wenn sie nach den beiden schaute, war rein gar nichts zu sehen. Dafür entdeckte Lotte dann am nächsten Morgen, weit entfernt vom Käfig, ein kleines Häufchen Futter. Und das mittlerweile mit schöner Regelmäßigkeit. Auf dem Boden des Balkons lagen Körner und Kerne, säuberlich aufgeschichtet. Bedenkt man, dass die Schweinchen den Käfig nicht verlassen konnten, war das schon eine seltsame Sache. Wie kam das Futter dorthin? In Lottes Fantasie formten sich Bilder von Schweinchen, die sich nachts die Zeit vertrieben, indem sie ihre Pfötchen zwischen die Gitter des Käfigs steckten und Körnerweitwurf trainierten. Was natürlich abwegig war. So ging es eine Weile weiter.

Bis Lotte dann eines frühen Morgens über die Fliesen des Balkons eine Maus huschen sah. Eine kleine Maus mit durchscheinenden rosa Öhrchen und einem frechen Blick in den glänzenden schwarzen Augen. Ohne Schwierigkeiten zwängte sie sich durch das Gitter zu den aufgebrachten Schweinchen, die in empörtes Quieken verfielen. Die Maus machte sich, dessen ungeachtet, über das Futter her. Nahm einen Kern ins Mäulchen und transportierte ihn zu einem bereits bestehenden Häufchen. Offenbar reichte der Vorrat, denn nun begann sie, ihre Schätze zu einem Blumentopf zu tragen, der, achtlos vom Sommer übrig geblieben, in der Ecke lag. Hier war das Warenlager des unverfrorenen Futterdiebes. Nicht dass Lotte etwas gegen Mäuse hatte, doch die täglich ein und aus gehen zu sehen bei den geliebten Schweinchen, das war des Guten zu viel. Zumal sich diese nicht erfreuten an dem dreisten Besucher. Ihre Unmutsbekundung war nicht zu überhören.

Lotte besorgte eine Lebendfalle und bestückte sie so reichlich mit Wurst und Schinken, dass die Maus das Festessen nicht verschmähen wollte und die Falle betrat. So gelang dann auch der Coup und der kleine Nager wurde in den Park transportiert. Lotte atmete auf. Doch der mäusefreie Zustand sollte nicht lange währen. Die nächste Maus fand sich ein und später tatsächlich die dritte. Was erstaunlich war. Immerhin wohnt Lotte nicht zu ebener Erde, sondern im zweiten Stockwerk. Doch gaben die Mäuse kein Statement ab, wie sie den Aufstieg schafften. Alle leben nun im Park und es scheint Ruhe auf dem Balkon zu herrschen, doch Lotte ist skeptisch geworden. Vorsichtshalber verbarrikadierte sie den Zugang zu ihrem Wohnbereich mit einem hohen Brett. Denn wer trotz der kurzen Beinchen ins zweite Stockwerk klettert, der schafft es möglicherweise auch in ihre gute Stube.

Karin Tamcke

Karin Tamcke

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