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Im Falle der Wintermütze...

Im Falle der Wintermütze...

Die Geschädigte liegt am Boden, dahingemeuchelt und mausetot. Versuche zur Rettung sind vergeblich. Der Tatort weist viele Spuren auf. Spuren, die so eindeutig sind, dass sie den Tathergang erklären und mühelos zum Täter führen.

Keine Chance für Falko, sich ahnungslos zu stellen, den Unschuldigen zu geben. Es ist seine Handschrift. Einwandfrei. Er passt genau in das Profil, es bleibt kein Zweifel übrig. Was hatte ihn bloß geritten, den Pfad des Guten zu verlassen? Was war das Motiv? Rache oder Langeweile? Reine Freude am Vernichten? Oder Übermut?

Fakt ist, der Frevel wurde begangen. Und dann auch noch am Arbeitsplatz! Denn das birgt eine Brisanz von nicht geringem Ausmaß. Der Tatort ist kein geringerer als die Wache der Polizei, der Schutzraum für das Recht. Nun hatte sich ein Kollege, ein äußerst beliebter Kollege, darüber hinweggesetzt und diese Tat verübt, einer der Ordnungshüter selbst, es ist nicht zu fassen. Auch das Opfer ist bekannt, ist blitzschnell identifiziert: die Wintermütze des Kommissars. Das hätte nicht geschehen dürfen. Doch der Täter selbst lässt keine Reue erkennen. Sein Gewissen ist so rein wie frisch gefallener Schnee. Als junger Schäferhund kann man sich das leisten.

Ein unbewachter Augenblick ließ Falko jede Moral vergessen, seine Dienstauffassung wanken, die Kontrolle verlieren. Würde das Konsequenzen haben für seine spätere Laufbahn? Hatte er sich die Karriere verbaut? Falko ist Polizei-Azubi, er steckt noch in der Ausbildung. Vor ihm liegt ein Weg des langen und intensiven Lernens. Leider war die Vernichtung der Mütze ein Schritt in die verkehrte Richtung. Ein fataler Schritt. Hatte er ein falsches Feindbild? War ihm das wollene Kleidungsstück verdächtig vorgekommen? Doch er hätte wissen müssen, dass eigenmächtiges Handeln, ohne strikten Befehl, ein schwerer Fehler ist. Nun war es um die Mütze geschehen, nichts konnte sie wieder zum Leben erwecken. Und das durch Falkos Treiben. Dabei bringt er doch alles mit, was er braucht für diesen Beruf. Er ist mutig und unerschrocken, intelligent und zugewandt. Bereits in jüngstem Welpenalter zeichnete sich ab, dass sein weiterer Lebensweg nicht auf dem Sofa enden würde. Was kein Wunder ist. Auch Falkos Eltern bewegen sich auf den Pfaden der Ermittlung. Da war es fast vorhersehbar, dass auch ihr Sohn die speziellen Gaben in sich tragen würde, den ausgeprägten Schutztrieb und die superbe Nasenleistung. Folglich verfügte Falko über die besten Erfordernisse für diesen wichtigen Job. Er zog bei seinem Herrchen ein, dem Hundeführer der Polizei, bereit für die Herausforderung. Damit war gesichert: Sein Leben würde kurzweilig sein, doch auch mit Ernsthaftigkeit behaftet. Alle guten Eigenschaften würde er polieren müssen, damit sie im Ernstfall glänzten. Er hatte Verlässlichkeit abzuliefern und den Beweis zu erbringen, der Arbeit gewachsen zu sein.

Nun also ist er angetreten, sich der Grundausbildung zu stellen. Mit seiner guten Nase wird er nicht nur Wintermützen, sondern echte Beweismittel erspüren müssen. Dass er sein geliebtes Herrchen im Ernstfall zu beschützen hat, braucht er nicht zu lernen. Das ist für Falko selbstverständlich, so klar wie das Stückchen Leberwurstbrot, das er sich nehmen darf, wenn die Mannschaft am Frühstückstisch sitzt. Denn nicht nur von seinem Besitzer empfängt der Junghund Zuneigung, alle Kollegen geben ihr Bestes, in Falkos Gunst zu stehen. Doch täuscht das nicht darüber hinweg, dass Falko ernsthaft üben muss. Das geschieht mittels Klickertraining. Dieses kleine Gerät, das Klickgeräusche erzeugt, wird Falkos Leitfaden sein, wird ihn hineinwachsen lassen in das benötigte Wissen. Herrchen befielt, Falko führt aus und empfängt sofort den Klick, das ist der ideale Ablauf. Erfolgt das bewusste Geräusch, kann Falko sicher sein, dass sein Handeln richtig war. Der Klick ist die Bestätigung, die Anerkennung und das Lob. Nur im Fall der Mütze brauchte er keinen Klick, die Richtigkeit der Tat hatte er für sich selbst entschieden. Alles vorher Gelernte ließ er schnöde hinter sich. Doch Falko kann beruhigt sein. Sein Handeln wird nicht geahndet werden. Ins Paket der Eigenschaften, die ein Polizeihund braucht, gehören Beute- und Spieltrieb. Nichts anderes wollte er demonstrieren. Da hat er noch einmal Glück gehabt

Karin Tamcke

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