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Tiergeschichten Im Stall in der Krippe
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16:42 28.12.2014
Quelle: Eva Pötzsch

Mit Vollverpflegung und Streichelgarantie. Wie hätte Lilly da zögern können?

Sie zog aus dem Tierheim aus und nahm nun ein weiches Kuscheldeckchen und eigene Näpfe in Besitz und dazu vier liebe Menschen. Die Klippen der Eingewöhnung umschiffte sie schnell und sicher, denn sie fühlte sich angenommen von ihrer neuen Familie und auch die ganze Umgebung war freundlich und ergiebig. Eine Grünanlage um die Kirche hatte die Mäuse jubeln lassen und sie zur Vermehrung angeregt und manch eine war so dreist gewesen, durch das alte Gemäuer in den Kirchenraum einzudringen und dort ungeniert die Gesangbücher anzunagen. Nun aber sollte die Mäusebande ein Gegengewicht bekommen in Form von Katze Lilly. Der kam das Ganze sehr gelegen, war es doch ihr Hobby, sich mit den Nagern zu befassen. Und so sah man nun des Öfteren eine schwarzweiß gefleckte Katze mit einer quer im Mäulchen getragenen Maus dem Pastorat zustreben. Dass sie dort ihre Beute selbstlos auf den Teppich legte, um die geliebten Menschen an ihrem Mahl zu beteiligen, wurde nicht immer begrüßt, aber es war nicht zu ändern. Katze ist eben Katze.

Bald war die nette Lilly in der ganzen Gemeinde bekannt. Es kam nicht selten vor, dass an warmen Sommertagen die Türen der Kirche offen standen, während der Kirchenchor für seinen nächsten Auftritt probte. Durch das geöffnete Portal stiefelte dann Katze Lilly selbstbewusst in das Gotteshaus, marschierte den Kirchengang entlang bis vorne zum Altar und hörte eine Weile den menschlichen Lauten zu, doch lange hielt sie es nicht aus, der eigene Katzengesang lag mehr in ihrem Interesse, besonders der der Kater, auch wenn er nicht mehr nutzbringend war. Damit soll gesagt sein, dass Lilly voll integriert in den kirchlichen Ablauf war. Bald neigte sich das Jahr seinem Ende zu und es wurde weihnachtlich in der ganzen Gemeinde. Der Chor probte intensiv für das festliche Konzert, das am Heiligen Abend die Gemeinde versammeln sollte. Wie in jedem Jahr war auch dieses Mal ein Krippenspiel vorgesehen. Kinder aus dem Ort hatten schon vor einigen Wochen unter Anleitung der Pastorengattin mit den Proben begonnen. Oft nahm auch Lilly daran teil, im Winter war der Mäusedienst aufgrund der Kälte reduziert. Außerdem fielen durch Kinderhände vermehrte Streicheleinheiten an.

Dann war es auch schon soweit. Mit Freude und Enthusiasmus hatte man in der Kirche die Krippe aufgebaut. Vor dem schlichten Altar nahm sich der hergerichtete Stall mit hölzernem Ochs und Esel besonders festlich aus. Die Futterkrippe selbst war weich mit Heu gepolstert für das Jesuskind. Mit gebotener Andacht versammelte sich die Gemeindeschar, füllte nach und nach den Raum. Der Chor gab wie immer sein Bestes, die Orgel erklang an diesem Tag besonders feierlich, am hohen Weihnachtsbaum erstrahlten festlich die Kerzen. Durch den Mittelgang kamen Maria und Josef geschritten und sprachen ohne Stolpern die eingeübten Texte, die Hirten folgten ernsthaft und eine kleine Engelschar, alles klappte vorzüglich und so manches Elternauge wurde vor Stolz und Rührung feucht.

Dann schickte Maria sich an, das neugeborene Jesuskind in die Krippe zu legen, wie es sich gehört. Doch plötzlich stockte das bis dahin so flüssig verlaufene Spiel. Marias Augen wurden groß, sahen hilfesuchend zum Josef und der wiederum zur Pastorenfrau. Aus dem Heu in der Krippe erhob sich ein Katzenkopf, eine schwarzweiß gefleckte Pfote reckte sich den Kindern entgegen, ein befreiendes Gähnen zeigte ein rosa Mäulchen mit spitzen weißen Zähnen. Dann rappelte sich Katze Lilly aus dem weichen Heu, dehnte sich und streckte sich, wie es bei Katzen Vorschrift ist nach einem tiefen Schlummer, sprang, nachdem sie dieses getan, auf den Kirchenboden und tigerte dem Ausgang zu. Das Spiel verlor zwar an Feierlichkeit, das muss man ganz klar sagen, doch es gewann ganz beträchtlich an Frohsinn. Und schließlich: Nur weil es nicht so geschrieben steht, ist doch nicht auszuschließen, dass auch seinerzeit in Bethlehem im Stall eine Katze anwesend war.

Karin Tamcke

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