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Tiergeschichten Nicht ohne meinen Freund
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15:00 18.11.2014

Hatte Enny zuerst erkannt, dass Riklef ihre Hinwendung brauchte? Oder hatte Riklef erkannt, dass Enny von Herzen bereit war, ihn mit Liebe zu umgeben? Das wird nicht mehr geklärt werden können, die Vergangenheit liegt im Dunkel und beide schweigen darüber, doch am Ende ist nicht wichtig, wer die Weichen stellte. Fest steht, die beiden mögen keinen Schritt ohne den anderen gehen.

Ihr früheres Dasein war nicht rosig. Sie lebten in einem fernen Land, führten eine Streuner-Existenz, ernährten sich von Abfall, bis sie eines Tages aufgegriffen wurden. Sie hatten großes Glück, nette Menschen kümmerten sich und schickten sie auf den Weg in ein besseres Leben. Denn schlechter konnte es nicht werden. Ein Tierheim nahm die beiden auf zwecks Vermittlung in ein schönes Zuhause. Und noch ahnte keiner die Tiefe, die Riklef und Enny verband.

Beide warteten viele Wochen, dann kamen endlich Interessenten für die hübsche Enny. Sie fanden die schlanke Hündin mit dem ingwerfarbenen Fell und den spitzen Ohren, die sie so aufmerksam stellen konnte, auf den ersten Blick entzückend. Zwar war den Tierheim-Mitarbeitern nicht verborgen geblieben, dass sich zwischen Riklef und Enny etwas herausgebildet hatte, das jenseits des Üblichen lag, jedoch die Tragweite dieser Verbindung war für sie nicht erkennbar. Sie sahen nur die Chance für Enny, die konnte man ihr nicht zerstören. Und so zog die Hündin in ihr neues Dasein. Jetzt hatte sie ein Haus mit Garten und liebevolle, nette Menschen, es hätte perfekt sein können, das Glück für die Hündin Enny. Doch seltsamerweise wurde nun aus dem vormals heiteren Hund ein Wesen ohne Freude. Brav tat sie, was man von ihr verlangte, erwies sich als gehorsam, begleitete ihre Menschen brav auf deren Wegen. Doch über allem, was sie tat, lag eine große Traurigkeit. Sie mochte nicht spielen, sie mochte nicht fressen, sie lag oft apathisch auf ihrer Decke, seufzend und ohne Hoffnung im Blick. Die Besitzer waren ratlos. Sie hatte sich doch im Tierheim so anders präsentiert! Was war mit Enny geschehen? Fiel ihr das Eingewöhnen schwer?

Sie versuchten alles, um Enny aufzuheitern. Machten Spaziergänge durch den Wald, boten ihr Leckerchen an. Enny nahm alles freudlos hin. Auch im Tierheim lief es nicht besser, was den Kangal Riklef betraf. Der begann, sich dem Leben zu verweigern. Er mochte keinen Schritt mehr tun, erhob sich kaum vom Platz, und wenn man versuchte, ihn zu locken, reagierte er verhalten und gab sich ohne Interesse. Große Besorgnis machte sich breit. Riklef war nicht mehr der Hund, den man von früher kannte. Konnte es wirklich daran liegen, dass Enny nicht mehr um ihn war? Dass mehr hinter dem Ganzen steckte als eine lockere Hundefreundschaft? Da Riklef auch nicht mehr fressen wollte, wurde der Tierarzt gerufen und Riklef war gehalten, sich der Untersuchung zu stellen. Er nahm auch das mit Gleichmut hin und ohne Protestgebaren, was ebenfalls erstaunlich war. Er ließ über sich ergehen, was wichtig schien und nötig. Doch Riklef war gesund. Wo konnte man den Grund für sein Zurücknehmen finden?

Zeitgleich suchten Ennys Menschen den Kontakt zum Tierheim, in der Hoffnung auf eine Erklärung für das seltsame Verhalten, das traurig und verstörend wirkte. Nun endlich lief in richtige Bahnen, was doch so nötig war. Man brachte Riklef und Enny zusammen – und es gab sofort die Antwort auf alle vorherigen Fragen. Es war ein berührendes Wiedersehen. Beide fielen sich in die Arme, zumindest nach Hundeart, winselten vor Freude, sprangen ausgelassen. Doch was war zu tun? Ein Kangal ist kein kleiner Hund, er braucht viel Raum und viel Futter. Würden Ennys Besitzer auch Riklef ein Zuhause geben? Und – gab es denn überhaupt noch eine andere Lösung? Das Nein stand klar im Raum. Und so kann man Enny und Riklef jetzt nur noch zusammen sehen, wie sie über die Wiesen toben, sich gemeinsam im Garten vergnügen, freundschaftlich das Futter teilen, um zum Schluss ganz dicht beieinander auf ihrer Decke einzuschlafen.

Karin Tamcke

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