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Sulaikas neues Lebensgefühl

Sulaikas neues Lebensgefühl

Sie heißt Sulaika. Sulaika, die Verführerin. Ein Name wie aus 1001 Nacht. Und sie kennt sich aus mit der Nacht. Das ist ihre Zeit, die Stunden bis zum frühen Morgen.

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Quelle: Privat

Hier geht sie auf die Pirsch nach Mäusen und früher auch im Frühling nach männlichen Artgenossen. Denn sie kennt sich ebenfalls vorzüglich mit dem Verführen aus. Schließlich ist sie eine Katze. Mit der Verführung ist es vorbei, das Kapitel hat sie abgeschlossen. Sie lebt nun ein anderes Leben. Und ein erstaunliches dazu. Das alte fehlt ihr nicht mehr. Obwohl es manchmal auch schön war. Wild und frei ist sie gewesen. Doch Gefahr und Hunger waren die ständigen Begleiter. Und dann die ewige Kinderschar. Denkt sie manchmal zurück an den grauen Tigerkater, den Vater ihres ersten Wurfes? Es folgten Kater in allen Farben, gelbe, schwarze, weiße, gescheckte. Und immer der Stress mit dem Jungvolk. Putzen, füttern, Benehmen beibringen und ins Leben entlassen. Viel Arbeit war das gewesen, kräftezehrend und mühsam. Ein nie endender Kreislauf, ihre Natur bot ihr keine Wahl. Und dann änderte sich plötzlich alles.

Man fing sie ein, zusammen mit drei Katzenkindern, es sollten ihre letzten sein. Zu gegebener Zeit erfolgte die Operation, die befreite sie endlich vom Job der ständigen Kinderaufzucht. In einer Pflegestelle für wohnungslose Katzen bekam die Kleinfamilie Asyl und es war vorgesehen, nach Heranwachsen des Jungvolks Sulaika zurück in die Freiheit zu bringen, mit gesichertem Einkommen durch die Nähe eines Futterplatzes. Denn von einer wilden Katze kann man nicht verlangen, sich in einen Haushalt zu fügen. Das Jungvolk erwies sich jedoch als kränklich, es war ein nasser Sommer. Die Kleinen brauchten die Mutter über die Zeit hinaus, der Aufenthalt im Pflegehotel währte länger als vorgesehen. Und Sulaika, die wilde Katze, vergaß dabei jeden Tag ein Stückchen mehr von ihrer Wildheit, bis sie, ohne es selbst zu merken, zur zahmen Katze geworden war. Als sich die Katzenkinderschar endlich gesund und munter zeigte, war aus der ehemals scheuen Sulaika eine Hauskatze geworden, anschmiegsam und menschentauglich. Niemand hätte das je vermutet, am wenigsten Sulaika selbst. Doch das angenehme Heim, die liebevolle Betreuung und die regelmäßige Futterversorgung konnten nicht übersehen werden und hatten ihre Entscheidung nachdrücklich beeinflusst.

Keiner sprach nun mehr davon, sie wieder wegzuschicken. Sie durfte für immer im Katzenheim bleiben und bekam einen wichtigen Posten, indem sie bei der Betreuung der Neuzugänge half. Sie vertrug sich mit allen gut, signalisierte Zuversicht, nahm ihnen die Furcht vor dem Neuen. Und dann geschah eines Tages das Außergewöhnliche. Es begann ein neues Kapitel im Leben der Katze Sulaika. Ein sehr erstaunliches Kapitel. Im Stall hockte eine Entenmutter zum Brüten auf ihren Eiern. Sie tat das mit großer Sorgfalt, doch brauchte auch sie zwischendurch ihre Pausen von diesem eintönigen Geschäft. Der aufmerksamen Sulaika blieb das nicht verborgen. Und als die Ente das Nest verließ, da legte sich die schwarze Katze vorsichtig in das Stroh und breitete sorgsam und wärmend ihr weiches Fell über die Eier. So lange, bis die Entenmutter die nächste Schicht übernahm. So teilten sich Katze und Federvieh das Ausbrüten der Küken. Zu gegebener Zeit schlüpften die kleinen Entchen. Ginge es nach der Vorschrift, dann hätten die Entenküken auf dem Speiseplan der Katze gestanden, scheute sie sich doch nicht, neben den Ratten und Mäusen auch gefiederte Beute zu jagen. Doch Sulaikas Mitarbeit an dem piepsenden Resultat zeigte eine erstaunliche Wirkung. Sie krümmte den winzigen Entchen keine ihrer flauschigen Federn. Stattdessen putzte sie liebevoll mit der Zunge über die Daunenkörper, was die Enten nicht sehr schätzten, Sulaika aber für wichtig befand.

Die Kleinen wuchsen heran, wie es sich gehörte, und verließen bald die Kinderstube. Und während sich nun die Entenmutter zum Schnattern mit Artgenossen trifft, weicht die Katze nicht von der Seite der minderjährigen Brut. Geschützt durch ihren Bodyguard, watschelt das Junggeflügel unbeschwert im Hof herum. Und die Katze Sulaika umgibt sich mit neuer Wichtigkeit und einem guten Lebensgefühl.

Karin Tamcke

Karin Tamcke

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