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Tiergeschichten Unter der Motorhaube
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17:27 09.04.2014

Und es ging noch schlimmer, sie wählte dabei den Motorraum, diesen heiklen Ort, der in Verbindung steht mit Mardern und zerkauten Schläuchen. Marder versus Technik, die altbekannte Sache. Das hinterließ kein gutes Gefühl. Als Marder sollte man vorsichtig sein bei der Wahl der Kinderstube. Da das offensichtlich nicht reichte, das Maß der Frechheiten zu füllen, hatte sich die Marderin unverfroren abgesetzt, war ins Blaue verschwunden. Was mit ihrem Sohn geschah, schien sie nicht zu kümmern.

Der hockte nun allein da, gerade sieben Tage alt, und hatte das auszubaden. Langsam bekam er Durst und Hunger und auch das lange Alleinsein mochte er nicht ertragen. So war das auch nicht vorgesehen. Alle Voraussetzungen bot die Natur, ihm ein Leben zu bescheren, das er mit Freude betrachten sollte, mit Wohlwollen und Optimismus. In das er froh hineinwachsen konnte, um eines nicht fernen Tages selbst sein Dasein zu gestalten. Bislang war er auch geschützt gewesen. Nein, nicht in diesem Auto, es gab ihn ja schon längst, bevor er sichtbar wurde. Es war im vergangenen Sommer, da wurde er gezeugt. Seine Mutter rang sich durch, ein Männchen zu ertragen, wenn auch nur zu diesem Zweck. Danach schickte sie es wieder über alle Berge. Doch er war dabei entstanden, nistete sich ein als ein kleiner Keim, dann überließ er sich getrost einer langen Ruhe, die über den ganzen Winter ging. Er vertraute seiner Mutter, die würde es schon wissen, wann die beste Zeit war für die Geburt der Kinder. Erst dann begann er zu wachsen und nach einem Monat wurde er in die Welt geboren. Zuerst lief alles gut für ihn. Dann verschwand die Mardermutter. War ihr der gewählte Ort ein zu heißes Pflaster geworden? Müßig, darüber nachzudenken, die Wirklichkeit sah so aus: Sie hatte ihn verlassen.

Er war sich nicht ganz schlüssig, wie er sich verhalten sollte. Er konnte noch nicht sehen, er konnte noch nicht laufen. Nur fiepen konnte er. Und so entschloss er sich, sein einziges Talent zu nutzen: Er fiepte lange und laut und gut. So gut, dass man ihn wahrnahm, wenn auch nach geraumer Zeit. Sein abgesetzter Hilferuf drang in das Ohr einer Passantin. Zwar zeigte die Frau sich nicht in der Lage, die gehörten Töne dem passenden Urheber zuzuordnen, denn weder Hund noch Katze redeten in dieser Sprache, doch war das im Grunde nicht wesentlich, denn es stand einwandfrei fest: Hier musste bald gehandelt werden, die Dringlichkeit der Sache konnte sie nicht überhören. Die Frau überkam eine Ratlosigkeit, was erklärlich ist. Man trifft nicht jeden Tag ein Auto, aus dem es lautstark fiept. Der Wagen war verschlossen, der Halter nirgendwo in Sicht. So wählte sie den einfachsten Weg und informierte die Polizei.

Da standen sie dann zu dritt, die Frau und die beiden Ordnungshüter, in dreifacher Ratlosigkeit verbunden, während die fiependen Laute weiter aus dem Wagen flossen. Schließlich waren die Polizisten keine Autoknacker, doch nach dem Abklingen des Erstaunens nutzten sie ihre Möglichkeit, den Autobesitzer zu ermitteln. Der weilte in der Nachbarstadt und war nicht wenig verwundert, als ihn ein Anruf erreichte. Er zeigte sich als wahrer Tierfreund und nahm den nächsten Zug zurück, um sich der Situation zu stellen. Außerdem sorgte er sich beträchtlich um sein geliebtes Auto. Er nutzte es nicht häufig, wünschte sich aber trotzdem eine einwandfreie Beschaffenheit. Dem kleinen Marder war das egal, er hatte nur das Bedürfnis nach einer zügigen Versorgung. Dann öffnete sich die Motorhaube. Vier verblüffte Menschengesichter beugten sich über ihn. Sie hatten mit allem gerechnet, nur nicht mit einem Marderkind. Er gab sich viel Mühe, sympathisch zu sein, was sich als leicht erwies, denn der Niedlichkeitsfaktor seines grauen Knautschgesichts war beträchtlich hoch. Nach Abklingen ihrer Verblüffung wiesen ihn die Polizisten in eine Tierklinik ein, wo man ihn aufziehen wird. Vielleicht wirkt sich das Kindheitstrauma auf sein Lebensziel aus und er macht einen Bogen um alle Motorräume. Die Menschen würde es freuen.

Karin Tamcke

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