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Tiergeschichten Von Hamsterkäufen ist abzuraten
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14:16 18.12.2009
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. Fünf Stück waren es, alles Wurfgeschwister. „Roborowski-Zwerghamster“ stand auf dem Schild ihres Käfigs in einem Zoogeschäft. Und wir konnten nicht widerstehen: Wir kauften den ganzen Wurf. Wie hätte man sich da auch entscheiden sollen? Sie sahen alle gleich aus. Und schienen einander so zugetan. Man konnte sie nicht auseinander reißen.

„Die Roborowskis sind die kleinsten unter den Zwerghamstern, stammen aus der Wüste Gobi und können, anders als bei den Goldhamstern, problemlos im Familienverband gehalten werden“, lasen wir in einem schlauen Buch. Und so bezog der Familienverband bei uns ein großes Terrarium. Sie bekamen kleine Häuschen aus Holz und Laufräder und Röhren zum Durchkriechen und unsere ganze Liebe. Sie nahmen die Häuschen in Besitz und liefen fleißig in den Rädern. Die Hamsterchen machten uns viel Freude. Besonders nach knapp drei Wochen. Vier zappelnde winzige Leberwürste lagen in einem Nestchen. Unsere Hamster hatten Nachwuchs erzeugt.

Wie lustig war es, das Familienglück zu betrachten. Kaum hatte die Mutter das Kinderzimmer verlassen, wurde es von einer kinderlosen Tante gestürmt, die skrupellos die Babys stahl und in ihr eigenes Schlafzimmer trug. Das wiederum ließ sich Mama Hamster nicht gefallen und klaute die Kinder zurück. So ging das tagelang. Dann entschärfte sich die Lage. Die einstmals neidische Tante erblühte selbst vor Mutterglück. Sie hatte mit fünf Nachkömmlingen zum Gruppenbestand beigetragen.

Ein erneuter Blick ins Hamsterbuch ließ Größeres erwarten: „Mit zwei Monaten beginnt der Roborowski-Zwerghamster, sich zielstrebig fortzupflanzen. Die Tragezeit beträgt im Schnitt 20 Tage.“ Ich brauch wohl nicht viel zu sagen: Unser Hamsterbestand explodierte. Wie hätten wir auch annehmen sollen, dass bei fünf Geschwistern alle gleichgeschlechtlich seien? Und dann bemühten sich auch die Kinder und später ihre Kindeskinder, die Population zu erweitern. Längst war das Terrarium zu klein geworden und die Hamster wohnten zusätzlich in allen möglichen Kisten und Kästen. Selbst unsere alten Badezimmerschränke waren zu Hamsterquartieren geworden. Die letzte Zählung ergab 65 der agilen Produzenten. Ein Ende war nicht abzusehen. Und die Laufräder, dem vermehrten Bestand angepasst, ratterten und quietschten. Die Hamsterchen betätigten sie bei Tag und auch bei Nacht. Freunde rieten uns feixend, unsere Stromversorgung umzustellen: auf hamsterbetriebene Laufräder.

Doch das war nicht unser Bestreben. Im Sinne durchgreifender Geburtenkontrolle schleppten wir das Rudel zum Tierarzt. Mittels Lupe nahm der die Kategorisierung vor: hier die Weibchen, dort die Männchen. Fortan lebten unsere Hamster enthaltsam in Frauen- oder Männer-WGs, wodurch sich der Bestand stabilisierte und nach und nach auf natürliche Art reduzierte. Und eines Tages war es soweit. Der letzte der kleinen Wüstenbewohner wurde betrübt zu Grabe getragen. Sie hatten uns lange Zeit durch unser Leben begleitet. Doch so niedlich sie auch gewesen waren: Nun gehörte das Haus wieder uns.

Und als neulich in der Zeitung eine Meldung stand, konnte ich nicht anders, als aus tiefster Seele zuzustimmen, auch wenn sie diesmal nur Glühbirnen betraf: „Von Hamsterkäufen ist abzuraten!“     Karin Tamcke

 

Karin Tamcke

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