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Wenn Marder martern ...

Wenn Marder martern ...

Einbrecher!!!! Einbrecher auf dem Dachboden! Aber mir fiel ein, dass es über diesem Gebäudeteil ja gar keinen Dachboden gibt. Auf jeden Fall stand fest: Etwas rumorte zwischen Zimmerdecke und Flachdach, und das nicht gerade pianissimo.

achtruhe spielend durchbrach? Und wieder: Polter! Rums!

Einbrecher!!!! Einbrecher auf dem Dachboden! Aber mir fiel ein, dass es über diesem Gebäudeteil ja gar keinen Dachboden gibt. Auf jeden Fall stand fest: Etwas rumorte zwischen Zimmerdecke und Flachdach, und das nicht gerade pianissimo. Ein Tier also? Ein wegen des knappen Platzangebotes eher kleines Tier. Aber welches ist gleichzeitig klein und so entsetzlich laut? Eine Ratte mit Nagelschuhen? Eine Maus beim Bowling?

In der nächsten Nacht das gleiche Programm. Es polterte, kratzte, schabte. Und dann, auf dem Dach in den Morgentau geprägt, die Visitenkarte des Ruhestörers: Eine Spur von länglich beballten Füßen. Was sagte das Lexikon dazu? Steinmarder! Martes foina.

Wir sind ein gastfreundliches Haus. Aber an diesem Ort hätten wir lieber keinen Gast gehabt. Und schon gar nicht Martes foina. Es war der Platz für Elektrokabel und nicht für herumalbernde Kleinraubtiere. Bald stellte sich die Frage: Wie war das Pelztier ins Haus gekommen? Nie würde ich einem Marder unseren Haustürschlüssel anvertrauen. Ein Blick aufs Dach genügte. Zwischen den einzelnen Pfannen klafften einladend dicke Spalte. Wir besorgten uns umgehend Bauschaum und sprühten die Zwischenräume aus, bis unser Haus aussah wie ein Pfefferkuchenhäuschen mit zu viel Zuckerguss. Hohnlachend rumorte der Marder weiter. Wir sägten ein Loch in die Zimmerdecke, besorgten Marderentfernungs-Spray und versprühten das stinkende Zeug, bis die Dose leer war und die Katze am Kofferpacken. Wir stellten das Radio so laut, dass die Tassen in den Schränken tanzten. Wir ließen Nachbars Hund bei uns im Hause bellen. Wir stellten ein Ultraschallgerät aufs Dach …

Alles blieb erfolglos. Da gaben wir dem Feind einen Namen. Wir nannten ihn Martha Marder. Man muss seinen Gegner studieren, um ihn bekämpfen zu können. Also blätterten wir weiter in unserem Lexikon und erfuhren durchaus Interessantes. Demnach erfolgt die Paarung im Sommer, die Weibchen bringen aufgrund einer Keimruhe die Jungen erst im Frühjahr zur Welt. Trotzdem – wir waren kein sozialer Wohnungsbau für obdachlose Marder, mochten sie noch so bemerkenswert sein.

Also traten wir in Kommunikation mit ihr. Beschworen sie durch das Loch in der Decke, eine Standortveränderung vorzunehmen. Versprachen ihr viele Dosen Katzenfutter. Stellten ihr fette Mäuse beim Nachbarn in Aussicht. Nur: Sie sollte schleunigst verschwinden.

Martha war einsichtsresistent. Sie marderte weiter herum. Jede Nacht. Ausgiebig lange und ausgiebig laut. Über allen vier Zimmerecken gleichzeitig. Moment mal...?!!! Das ist nicht nur ein Marder, das sind mindestens vier!!! Und uns wurde langsam klar: Marthas Keimruhe ist beendet.

Da Marder sonst Einzelgänger sind, beherbergten wir unter unserem Dach eine Mama mit ihrem Nachwuchs. Und wer könnte so herzlos sein, eine alleinerziehende Mutter samt ihren Kindern auf die Straße zu setzen? Da ich unter der Marderbrut schlief, wurde ich zwangsweise nachtaktiv. Schlich mit dunkel umrandeten Augen todmüde durch den Tag. Der Lärm wurde immer intensiver. Wahrscheinlich spielten die Biester da oben mit dem Bauschutt Fußball. Und dann auf einmal sah ich sie. In einer hellen Mondnacht. In der Dachrinne. Vorne der stolz erhobene Kopf von Martha, im Anschluss drei Marderkinder. Alle in Reihe geschaltet. Sie liefen hinaus in die Nacht und das machte mich ansatzweise froh. Waren wir sie nun los? Doch schnell kamen sie wieder zurück! Wie Lützows wilde Jagd tobte die Familie im Zehn- Minuten-Takt rein und raus, die ganze Nacht hindurch und alle folgenden.

Wir waren mit den Nerven am Ende. Und dann plötzlich.....Ruhe. Stille. Wie ungewohnt! Und wie erholsam! Die Marderchen waren erwachsen geworden und hatten die Kinderstube verlassen.

Nun blieb nur noch das Martha-Problem. Bestimmt würde sie ihr Appartement für die nächste Saison wieder buchen.

Wir suchten nach einem Vergrämungs-Spezialisten. Der kam, besah sich fachmännisch das Dach und entdeckte mühelos das Schlupfloch. Es war nicht höher als sechs Zentimeter. Wir mauerten den Eingang zu. Leb wohl, liebe Martha! Wir wünschen dir und deinen Kindern ein glückliches Marderleben. Aber bitte nicht mehr in unserem Haus. Nie wieder würden wir uns von Mardern so martern lassen.

Karin Tamcke

 

Karin Tamcke

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