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05:03 10.06.2018
Die Deutsche Verkehrswacht rät vom «Elterntaxi» ab. Es bewirke, dass Kinder Bewegungs- und Koordinationsdefizite bekämen und sich später unsicher im Straßenverkehr bewegten. Quelle: Ralf Hirschberger
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Köln

Gefahren im Straßenverkehr sind der Horror für Eltern. Eine Straße, ein Ball, der plötzlich auf die Fahrbahn rollt - und ein Kind, das geistesabwesend hinterherläuft. Spätestens seit der theoretischen Führerscheinprüfung trägt man solche Grusel-Szenen im Kopf mit sich herum.

Viele Eltern fahren daher ihre Kinder lieber mit dem Auto in den Kindergarten und zur Schule. Zur Sicherheit, sagen sie. Ein Trugschluss, entgegnen Verkehrsfachleute und Psychologen.

Zum Kindersicherheitstag (10. Juni), der von der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) "Mehr Sicherheit für Kinder" ins Leben gerufen wurde, lohnt ein Blick auf das Missverständnis, dem viele Menschen nach Ansicht von Experten folgen. Es lautet: Das Kind sollte man am besten so lange es geht in Watte packen. Und wenn es älter wird, ist dann automatisch das Gröbste überstanden.

Die gute Nachricht ist, dass die Zahl der verunglückten Kinder in Deutschland im Langzeittrend deutlich zurückgegangen ist. Im Jahr 1978, dem Jahr, für das erstmals Zahlen für Gesamtdeutschland vorliegen, seien noch rund 72.000 Kinder verunglückt, rechnet das

Statistische Bundesamt vor. "Das waren 2,5 mal so viele wie im Jahr 2016." Doch die objektiven Zahlen spiegeln nicht immer das subjektive Bauchgefühl wider, das sich in vielen Elternhäusern breit macht.

"Die Helikoptereltern machen uns massiv Probleme", sagt Petra Rödler von der Kinderunfallkommission Kaiserslautern. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, den städtischen Verkehr für Kinder noch sicherer zu machen. Doch gerade die überfürsorglichen Eltern stehen dabei immer wieder im Weg - Stichwort "Elterntaxi".

Gemeint sind Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. Laut einer vom ADAC veröffentlichten Studie geben Eltern "als unsicher empfundene Schulwege" als häufigsten Grund für das "Elterntaxi" an. "Doch sie sind es auch, die ihre Kinder direkt vor der Schule absetzen und auf dem Zebrastreifen parken", klagt Petra Rödler von der Kinderunfallkommission. "Sie verhalten sich im Verkehr oft selbst rücksichtslos und gefährden damit andere Verkehrsteilnehmer."

Am besten sei es, mit den Kindern gemeinsam zu Fuß zu gehen, meint Hannelore Herlan von der Deutschen Verkehrswacht. "Man gewöhnt die Kinder an eine aktive Verkehrsteilnahme", sagt sie. Das "Elterntaxi" verhindere diesen wichtigen Entwicklungsschritt. Die Passivität bewirke, dass Kinder Bewegungs- und Koordinationsdefizite bekämen und sich später besonders unsicher im Straßenverkehr bewegten.

An Schulen und Kitas soll Verkehrserziehung ein sicheres Verhalten im Straßenverkehr vermitteln. Damit ist es aber nicht getan - auch die Eltern seien gefordert, sagt Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff. "Die Psyche entwickelt sich nur durch Erfahrung. Man kann keinem kleinen Kind den Straßenverkehr erklären", so Winterhoff. "Heutzutage wollen Eltern ihren Kindern möglichst viel abnehmen. So funktioniert Entwicklung aber nicht", erklärt er. Das Erlernen von sicherem Verhalten im Straßenverkehr brauche Ruhe und Zeit.

Die meisten Fehler machen Kinder laut Unfallstatistik beim Überschreiten der Fahrbahn. In fast 90 Prozent der Fälle ist das so. Theoretisch müssten die Kinder das in der Verkehrserziehung gelernt haben. Doch einmal gelernt heißt nicht, dass Kinder sich fehlerfrei verhalten. "Abläufe wie das Links-Rechts-Links-Schauen machen Kinder erst einmal nur mechanisch", erklärt Hannelore Herlan von der Verkehrswacht. Das müsse immer wieder sorgfältig geübt werden.

Die Deutsche Verkehrswacht rät Eltern daher, den Schulweg gemeinsam zu trainieren. Dann fällt es irgendwann auch leichter, die Kinder alleine losziehen zu lassen.

dpa

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