Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Aktuelles Wenn der Großeltern-Traum zerplatzt
Mehr Familie Aktuelles Wenn der Großeltern-Traum zerplatzt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:14 13.05.2015
Der Wunsch Großeltern zu werden, ist bei vielen ziemlich ausgeprägt. Von der Familienplanung der eigenen Kinder ist man aber nicht unbedingt abhängig: Dass, was man mit den eigenen Enkeln geplant hat, kann man auch als Leihopa oder -oma mit anderen Kindern machen. Foto: Westend61
Anzeige
Bonn

Wenn die eigenen Kinder keine Kinder wollen, ist das für die Eltern nicht immer leicht. Denn viele träumen davon, sich als Großeltern um die nachfolgende Generation kümmern zu können.

Die Familienplanung anzusprechen, ist durchaus erlaubt. Auf das Wie kommt es an: "Die Zielsetzung darf nicht sein, das Kind zu überzeugen oder zu überreden", sagt Ursula Lenz, Sprecherin der

Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen(BAGSO). Besser wäre: "Ich würde mich über Nachwuchs freuen" und: "Ich möchte gerne verstehen, warum ihr euch gegen Kinder entscheidet". Die Kinder unter Druck zu setzen oder ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen, weil nun die Großeltern-Träume geplatzt sind, sei übergriffig.

Warum der Wunsch, Großeltern zu werden, bei vielen so ausgeprägt ist, ist evolutionär begründet, erklärt der Psychologe Horst Heidbrink, der an der Fern-Universität Hagen zu sozialen Beziehungen forscht. "Es ist der mehr oder weniger bewusste Wunsch, dass wir unsere Gene weitergeben." Aber: "Wir als Menschen sind unserem evolutionären Erbe nicht einfach ausgeliefert", erklärt Heidbrink. Es hilft, sich von ihm zu distanzieren und sich klar zu machen: Wir müssen unsere Gene nicht selbst weitergeben – dies können auch Verwandte, zum Beispiel Geschwister und deren Kinder für uns tun.

Ein anderer Punkt ist eher metaphysischer Natur: "Die meisten von uns haben den Wunsch, dass mit dem eigenen Tod nicht alles vorbei ist", erklärt Heidbrink. "Für uns Normalsterbliche sind das, was wir hinterlassen können, unsere Kinder." Haben die selbst keinen Nachwuchs, kann das Folgen haben: "Da stellt sich irgendwie das Gefühl ein: Ich habe in die Kinder sehr viel investiert - und die führen das gar nicht weiter!", sagt Heidbrink.

Gerade den Ruhestand sehen viele als die Zeit an, die mit Enkelkindern verbracht werden kann. Immerhin bedeutet der Eintritt ins Rentenalter für viele eine gravierende Veränderung, sagt Lenz. "Der Rhythmus zwischen An- und Entspannung entfällt." Ein Enkelkind hätte dann auch eine tagesstrukturierende Wirkung, mit ihm käme eine gewisse Verbindlichkeit in den Alltag.

Dabei ist man dafür gar nicht abhängig von der Familienplanung der eigenen Kinder. "Ich kann das, was ich mit eigenen Enkelkindern gemacht hätte, vielleicht mit anderen Kindern machen", sagt Heidbrink. Zum Beispiel, indem man Leihopa oder -oma wird. "Es gibt so viele zuwendungsbedürftige Kinder", sagt Lenz. Karl Foitzik betreut das Projekt Wunschgroßeltern beim Verein Großeltern stiften Zukunft. Dort bringt man junge Familien mit Senioren in Kontakt.

Fit hält aber auch, soziale Kontakte mit Gleichaltrigen zu pflegen: Denn es müssen gar nicht immer Ersatzenkel her, erfüllt sich der Wunsch nach den eigenen nicht. "Da geht es darum, jetzt Aktivitäten zu entwickeln", erläutert Lenz. "Wichtig ist, neben dem Gefühl, dass man in höherem Alter etwas Sinnvolles tut, dass man soziale Kontakte pflegt und nicht vereinsamt", fügt Heidbrink hinzu. Ob das nun als Wunschoma bei den Wunschenkeln geschieht oder etwa beim Klönen mit den anderen Ehrenamtlichen in der Gemeinde, spielt dafür keine Rolle.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ob ein Strauß Blumen oder mal im Haushalt helfen: Am Muttertag (10. Mai) wollen viele Kinder ihre Mutter ehren und sich bei ihr bedanken. Gegner finden, der Tag bediene ausgediente Rollenklischees.

13.05.2015

Die Mutter von Nys (9) ist wütend, weil sie sich bei den steigenden Mieten in Frankfurt keine größere Wohnung leisten kann. Der Vater von Levi (11) ärgert sich über die steuerlichen Vorteile für Ehepaare: "wie aus dem Mittelalter".

13.05.2015

"Ich bin so happy - ich bin Klassenbester in Mathe", sagt der beste Freund und strahlt. Man selbst lächelt auch, doch so richtig freut man sich nicht mit ihm.

13.05.2015
Anzeige