Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Angst vorm Digitalen: Deutsche zögern bei Geldanlage im Netz

Finanzen Angst vorm Digitalen: Deutsche zögern bei Geldanlage im Netz

Mit automatisierter Geldanlage wollen junge Finanzfirmen und immer mehr Banken das Sparen im Netz günstiger, bequemer und rentabler machen. Doch die Deutschen halten sich zurück. Sie experimentieren zwar - aber lieber mit altbekannten Geldanlagen.

Voriger Artikel
Zahlen per Chip: Händler muss Bezahlvorgang aktiv auslösen
Nächster Artikel
Verbraucher trauen bei Apps eher Banken als FinTechs

Online-Banking ist für viele Bankkunden eine Selbstverständlichkeit. Doch um Geld anzulegen, gehen die meisten lieber herkömmliche Wege.

Quelle: Lino Mirgeler/dpa

Frankfurt/Main. Hotels online buchen, Einkaufen bei Amazon, Chatten per WhatsApp: Die Deutschen nutzen das Internet in vielen Lebensbereichen, doch bei der Geldanlage trauen sie Angeboten im Netz nicht recht.

Nur knapp die Hälfte der Bundesbürger wickelt ihre Bankgeschäfte online ab, zeigt eine Studie der

Beratungsgesellschaft EY. Und auf dem Smartphone macht nur jeder Fünfte Online-Banking. Die Deutschen, ein Volk der Sparer - und Digitalisierungsmuffel?

"Beim Geld hört unser Vertrauen in die digitale Technik auf", sagt Joachim Spill, Partner bei EY. Hingegen hinterlegten viele sorglos ihre Daten bei Facebook oder zum Shopping im Internet. "Offenbar vertrauen viele Nutzer dem Online-Händler mehr als ihrer Hausbank." Auch beim Bargeld sind die Deutschen konservativ. Während in den USA oder Skandinavien Kreditkarten oder kontaktloses Zahlen per Smartphone üblich sind, hängt man hierzulande an Scheinen und Münzen.

Die Digital-Phobie ist ein Dämpfer für junge Finanzfirmen (sogenannten Fintechs), die etwa mit einer automatisierten Geldanlage im Netz werben. Dabei beantworten Anleger zunächst Fragen zu Alter, Risikoneigung, Anlagezeitraum und -summe. Je nach Antwort erhalten sie Vorschläge für ein Portfolio: Je höher die erwünschte Rendite und die maximale Verlusttoleranz, desto größer der Aktienanteil. Bei vorsichtigen Sparern überwiegen Anleihen.

Investiert wird per börsengehandelten Indexfonds (ETF), die Geld günstig und breit gestreut anlegen. Langfristig versprechen solche "Robo Advisor" vier bis sechs Prozent Rendite jährlich bei Gebühren von unter einem Prozent. Die Angebote ermöglichen eine globale Geldanlage ohne großen Aufwand, während Sparer sonst ihr Geld oft unverzinst auf dem Girokonto liegen lassen oder auf zu wenige Positionen setzen. Allerdings weisen Verbraucherschützer darauf hin, dass die "Robo Advisor" noch keinen Härtetest an der Börse erlebt hätten.

Firmen wie Vaamo, Easyfolio, Ginmon oder Liqid sehen sich daher als Alternative zur Bankberatung und versprechen nichts weniger als die "Revolution der Geldanlage". Auch immer mehr Banken springen auf den Trend auf: So bietet die Deutsche Bank zwei Anlage-Roboter und die Commerzbank-Tochter Comdirect hat neue Varianten gestartet.

Doch bisher stoßen die Anbieter hierzulande auf wenig Begeisterung. Während in den USA die größten "Robo Advisor" je mehrere Milliarden verwalten, steuern alle deutschen Anbieter zusammen 800 Millionen Euro, wie neue Zahlen der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman zeigen.

"Der Markt für automatisierte Geldanlage ist riesig", sagt Sabine Schoon, Bereichsleiterin bei Comdirect. "Aber Kunden geben ungern ihr Vermögen an unbekannte Start-ups." Auch die Vorstellung, Geld automatisch verwalten zu lassen, schrecke manche ab.

Comdirect versucht es mit einer Kombination aus Mensch und Roboter. Kunden können entscheiden, ob die Bank Tipps für die Geldanlage gibt, das Vermögen eigenständig steuert oder Anlegern die Entscheidung über Änderungen überlässt. "Das unterstützende Angebot, bei denen der Kunde letztlich entscheidet, kommt derzeit am besten an", so Schoon.

Weniger Hemmungen haben die Deutschen bei neuen Ansätzen für Altbekanntes: Sparen per Festzins. So hat das Hamburger Fintech Deposit Solutions mit dem Portal Zinspilot schon zwei Milliarden Euro Kundengelder vermittelt. Es bietet Sparern an, über ihre Hausbank auf die Angebote fremder Geldhäuser zuzugreifen. Anleger können so vergleichen, wo die höchsten Zinsen für Tages- und Festgeld locken - etwa bei Banken aus Rumänien oder Lettland. Geschützt sind alle von der EU-weiten Einlagensicherung von 100 000 Euro je Sparer und Bank.

"Viele unserer 60 000 Kunden legen hohe fünfstellige Beträge an", sagt Firmengründer Tim Sievers. "Manche verteilen so hohe Vermögen von über 100 000 Euro auf mehrere Banken." Institute, die das Angebot ihren Kunden zur Verfügung stellen, riskieren zwar, dass Klienten ihr Geld woanders anlegen - aber eben nicht deren komplettes Abwandern. "Die Kundenbeziehung bleibt erhalten", sagt Sievers. Die Anlagebank bekommt nur die Spareinlage, kann Kunden aber keine anderen Produkte wie Wertpapiere verkaufen. Jüngst übernahm Deposit Solutions den Konkurrenten Savedo samt 18 000 Kunden und macht sich so breit.

Comdirect will nun skeptische Kunden quasi nebenbei an den Wertpapierhandel heranführen. Sie bietet Sparern an, beim Online-Shopping Rabatte zu sammeln und Mini-Beträge in ETFs zu investieren. "Die Angebote führen dazu, dass Kunden sich oft zum ersten Mal mit Wertpapieranlage beschäftigen und anschließend öfter in ihr Depot schauen", sagt Managerin Schoon. Auch das zeigt: Für die Revolution der Geldanlage sind die Deutschen noch nicht bereit - sie wollen erst mal nur spielen.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Aktuelles

Gemäß des packenden „Drei in einer Reihe“-Prinzips müssen Reihen aus mindestens 3 Steinen gebildet und aufgelöst werden. Hier kostenlos im Spieleportal von LVZ.de spielen! mehr

  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Hier finden Sie Infos und Fotos vom Leipziger Opernball 2017 unter dem Motto „Moskauer Nächte“ mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr