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Digitale Wunschzettel heizen Onlinehandel an

Verbraucher Digitale Wunschzettel heizen Onlinehandel an

Lange Gesichter zur Bescherung - das möchten alle Schenkenden vermeiden. Mit Wunsch- und Merkzetteln sorgen Online-Händler dafür, dass jeder das Passende für jeden finden kann. Damit kurbeln sie ihr Weihnachtsgeschäft zusätzlich an.

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Mit Wunsch- und Merkzetteln sorgen Online-Händler dafür, dass jeder das Passende für jeden finden kann. Damit kurbeln sie ihr Weihnachtsgeschäft zusätzlich an.

Quelle: Stephan Jansen

München. Wie kommt das Christkind eigentlich an die Wunschzettel? Und wie entscheidet es, welche Geschenkewünsche es erfüllt? Für Kinder hält die Weihnachtszeit so manches Geheimnis bereit.

Doch im boomenden Online-Handel bleibt nichts mehr dem Zufall überlassen. Bei vielen Plattformen können Kunden digitale Wunschzettel anlegen und sie an potenzielle Schenker als Entscheidungshilfe weiterleiten.

Oma und Opa, Tante und Onkel bekommen es damit leicht bei der Auswahl, ersparen sich Doppel-Käufe und möglicherweise manche Enttäuschung zu Heiligabend: Kein Spielzeug oder Buch liegt mehr unter dem Christbaum, das nicht mehr altersgemäß ist oder längst schon im Regal steht, keine Jacke oder Hose wird verschenkt, die nicht passt und keine CD, die nicht den Musikgeschmack trifft. Stattdessen sollen alle genau das bekommen, was sie sich wünschen.

Aber wo bleiben Vorfreude und Überraschung, wenn es nur noch darum geht, Bestellungen per Mausklick zu tätigen und Listen abzuhaken? Und geht die Freude am Schenken nicht vollends verloren, wenn der Versandhändler auch noch das Verpacken übernimmt und sogar die Weihnachtskarte im Auftrag des Kunden beschriftet?

Platzhirsch Amazon kalkuliert gleich mit ein, dass sich die Kunden etwas Spannung bis Heiligabend erhalten wollen. Wer sich einen Wunschzettel anlegt, kann gleich die Option "Verderben Sie nicht meine Überraschung" mit einstellen: Bestellt ein Schenker einen Artikel von seinem Wunschzettel, erfährt es der Beschenkte nicht und bekommt nur einen Hinweis, falls er selbst den gleichen Artikel ordert.

Gerade zu Weihnachten würden Wunschzettel immer beliebter, sagt ein Amazon-Sprecher. Die Kunden legen sie für sich selbst an, teilen sie mit Freunden oder der Familie oder erstellen sie gleich direkt zusammen mit ihren Kindern. Wieviel Aufwand sie sich dabei gerne abnehmen lassen, verdeutlicht eine Zahl: Alleine das Amazon-Logistikzentrum in Koblenz verbrauchte zum vergangenen Weihnachtsfest rund 24 Kilometer Geschenkpapier.

Auch bei Otto.de gewinnen Bestellungen über Merkzettel zugleich mit dem mobilen Einkauf über Tablet und Smartphone an Bedeutung. Alleine in diesem Jahr gewann das Unternehmen rund eine Million Nutzer für seine Bestell-App hinzu, wie ein Unternehmenssprecher sagt. Beim Anlegen eines Merkzettels, den die Kunden beliebig benennen und verwenden können - vom Weihnachts-Wunschzettel über die Hochzeits-Wunschliste bis zum Kindergeburtstag - wird ein Link generiert, der in sozialen Netzwerken gepostet oder per Mail versandt werden kann.

Aber auch im stationären Handel hat die prompte Wunscherfüllung längst Einzug gehalten. Nach Vorbild des Hochzeitstischs im Haushaltswarengeschäft können beispielsweise Geburtstagskinder bei Spielwaren-Händlern wie Mytoys oder Toys R Us Kisten mit ihren Wunschgeschenken befüllen. Verwandte und andere Geburtstagsgäste suchen dann aus, welche Geschenke sie kaufen und zur Feier werden die Präsente überreicht.

Für Wolfgang Adlwarth von der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung ist der Wunschzettel-Trend logische Folge des Online-Booms. Verbraucher machen es sich heute gern leicht und wollen das Schenken optimieren - dazu passt auch, dass Gutscheine für Veranstaltungen, Kurse, Reisen oder auch einfach nur als Einkaufsgutscheine seit Jahren zu Weihnachten immer beliebter werden. Damit lässt man dem Beschenkten mehr Freiheit bei der Auswahl und geht auf Nummer sicher - und vermeidet Stress im vorweihnachtlichen Gedränge der Innenstädte, sagt Adlwarth.

Wer aber meint, dass der traditionelle Wunschzettel aus Papier angesichts der perfekt organisierten Konsumwelt ausgedient hat, liegt falsch: In den bundesweit sieben Weihnachtspostfilialen der Deutschen Post gingen im letzten Jahr insgesamt rund 605 000 Briefe mit Wunschzetteln ein - viele davon wie eh und jeh mit der Hand geschrieben und liebevoll bemalt oder gebastelt.

Die Wünsche reichten von Spielzeug-Klassikern wie Eisenbahn, Traktor und Puppe bis hin zu ungewöhnlichen und fantasievollen Dingen: Ein Junge erbat sich eine Eismaschine, weil ihm seine Eltern sonst nur im Sommer Eis kaufen, ein anderer einen Wasserhahn, aus dem Kakao laufen sollte, wie eine Sprecherin von Deutsche Post DHL berichtet. Einen der größten Wünsche vieler Kinder aus dem vergangenen Jahr hätte übrigens kein Online-Händler der Welt erfüllen können: Besonders viele sehnten sich danach, dass es endlich einmal wieder richtig schneit.

dpa

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