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Aktuelles Von wegen Unkraut: Essbare Wildkräuter im Garten
Mehr Garten Aktuelles Von wegen Unkraut: Essbare Wildkräuter im Garten
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13:16 14.09.2016
Löwenzahn gilt als Unkraut. Doch er ist auch ein Gemüse: Die jungen, gezähnten Blätter schmecken leicht bitter im Salat. Foto: Mascha Brichta
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Berlin

Wildkräuter, Ackerbegleitkraut, Pionierpflanze und unerwünschte Spontanvegetation: Es gibt viele Bezeichnungen für Brennnessel, Giersch oder Löwenzahn. Unkraut ist unter Hobbygärtnern wohl die gängigste. Diese negative Wahrnehmung ändert sich aber langsam.

Unkraut wird teils bewusst für die Küche gezüchtet. "Gerade mit dem veganen Lifestyle haben Wildkräuter eine enorme Aufwertung erfahren", erklärt Thomas Wagner vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde in Berlin. Darüber hinaus hat sich die Bedeutung des Gartens gewandelt - von der ehemals lebensnotwendigen Nahrungsquelle hin zu einem Ort der Entschleunigung. "Für viele Leute ist Gärtnern ein Hobby. Sie gehen daher auch mit Unkraut entspannter um."

Giersch (Aegopodium podagraria) polarisiert aber offensichtlich weiterhin. "Giersch ist für viele Fluch, für andere ein Segen", sagt Gregor Schmitz, Leiter des Botanischen Gartens der Universität Konstanz. "Im Frühjahr kann man seine Blätter als Wildgemüse nutzen." Für den Biologen hat der Doldenblütler vor allem ökologischen Nutzen: Wenn er blüht, lockt er Schlupfwespen an, die wiederum Blattläuse bekämpfen. "Begleitkräuter sind nützlingsfördernd und erhöhen die Artenvielfalt im heimischen Garten." Wagner nennt Giersch sogar ein "Vorzeigeunkraut", das wegen seiner Heilkräfte einst in Klostergärten kultiviert wurde. "Giersch enthält viel pflanzliches Eiweiß und hilft gegen Gicht, Rheuma und Arthritis."

Wie andere Wildkräuter und -gemüse stellt Giersch keine großen Ansprüche an Standort und Pflege. Die ausdauernde Pflanze wird bis zu einem Meter hoch und vermehrt sich großflächig. Besonders gut gedeiht Giersch aber auf stickstoffreichen Böden und an lichten Rändern von Gehölzen – genauso wie die Gewöhnliche Vogelmiere (Stellaria media) und die Große Brennnessel (Urtica dioica).

Die Vogelmiere bildet auf nacktem Boden schnell kleine Rasenteppiche mit weißen Blüten. Die spitzen Blätter schmecken in Dips oder Salaten. Das einjährige Nelkengewächs gilt als schmerzlindernd, vitamin- und nährstoffreich, erklärt Gottfried Röll von der Bayrischen Gartenakademie.

Die Große Brennnessel ist eine ausdauernde Pflanze, die bis zu drei Meter hoch wird und sich über Ausläufer vermehrt. Ihre Blätter mit Brennhaaren gelten als harntreibend, vitamin- und eiweißreich und sollen gegen Rheuma helfen. Wagner empfiehlt daher, Bestände nicht nur stehen zu lassen, sondern sie sogar kontrolliert anzubauen – zum Beispiel in Staudenrabatten. Je besser gedüngt, desto besser sei das Ergebnis. "Brennnessel duften fantastisch herb und bilden einen schönen geschlossenen Bestand."

Röll wirbt auch für den Löwenzahn (Taraxacum sect. Ruderalia) im Garten: "Löwenzahn kann überall wachsen, wo es nicht zu nass ist. Er braucht keine besondere Pflege." Die Pflanze mit der gelben Scheinblüte kann bis zu 30 Zentimeter hoch werden. Gut drei Mal so lang ragt die Pfahlwurzel in die Tiefe, aus der laut Röll in der Nachkriegszeit Kaffee-Ersatz zubereitet wurde. Die jungen, gezähnten Blätter schmecken leicht bitter im Salat und sollen unter anderem verdauungsfördernd und harntreibend sein. Wer Löwenzahn bewusst anpflanzen möchte, sollte ihn am besten im Mörtelkübel oder Kisten anziehen und die Blüten nach der Blüte abschneiden, empfiehlt der Experte. "Der Wind trägt die Samen sonst in alle Ecken."

dpa

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