Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Umwelt Einweg oder Mehrweg: Streit um Getränkeverpackung
Mehr Garten Umwelt Einweg oder Mehrweg: Streit um Getränkeverpackung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:26 14.09.2016
Nach wie vor gibt es jede Menge Einwegflaschen. Quelle: Daniel Bockwoldt
Anzeige
Berlin

Eine Plastikflasche, die nach einmaligem Gebrauch geschreddert wird, ist keine umweltfreundliche Verpackung. Nachhaltiger Konsum sieht anders aus. Trotzdem gelingt es der Bundesregierung nicht, den Anteil der Einwegflaschen zu reduzieren.

Im Gegenteil: Die Mehrwegquote geht bei Getränkeverpackungen seit Jahren zurück. Ende der 90er Jahre wurden noch mehr als 70 Prozent aller Flaschen mehrfach befüllt. Im vergangenen Jahr lag die Mehrwegquote nur noch bei 42 Prozent. Eine Reihe großer Discounter und Getränkehersteller hat sich jetzt verpflichtet, ihre Einweg-Pfandflaschen in Zukunft besser zu kennzeichnen.

Wird das den Abwärtstrend bei den Mehrwegflaschen stoppen?

Wahrscheinlich nicht. Denn Discounter wie Aldi und Lidl bieten ausschließlich Einwegflaschen an. So sparen sie Lagerfläche. Wer in diesen Märkten einkauft, hat dort auch weiterhin nicht die Wahl zwischen Einweg und Mehrweg.

Ist diese neue Kennzeichnung denn dann überhaupt sinnvoll?

Doch. Denn Kunden, die sich aktiv um ein nachhaltiges Konsumverhalten bemühen, haben dadurch mehr Durchblick.

Warum hat das bisher eigentlich nicht funktioniert?

Auf den Einweg-Pfandflaschen findet man bisher nur das Logo der Deutschen Pfand-System GmbH. Meist steht auch noch irgendwo "Pfandflasche" auf dem Etikett. Doch viele Verbraucher kennen das Logo nicht und verwechseln "Pfand" mit "Mehrweg". Eine Umfrage zeigte 2014, dass jeder zweite Bundesbürger Schwierigkeiten hat, Mehrweg- und Einwegflaschen voneinander zu unterscheiden.

Warum hat der Gesetzgeber das dann nicht einfach klar geregelt?

Die EU-Kommission hält eine erweiterte Kennzeichnungspflicht für einen unzulässigen Eingriff in den EU-Binnenmarkt. Diese Rechtsauffassung ist allerdings umstritten. "Das Argument der EU-Kommission halten wir für vorgeschoben, da die Getränkeimporteure, um anderen deutschen Verordnungen zu genügen, ohnehin spezielle Etiketten für den deutschen Markt drucken müssen", sagt der Kreislaufwirtschaft-Experte der Deutschen Umwelthilfe, Thomas Fischer.

Ist Mehrweg denn in jedem Fall umweltfreundlicher als Einweg?

Ja. Das Ökoranking der verschiedenen Getränkeverpackung ist eindeutig. Am besten schneiden Mehrwegflaschen aus PET ab, mit einem allerdings nur sehr knappen Vorsprung vor den Mehrweg-Glasflaschen. Denn die Glasflaschen sind zwar schwerer, weshalb man für ihren Transport mehr Energie benötigt. Dafür können Glasflaschen aber bis zu 50 Mal neu befüllt werden, während bei den PET-Flaschen in der Regel nach 15 Befüllungen Schluss ist. Einwegflaschen aus Plastik landen im Ökoranking auf dem vierten Platz. Noch schlechter schneiden nur Dosen und Einwegflaschen aus Glas ab.

Welche Getränke dürfen heute noch pfandfrei verkauft werden?

Milch, Heilwässer, Saft, Nektar und alle alkoholischen Getränke mit Ausnahme von Bier. Die Umweltverbände wollen, dass diese Ausnahmen gestrichen werden. Helge Wendenburg, Abfallexperte beim Bundesumweltministerium verteidigt die Sonderregelung für die Safthersteller. Er sagt, unter ihnen seien viele kleine Unternehmen, für die eine Umstellung auf eine neue Verpackungsform nicht so leicht zu bewerkstelligen wäre. Außerdem müssten die Safthersteller wegen des Säureschutzes andere PET-Flaschen verwenden als Firmen, die Wasser und Limonade verkaufen. Eine sortenreine Sammlung der Plastikflaschen wäre dann nicht mehr so einfach möglich.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein Verein aus dem ostsächsischen Ebersbach-Neugersdorf kämpft für den Erhalt von Bienenvölkern - und kümmert sich um den Imkernachwuchs.

11.08.2016

Smartphones, Computer, DVD-Player, Kühlschränke - Elektrogeräte bestimmen unseren Alltag. Doch wohin mit den ausrangierten Geräten? Ein neues Gesetz nimmt dabei nun auch Online-Versandhändler in die Pflicht. Doch ob das zu mehr Recycling führt, wird stark bezweifelt.

14.09.2016

Förster und Waldbesitzer müssen Jahrzehnte vorausdenken, wenn Bäume gepflanzt werden - in Zeiten des Klimawandels eine besondere Herausforderung. Mögliche Antworten auf Wärme und Trockenheit können andere Baumarten sein. Aber hat der Wandel auch gute Seiten?

14.09.2016
Anzeige