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Alkoholkonsum ist laut Sucht-Bericht das größte Problem

Statistik vorgestellt Alkoholkonsum ist laut Sucht-Bericht das größte Problem

Wein, Bier und Schnaps können ein Genussmittel sein. Sie haben aber auch ein Suchtpotenzial. In Deutschland gilt der Konsum nach wie vor als deutlich zu hoch. Was lässt sich dagegen tun?

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Eine Statistik zeigt, dass viele Menschen zu viel Alkohol konsumieren.

Quelle: Daniel Naupold

Berlin. Die Deutschen trinken immer noch viel zu viel Alkohol.

 

Nach einer Analyse des neuen Jahrbuchs Sucht konsumiert jeder

 

Bundesbürger über 15 Jahre im Schnitt 10,7 Liter reinen Alkohol im

 

Jahr. Das entspricht einem gefüllten Eimer.

Die Zahlen beziehen sich auf neue Berechnungen für das Jahr 2015. "Alkohol ist mit Abstand das massivste Problem", sagte Raphael Gaßmann, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), am Mittwoch bei der Vorstellung des Jahrbuchs in Berlin.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, forderte

 

angesichts der neuen Zahlen höhere Preise für Bier und Schnaps. "Wir

 

sollten darüber sprechen, ob Preise von weniger als 20 Cent für einen

 

halben Liter Bier oder weniger als vier Euro für Spirituosen sein

 

müssen", sagte die CSU-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk

 

Deutschland. Alkoholmissbrauch sei eine der großen Herausforderungen

 

unserer Gesellschaft. "Knapp acht Millionen Menschen trinken so viel,

 

dass sie damit ihre Gesundheit gefährden", sagte sie der "Passauer

 

Neuen Presse".

Das Jahrbuch Sucht stellt jedes Jahr Statistiken zu legalen und

 

illegalen Drogen in Deutschland zusammen und ergänzt sie mit eigenen

 

Daten zur Suchthilfe. Pro Kopf tranken Erwachsene in Deutschland

 

demnach 2016 im Schnitt rund 134 Liter Alkoholika - von der Menge her

 

eine gut gefüllte Badewanne. Damit ist der Konsum im Vergleich zum

 

Vorjahr nur minimal gesunken - um 1,25 Prozent.

Auch im internationalen Vergleich bleibe Deutschland beim Thema

 

Alkohol ein Hochkonsumland, sagte Ulrich John, Leiter des Instituts

 

für Sozialmedizin an der Universität Greifswald. Die Folgen klingen

 

dramatisch. So kommen laut Jahrbuch in Deutschland pro Jahr rund

 

10 000 Babys alkoholgeschädigt auf die Welt. 2,65 Millionen Kinder

 

wachsen mit alkoholkranken Eltern auf. Und acht Millionen Angehörige

 

leiden an der Alkoholsucht eines Familienmitglieds mit - zum Beispiel

 

durch Schamgefühle, Zukunftsängste und im Extremfall durch

 

Gewaltausbrüche bis hin zu sexuellem Missbrauch.

"Die Dosis macht das Gift", ergänzte John. Bei Frauen gelte zum

 

Beispiel ein achtel Liter Wein pro Tag als Grenze, bei Männern ein

 

halber Liter Bier. "Egal wie viel Sie trinken, reduzieren Sie Ihren

 

Konsum", rät der Experte. Denn laut Jahrbuch werden rund 200

 

Krankheiten durch Alkoholkonsum mitverursacht. Für 30 Krankheiten,

 

zum Beispiel Leberleiden, gilt er als Hauptgrund.

DHS-Expertin Christina Rummel beziffert die direkten und indirekten

 

Kosten des Alkoholkonsums für deutsche Kranken- und

 

Rentenversicherungen auf 40 Milliarden Euro pro Jahr. "Dem stehen

 

lediglich 3,1 Milliarden Euro aus Steuern auf Alkohol gegenüber",

 

sagte sie.

Gaßmann forderte angesichts all dieser Fakten ein Werbeverbot für

 

Alkohol und Zigaretten sowie eine vereinheitlichte höhere Steuer auf

 

alle Alkoholika, bemessen nach Volumen Alkohol. Darüber hinaus

 

verlangte er, dass alle Alkoholika nur an Erwachsene über 18 Jahre

 

verkauft werden. Dass Jugendliche in Deutschland ab 16 Jahre Wein und

 

Bier kaufen dürften, sei "absurd". Testkäufe hätten bewiesen, dass

 

der Jugendschutz beim Alkoholverkauf bei rund einem Drittel der Fälle

 

(30 Prozent) bereits heute nicht eingehalten werde.

Auch der Konsum anderer legaler und illegaler Drogen ist in

 

Deutschland nach dem neuen Jahrbuch zu hoch. Der Verbrauch von

 

Tabakwaren ist demnach 2017 sogar leicht um rund ein Prozent

 

gestiegen. Die Zunahme ging vor allem auf das Konto von Pfeifentabak.

 

Denn Pfeiferauchen ist nicht mehr nur eine Passion älterer Herren.

 

Mit der Retrowelle ist das Schmauchen auch bei jungen Leuten zum

 

Trend geworden. Der Konsum stieg zuletzt um mehr als ein Viertel auf

 

3245 Tonnen Pfeifentabak an (28,7 Prozent). Der Verbrauch von

 

Zigaretten und Zigarillos ging dagegen um rund sieben Prozent zurück.

Bei den illegalen Drogen bleibt Cannabis auf einem Spitzenplatz. Nach

 

den jüngsten Zahlen für 2015 haben rund 7 Prozent der 12- bis

 

17-jährigen Teenager und 6 Prozent der 18- bis 64-jährigen

 

Erwachsenen in einem Jahr Joints geraucht. Insgesamt sei damit

 

innerhalb der vergangenen 25 Jahre ein zunehmender Trend zu

 

verzeichnen, heißt es im Jahrbuch.

Cannabis sei zwar die illegale Droge, die am häufigsten konsumiert

 

werde, sagte Gaßmann. Sie verursache aber nicht die meisten Probleme.

 

Die steigende Zahl der Drogentoten - 2016 waren es 1333 - lege die

 

Vermutung nahe, dass der Gebrauch harter Drogen wie Heroin wieder

 

zunehme. Eine bewährte Erfolgsgeschichte bei Hilfsangeboten seien

 

Drogenkonsumräume mit Beratern, ergänzte er.

Nach dem neuen Jahrbuch sind in Deutschland auch weiterhin 1,2 bis

 

1,5 Millionen Menschen von Arzneimitteln abhängig - insbesondere von

 

Tranquilizern und Schlafmitteln. Besonders betroffen seien ältere

 

Menschen, vor allem Frauen.

Auch Glücksspiele reizen laut Jahrbuch weiterhin viele Bundesbürger.

 

Rund ein Drittel (37 Prozent) gab 2017 an, innerhalb der vergangenen

 

zwölf Monate gespielt zu haben. Damit habe sich dieser Wert im

 

Vergleich zu früheren Erhebungen stabilisiert. Bei 326 000 Menschen

 

in Deutschland gilt ihr Glücksspielverhalten als problematisch, bei

 

weiteren 180 000 bereits als krankhaft.

dpa

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