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Fit & Gesund Leipzig Adipositas: Leipziger Ärztin setzt auf Aufklärung
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10:45 29.06.2017
Alexandra Keller, pädiatrische Endokrinologin, in ihrer Praxis.   Quelle: Andreas Döring
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Leipzig

Alexandra Keller geht mit ihren Patienten durch dick und dünn. Die pädiatrische Endokrinologin berät, behandelt, betreut pro Jahr etwa 1500 bis 2000 Jungen und Mädchen, die zu groß, zu klein, zu dünn oder zu dick sind. Einen Schwerpunkt machen die adipösen, krankhaft fettleibigen Kinder aus. Etwa 16 Prozent der in Deutschland lebenden Zwei- bis Zehnjährigen sind übergewichtig oder adipös. Mit krankhaften und damit kostenintensiven Folgen: Fettsucht in der Kindheit verursacht laut Institut für Gesundheitsökonomik München medizinische Mehrkosten von knapp 10 000 Euro pro Kind und Jahr. „Veranlagung, zu wenig Bewegung, hoher Medienkonsum, falsche Ernährung, Stress – es muss viel zusammenkommen, damit Kinder unverhältnismäßig zunehmen. Nur süß und fett zu essen reicht nicht“, sagt die Medizinerin, die in der Praxisklinik am Johannisplatz in Leipzig tätig ist.

Bei weniger als einem Prozent der Jungen und Mädchen ist eine Erkrankung – zum Beispiel der Nebenniere, der Bauchspeicheldrüse, der Schilddrüse oder des zentralen Nervensystems – die Ursache für Übergewicht. Und natürlich gibt es genetische Veranlagungen, die oft mehr Disziplin im Alltag abverlangen. Aber das individuelle Übermaß sei das Problem: ein Überangebot an Nahrungsmitteln und eine hochgradig technische Zivilisation, die das Leben bequem macht – vom Aufzug über das Elektrorad bis hin zur Fernbedienung. „Wo braucht man heute noch Muskelkraft“, fragt Alexandra Keller. Eine rhetorische Frage. Keller lehnt es ab, bei Adipositas von einer Volkskrankheit zu sprechen. Das komme nur der Industrie zugute, die mit Übergewichtigen – ob jung oder alt – ihr Geld verdiene.

Hunger spüren, Sättigung spüren – über Generationen hätte der Zwang, den Teller leer zu essen, Kindern abtrainiert, ihr Sättigungsgefühl ernst zu nehmen. Mit fatalen Folgen: Sie tappen in die Fettfalle. Die Medizinerin warnt jedoch davor, jedes übergewichtige Kind gleich zum Abspecken zu treiben: „Es besteht die Gefahr, dass man Kinder so neurotisiert und bei ihnen Essstörungen erzeugt.“ Daher setze sie auf die Aufklärung der Eltern und Großeltern, denn „das größte Manko sind Unwissen und Uninformiertheit“. In Leipzig widmet sich der Verein Klaks der Aufklärung, Prävention und Therapie von übergewichtigen Kindern und deren Familien. „Die Klaks-Schulung stellt ein ganzheitliches Therapiekonzept dar. Bausteine sind eine kindgerechte, erlebnisorientierte Bewegungs-, Ernährungs- und Verhaltenstherapie einschließlich einer intensiven individuellen medizinischen und psychologischen Betreuung“, erklärt Keller. „Solche Therapien setzen Durchhaltevermögen und damit höchste Motivation voraus.“ Die Rückfallquoten seien relativ hoch – vor allem bei betroffenen Kindern aus bildungsfernen Schichten. Verzicht üben – dies ist einfach schwerer für Menschen, die sich oft eh schon als Verlierer fühlen.

www.klaks.de

Von Simone Liss

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