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Fit & Gesund Leipzig Gesunde Zähne auch im Alter: Expertin setzt auf "mobile Zahnmedizin"
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22:00 28.03.2017
Mundgesundheit ist vor allem auch im Alter ein wichtiges Thema. Quelle: Fotolia
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Leipzig

Die Mundgesundheit von Alt und Jung hat sich in Deutschland weiter verbessert. Doch die zahnärztliche Versorgung von pflegebedürftigen Senioren ist zu einer großen Herausforderung geworden, sagt Prof. Dr. Ina Nitschke vom Bereich Senioren­zahnmedizin in der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde am Universitätsklinikum Leipzig. Immerhin ist die „mobile Zahnmedizin“ in Deutschland kein Fremdwort mehr. Und an der Leipziger Universität hören die Zahnärzte von morgen nicht nur in Vorlesungen etwas von Alterszahnmedizin, sondern sie gehen auch in Pflegeeinrichtungen.

Die Gesundheit der Zähne ist in Deutschland so gut wie nie, heißt es in der nunmehr fünften deutschen Mundgesundheitsstudie. Gibt es da immer noch Ost-West-Unterschiede?

Es gibt heute nur noch geringe Unterschiede zwischen den neuen und alten Bundesländern. Sie waren vor 25 Jahren deutlich größer. Laut der ersten Deutsche Mundgesundheitsstudie, die 1992 mit Erhebungen aus Ostdeutschland ergänzt wurde, war die Zahngesundheit der Ost-Kinder teilweise besser als im Westen. So waren weniger Zähne von Karies betroffen. Bei den Erwachsenen im Alter von 35 bis44 Jahren fehlte hingegen den Ostdeutschen durchschnittlich ein Zahn mehr. Erst ab der Jahrtausendwende begann eine Ost-West-Angleichung. Heute sehen wir eine deutliche Verbesserung insgesamt: Waren 1992 noch 16 Prozent der Kinder im Osten kariesfrei, im Westen waren es nur 12,4 Prozent, sind es heute über 76,1 Prozent im Osten und sogar 82,3 Prozent im Westen.

Aus Ihrer Sicht als Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnmedizin: Wie steht es um die Mundgesundheit der Senioren?

Die Mundgesundheit der Senioren hat sich verbessert: Es sind zum Beispiel nur noch rund 12 Prozent der 65- bis 74-Jährigen zahnlos, vor 10 Jahren waren es noch rund 22 Prozent. Bei den 75-Jährigen und Älteren ist rund ein Drittel zahnlos. Dies bedeutet, dass ältere Menschen meistens eigene Zähne zur Verfügung haben sowie Zahnersatz – sowohl festsitzend oder abnehmbar – tragen. Anders sieht es bei den über 75-jährigen Senioren mit Pflegebedürftigkeit aus, von denen immerhin die Hälfte zahnlos ist. Das Problem ist, dass mit zunehmender Gebrechlichkeit viele ältere Menschen nicht mehr regelmäßig oder gar nicht mehr zum Zahnarzt gehen. Werden sie dann in eine Pflegeeinrichtung aufgenommen, wird diese vernachlässigte Mundsituation zwar erkannt und ein Zahnarzt hinzugezogen. Aber oft sind die manchmal schwerwiegenden Veränderungen aufgrund des schlechten Allgemeinzustandes des Patienten vom Zahnarzt kaum noch rückgängig zu machen.

Gerade dann, wenn der alte Mensch Probleme mit dem Sehen und mit der Beweglichkeit von Fingern und Hand bekommt, braucht er eine Zahnprothese, die gut gereinigt und geschickt eingesetzt werden muss. Kann die Medizin das mehrfache Zuschlagen des Alters verhindern?

Auch die heutige, hochmoderne Medizin kann die Alterung des Menschen nicht verhindern. Aber viele Menschen können mit ihrem Lebensstil dazu beitragen, dass das Altern nicht grundsätzlich negativ ist. Die Medizin kann heute teilweise heilen oder dazu beitragen, dass das Leben mit chronischen Erkrankungen besser gelebt werden kann. Fächer wie die Geriatrie, also die Lehre der Erkrankungen des Alters, etablieren sich stärker in Lehre und Forschung. Mit Blick auf mein Fach, die Zahnmedizin, kann ich sagen, dass die Therapieentscheidungen durchaus die funktionellen Möglichkeiten der Patienten berücksichtigen, beispielsweise eine verminderte Handkraft oder das verringerte Adaptationsvermögen an neuen Zahnersatz. Wobei sich das nicht nur vom Alter her, sondern auch von Patient zu Patient sehr unterscheiden kann.

Pflegedienste und Seniorenheime helfen alten, gebrechlichen Menschen bei der Bewältigung des Alltages. Müssten nicht auch Mediziner – ob nun HNO-Arzt, Frauenarzt oder Zahnarzt – den Pflegebedürftigen wortwörtlich entgegenkommen?

Das ist richtig. Ich kann aber nur für mein Fach sprechen. Und da sind Veränderungen sichtbar – der Begriff „mobile Zahnmedizin“ ist auch in Deutschland kein Fremdwort mehr. Zahnärzte arbeiten mit unterschiedlichen Konzepten auch in den Pflegeeinrichtungen. Allerdings ist die mobile Ausrüstung aufwendig, und es ist eine Aufgabe für das gesamte Team einer Zahnarztpraxis, die Einsätze vor- und nachzubereiten sowie die Behandlung extern durchzuführen. Dies funktioniert aber nur gut, wenn die Leitung der Senioreneinrichtung sowie die Pflegeleitung auch ein zahnmedizinisches Problembewusstsein haben und den zahnärztlichen Einsatz organisatorisch sowie pflegerisch unterstützen.

Was unternehmen in Leipzig Medizinische Fakultät und Universitäts-Zahnmedizin, um den Bedürfnissen von Senioren gerecht zu werden?

Grundsätzlich gilt: Alle Senioren sind in der Universitäts-Zahnmedizin herzlich willkommen. In unseren verschiedenen Fachrichtungen arbeiten Zahnärztinnen und Zahnärzte, die in der Seniorenzahnmedizin geschult sind. Denn die Leipziger Universität ist eine der wenigen in Deutschland, an der das Fach Seniorenzahnmedizin ausführlich gelehrt wird. Neben Vorlesungen besuchen die Zahnmedizin-Studierenden auch Senioreneinrichtungen und führen zahnärztliche Befunde unter der Aufsicht der Universitätszahnärzte dort durch. So lernen die Studierenden die Lebenswelt in einer Senioreneinrichtung kennen und können später leichter in ihrer Praxis die mobile Zahnmedizin etablieren.

Von Uwe Niemann

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