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14:13 09.03.2018
Erklärt einer Patientin die Zahnzwischenräume und Zahn­taschen sowie deren Pflege: PD Dr. Dirk Ziebolz von der Uni-Zahnklinik Leipzig. Quelle: Foto: Stefan Straube (UKL)
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Leipzig

Starkes Zahnfleischbluten haben schon viele Menschen durchgemacht. Dahinter steckt meist eine Entzündung des Zahnhalteapparates - das Bluten, Zahnlockerung oder Zahnstellungsveränderungen mit nachfolgend möglichem Zahnverlust können die Symptome sein. Doch damit nicht genug: „Gingivitis und Parodontitis, also Zahnfleischentzündung und Entzündungen des Zahnbettes, gefährden in Kombination mit anderen Faktoren das Herz und die Gefäße“, beschreibt Privatdozent Dr. Dirk Ziebolz von der Zahnklinik des Universitätsklinikums Leipzig die möglichen Folgen.

Dabei fängt es klein an: „Bei einer bakteriell bedingten Entzündung des Zahnhalteapparates kann das sogenannte Saum­ephitel, der feine Übergang zwischen Zahn und Zahnfleisch, zerstört werden. Dieser Schutzwall soll u.a. Erreger vom Eindringen in die Blutbahn abhalten“, erklärt der Oberarzt. Bei ausgeprägten Zahnfleischentzündungen oder einer Parodontitis fehlt dieser Schutz. So können Bakterien aus der Mundhöhle direkt in das Gewebe eindringen, nachfolgend in den Blutkreislauf gelangen und sich somit ungehindert im gesamten Organismus verteilen. Zudem werden die entzündeten Stellen stärker durchblutet, mehr körpereigene Immunzellen gelangen in den Bereich, um die Entzündung zu bekämpfen. Auch diese Immunantwort des Körpers kann sich nachfolgend nachteilig auf Herzkrankheiten auswirken.

„Das angegriffene oder fehlende Saumephitel ist damit die größte Schwachstelle des menschlichen Körpers, wenn es um des Eindringen von Erregern geht“, stellt Dr. Ziebolz fest. Der Mundraum, bestehend aus den Lippen, den Zähnen, der Zunge, dem Zahnfleisch, den Schleimhäuten und den Kiefern, ist das wichtigste Tor zum menschlichen Organismus – und von hier gelangen Bakterien über Verschlucken, Aspiration und den Blutweg in nahezu jedes Körperteil und jedes Organ. So auch ins Herz sowie das Herz-Kreislauf-System mit den dazugehörigen Gefäßen. Damit nicht genug: „Eine Parodontitis kann ebenso dazu führen, dass sich lebens­wichtige Blutgefäße verengen und so das Risiko für Arteriosklerose erhöhen, im Weiteren kann so deren Verstopfen begünstigt werden“, warnt Zahnarzt Ziebolz. „Zudem ist die höhere bakterielle Grundlast, also das ständig erhöhte Level von Erregern im Körper, schädlich für den Organismus und nicht förderlich für die Gesundheit.“

Der Zahnmediziner fordert daher, dass sich jeder Einzelne regelmäßig und gründlich um die Pflege des Zahnapparates und des Mundraumes bemüht, hier mahnt er Raucher und Diabetiker an: „Mit einfach mal schnell Durchbürsten ist es nicht getan, Zahnpflege und Zahnerhalt sind wichtige Investments in die eigene Gesundheit.“ Der Oberarzt rät zu einer elektrischen Zahnbürste sowie zur täglichen Anwendung von Zahnzwischenraumbürsten oder Zahnseide für die Zahnzwischenräume. Von größerer Bedeutung ist aber der regelmäßige Besuch des Zahnarztes mit Untersuchung der Zähne und „Parodontitis-Check“, also das Sondieren der Zahnfleischtaschen sowie einer bedarfsgerechten professionelle Zahnreinigung – diese mindestens einmal pro Jahr.

Kommen diese Maßnahmen jedoch zu spät, ist es durch eine bakterielle Dauerbelastung bereits zur Entzündung im Mundraum gekommen, bahnen sich die Erreger ihren Weg. „Das Herz kann von diesen Bakterien angegriffen werden, was fatale Folgen haben kann“, erläutert Privatdozentin Dr. Jelena Kornej, Fachärztin für Kardiologie am Herzzentrum Leipzig. „Die gestreuten Bakterien flutschen, umgangssprachlich gesagt, durch das schützende Netz des Immunsystems und setzen sich beispielsweise im Klappenapparat des Herzens fest.“ Dort beginnen sie dann ihr zerstörerisches Werk, das zu einer gefährlichen Entzündung der Herzinnenhaut, genannt Endokarditis, führen kann. Die Herzinnenhaut kleidet die Herzhöhlen, und den herznahen Teil der Arterien und Venen und bildet auch die Struktur der Herzklappen. „Unbehandelt ist eine Endokarditis tödlich“, beschreibt Dr. Kornej die drastischste Folge dieser schweren infektiösen Erkrankung.

Eine besondere Risikogruppe stellen laut Aussagen der Spezialistin für die Herzrhythmusstörungen jene Menschen dar, die bereits an einer schweren Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems leiden, wie an einer Schwäche des Herzens, Herzinsuffizienz genannt, und einen Herzschrittmacher oder einen Defibrillator tragen. Durch die allgemeine Alterung der Gesellschaft und die kontinuierliche Verbesserung der medizinischen Möglichkeiten wächst diese Patientengruppe stetig. „Unsere Senioren leben länger, was zu unterschiedlichen kardialen Erkrankungen führt. So können die Alterungsprozesse zur Verlangsamung unserer Herzleitung führen, die mittels Herzschrittmacher zu korrigieren sind. Die jüngeren Leute leiden dagegen häufiger an der Herzmuskel­entzündung (Myokarditis) oder an den Folgen einer Koronarerkrankung, welche zu Herzschwäche und Kammerflimmern führen können. Dieser Patientengruppe wird mit einem Defibrillator geholfen“, so Dr. Kornej.

Bei allem positiven Nutzen von Schrittmachern und Defibrillatoren stellen diese Hightech-Geräte im menschlichen Organismus Fremdkörper dar, erklärt sie. „Diese zur Lebenserhaltung implantierten Geräte können im ungünstigen Fall Sammelpunkte und Einfallstore werden“. An ihnen können sich Erreger anlagern, einen neuen Infektionsherd bilden und in andere Organe wie die Milz oder das Gehirn streuen. Daher rät auch die Kardiologin vom Herzzentrum wie ihr Kollege aus der Uni-Zahnklinik zu einer konsequenten und gesteigerten Mundhygiene auf einem sehr hohen Niveau. „Die Träger von Schrittmachern und Defibrillatoren müssen ihren Mundraum unbedingt gesund halten“, meint auch die Herzspezialistin.

Von Frank Schmiedel

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