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Fit & Gesund Leipzig Kniegelenk – konservative Therapie und operative Verfahren
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21:19 15.03.2018
In guten Händen: Dr. Gotthard Knoll untersucht das Knie von Hubert Berger, Eishockey­spieler der Exa Icefighters Leipzig. Quelle: Foto: Dirk Knofe
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Leipzig

 Hochdruck fürs Knie: Beim Springen und Stolpern wirken bis zu zwei Tonnen auf das Gelenk ein, etwa achtmal so viel wie beim Gehen. Eine harte Probe für Sehnen, Bänder, Menisken (Faserknorpelscheiben) und Schleimbeutel. Reißen sie durch Fehl­belastungen, Überlastungen, Verrenkungen sind gute Chirurgen gefragt.

Die häufigste Erkrankung des Knies ist die Arthrose. „Je früher die Verschleißerkrankung behandelt wird, desto größer sind die Chancen, das Gelenk langfristig zu erhalten“, sagt Dr. Gotthard Knoll. Denn wenn die schützende Knorpelschicht erstmal groß­flächig zerstört ist, bleibt oft nur noch das Einsetzen einer Endoprothese als Therapie übrig – so der Fachbegriff für Gelenkersatz aus Metall. Bis heute haben Mediziner weder ein Mittel noch eine Methode, um Arthrose zu heilen.

Deshalb setzen sie immer stärker darauf, bereits die Ursachen des Knorpelverschleißes zu beseitigen – also bestimmte Grunderkrankungen, die die Entstehung von Arthrose befeuern können. „Wir wissen beispielsweise, dass bei defekten Kreuzbändern häufiger Meniskus- und Knorpelschäden auftreten“, sagt Dr. Gotthard Knoll, Chefarzt der Abteilung Unfallchirurgie und Orthopädie am St. Elisabeth Krankenhaus Leipzig. Ihm und seinem Team bescheinigte die AOK 2017 Top-Qualität: Als beste Klinik in Sachsen im bundesweiten QSR-Verfahren der AOK wurde der Klinik überdurchschnittliche Behandlungsqualität beim Einsatz von Hüft-, Knie- und Schenkelhalsprothesen attestiert. Insbesondere bei Knie- und Schulterverletzten von Spitzen- und Freizeitsportlern hat sich das St. Elisabeth Krankenhaus einen Namen gemacht.

Um sich vor Knieverletzungen zu schützen, sind in den vergangenen Jahren spezielle Übungsprogramme für den Muskel- und Sehnenapparat rund ums Kniegelenk entwickelt worden, sie werden unter anderem von Profi-Fußballern genutzt. „Die Ergebnisse dieser Programme sind vielversprechend. So lässt sich das Risiko eines Kreuzbandrisses um 30 bis 40 Prozent verringern“, sagt Dr. Gotthard Knoll.

 Wenn die Kreuzbänder gerissen sind, werden sie meist ersetzt – in der Regel durch körpereigenes Sehnengewebe (Fachbegriff Kreuzbandplastik). Diese Operation gilt als sinnvolle Investition in den Gelenkerhalt: „Denn ein defektes Kreuzband ist ein wesentlicher Risikofaktor für Meniskusverletzungen und daraus resultierende Probleme.“ Eine Alternative zur OP: Gelenkschonender Sport wie Radfahren, Schwimmen, Walking – „denn er baut ein Muskelkorsett auf, das das Knie stabilisiert“. Dennoch überwiegt die Anzahl der Operationen am Kniegelenk.

Im Umgang mit den Menisken hat sich die Strategie der Spezialisten stark verändert. Während ramponierte Gelenkpuffer vor einigen Jahren noch relativ großzügig ausgeschnitten und oft sogar komplett entfernt wurden, geht der Trend heute ganz klar zum Erhalt. „Wir versuchen, so wenig Gewebe wie möglich zu entfernen und so viele Risse wie möglich zu nähen“, sagt Dr. Gotthard Knoll, „denn die Menisken haben eine wichtige Dämpferfunktion. Zudem unterstützen sie die Bänder bei der Stabilisierung des Gelenks.“ Vorteile, die früher eher unterschätzt wurden.

Auch die Korrektur von Fehlstellungen der Beinachse (auf Medizinerdeutsch Umstellungsosteotomie genannt) hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr etabliert. Mehrere Tausend solcher Eingriffe nehmen Chirurgen pro Jahr in Deutschland vor. Dabei werden – vereinfacht ausgedrückt – X- oder O-Beine begradigt. Mit dem Eingriff lässt sich das Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks in vielen Fällen deutlich hinauszögern – nicht selten um ein oder zwei Jahrzehnte.

Bei klar begrenzten Knorpelschäden – vor allem dann, wenn sie durch Verletzungen entstanden sind – haben die Mediziner momentan zwei etablierte Behandlungstechniken: zum einen die sogenannte Mikrofrakturierung. Dabei bohrt der Operateur kleine Löchlein in den Knochen – mit dem Ziel, dass sich eine Art Blutsee oder Blutkuchen bildet. Daraus soll Ersatzknorpelgewebe erwachsen. Es ist zum anderen möglich, körpereigene Knorpelzellen zu entnehmen, sie im Labor zu vermehren und diese an die defekten Stellen zu verpflanzen – Mediziner sprechen von einer Autologen Chondrozyten-Transplantation (ACT), die auch im St. Elisabeth-Krankenhaus durchgeführt wird.

Inzwischen ist das Verfahren so weit verfeinert worden, dass auch größere Knorpelschäden damit repariert werden können. „Es kann aber auch Sinn machen, kleinere Löcher zu behandeln – praktisch um einer Ausbreitung des Knorpelschadens vorzubeugen“, sagt Dr. Gotthard Knoll.

Einen Versuch ist auch die Behandlung mit Hyaluronsäure und Eigenblutkonzentraten wert: Zwar können auch solche Präparate den Knorpel nicht reparieren, aber immerhin die Gleitfähigkeit im Gelenk verbessern und die Schmerzen lindern. Hyaluronsäure wird ins Kniegelenk gespritzt und soll praktisch wie ein künstliches Schmiermittel wirken, den Knorpel zudem mit Nährstoffen versorgen.

Bei Eigentblutbehandlungen – auf die gerade Bayern-Torhüter Manuel Neuer setzt – wird dem Patienten Blut entnommen und zentrifugiert – mit dem Ziel, Thrombozytenreiches Plasma – in dem zahlreiche Wachstumsfaktoren schlummern – herauszulösen. Diese Wachstumsfaktoren werden dann in konzentrierter Form an die erkrankte Stelle im Kniegelenk gespritzt. „Bei beginnender Arthrose hat dieses Verfahren für einen bestimmten Zeitraum einen positiven Effekt.“

Von Simone Liss

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