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Wie bleibe ich gesund, wie werden ich gesund? Der LVZ-Ratgeber Gesundheit hilft weiter.
09:04 16.03.2018
 Beim Steady-Projekt wird das Smartphone zum medizinischen Assistenten. Quelle: Foto: Fotolia
Leipzig

Moderne Smartphones machen nicht nur die Kommunikation einfacher, sondern geben auch nützliche Tipps für Gesundheit und Wohlbefinden. Grundlage dafür sind freilich ganz persönliche Daten, die täglich erfasst und ausgewertet werden müssen. Nur dann sind Hinweise für ein gesundes Leben möglich.

Genau das ist der Ansatzpunkt für ein Projekt, das vor allem Menschen mit Depressionen helfen soll. „In der Medizin werden immer mehr Daten erhoben. In der Regel sitzen dann Ärzte über Laborergebnissen und Bildern, um Krankheiten zu erkennen und zu behandeln. Mit unserem Steady-Projekt gehen wir einen Schritt weiter: Wir wollen dem Patienten seine Daten direkt zur Verfügung stellen, damit er sofort Schlussfolgerungen ziehen kann“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Depressionshilfe und Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig.

Steady steht für „Sensorbasiertes System zur Therapieunterstützung und Management von Depressionen“. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und mit IT-Partnern technisch umgesetzt. Denn so gut die neuesten Smartphones sind und über wie viele Biosensoren sie auch verfügen mögen: Die Daten, die dem Erkrankten helfen, Gefahren für sich selbst zu erkennen – diese erhellen sich erst, wenn sie sinnvoll kombiniert werden.

„Affektive Erkrankungen wie Depressionen haben einen wiederkehrenden Verlauf“, so Prof. Hegerl. „Das merkt auch der Patient. So könnte er beispielsweise feststellen: Wenn ich länger im Bett bleibe, geht meine Stimmung in den Keller. Diese mögliche Selbstwahrnehmung sollte ein Alarmsignal sein, und der Kranke könnte nun darauf reagieren, indem er später ins Bett geht oder sich den Wecker zeitiger stellt und dann auch wirklich aufsteht. Aber mit der Selbstwahrnehmung ist das so eine Sache. Daten und Fakten sind da deutlicher. Mit unserem Steady-Projekt geben wir dem Patienten nun die Realität in die Hand: Auf seinem Smartphone kann er sehen, dass er beispielsweise zu viel ruht. Aha, kann er nun schlussfolgern, deshalb bin ich also so schlecht drauf. Also muss ich die Ruhezeit reduzieren.“

Die Mediziner nennen das Ganze Selbstmanagement. Mit den gelieferten Daten der Biosensoren kann der Patient lernen, mit seiner Krankheit umzugehen. Er lernt Muster zu finden, die mit Ver­besserungen oder mit Verschlechte­rungen des Befindens einhergehen. Dadurch kann er als Erster reagieren und einen gefährlichen Stimmungsabfall vielleicht vermeiden. Waren es bislang eher Rohdaten, die der Patient „serviert“ bekam, ist die Pilotstudie gegenwärtig in der Phase, in der von der App leicht verständliche Diagramme erzeugt werden.

„Allerdings ist das Selbstmanagement nur eine Ergänzung der Behandlung“, betont Prof. Hegerl. „Das Smartphone ist also nur ein medizinischer Assistent. Die Hauptakteure in der Behandlung sind immer noch Ärzte, und die Hauptsäule sind Medikamente. Und auf diese Kombination wird auf absehbare Zeit nicht zu verzichten sein. Fachexpertise ist zudem nötig für die Auswertung der medizinischen Daten, um wissenschaftliche Erkenntnisse für die Behandlung des Einzelnen wie für die Therapie generell zu gewinnen. Aber es macht durchaus einiges aus, wenn der Patient bei sich Stimmungsabfälle zeitig erkennt und sofort reagiert. Der Umgang mit der Krankheit Depression ist ja das, was er für sein Leben lernen muss.“

Von Uwe Niemann

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