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Fit & Gesund Leipzig Was Rückenschmerz mit Stress zu tun hat
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10:14 08.03.2018
Er geht dem Schmerz auf den Grund: Oberarzt Dr. Carsten Funke  Quelle: St. Georg
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Leipzig

Schmerz ist ein komplexes Phänomen und die Behandlung dauerhaften Schmerzempfindens – darüber ist man sich in der Medizin heute einig – bedarf Teamarbeit. Chronische Schmerzen entstehen durch einen Lernprozess des Nervensystems, sie sind ein im Gehirn festgesetztes, sozusagen grundloses Leiden. „Biologisch gesehen ist Schmerz ein Warnsignal des Körpers, der anzeigt, das irgendwo im Körper etwas nicht stimmt. Chronischer Schmerz dagegen hat seine biologische Warn­funktion verloren und benötigt besondere Behandlungsansätze, die auch ,unkörperliche‘ Faktoren, also die Psyche und das soziale Umfeld des Patienten berücksichtigen. Das Schmerzgedächtnis lässt sich nicht löschen, aber der Umgang mit ihm lässt sich durchaus erlernen“, sagt Dr. Carsten Funke, Leitender Oberarzt des Schmerzzentrums im Leipziger Klinikum St. Georg.

Negative Auswirkungen auf das soziale Leben

Rund 800 000 Menschen sind hierzulande von einem schwer zu therapierenden Schmerzsyndrom betroffen: Der Schmerz hat sich verselbstständigt und ist zu einer Schmerzkrankheit geworden. Jeder zweite Betroffene verspürt Auswirkungen auf sein Berufsleben. 18 Prozent sind arbeitsunfähig. Über ein Drittel der Patienten hat Sorge, den Arbeitsplatz zu verlieren. Fast 40 Prozent beklagen negative Auswirkungen auch auf das soziale Leben. Ein Drittel der Patienten geht außerdem davon aus, dass Mitmenschen ihre Schmerzen in Frage stellen. Der Schmerz wird zur Bann­meile, die isoliert und ohne Hilfe nur schwer aufzubrechen ist. „Betroffene fühlen sich von Ärzten und Umfeld oft unverstanden, müssen enorme psychische Belastungen erdulden und leiden oft unter Schlafstörungen, Ängsten und Depressionen“, sagt Dr. Carsten Funke.

Verringerung der Schmerzen

Bei ihm suchen Patienten mit chronischen Kopf-, Nacken-, Rücken- oder Tumorschmerzen, Patienten mit Neuralgien oder Schmerzen bei Durchblutungsstörungen Hilfe. „Gemeinsam mit ihnen werden Konzepte erarbeitet, die eine weitest mögliche Schmerzreduktion realisierbar machen. Zusätzlich werden sie angeleitet, ihre Schmerzen wirksam zu lindern, aktiv am Leben teilzunehmen und wieder in den Arbeitsprozess einzusteigen.“ Mit Hilfe von Verhaltenstherapie, Entspannungsverfahren, Akupunktur, Biofeedback, physio- und ergotherapeutischen Maßnahmen sowie medikamentöser Therapie wird ein Korsett geschnürt, das die Patienten stabilisieren und ihnen Halt geben soll. „Ziel des vierwöchigen Behandlungskonzepts in unserer Tagesklinik mit einer zusätzlichen Wiederholungswoche nach drei Monaten ist die Verbesserung der Lebensqualität durch Reduktion der Schmerzen“, sagt Dr. Carsten Funke.

Sport als Therapie

Sport nimmt in Funkes Therapiekonzept eine wichtige Rolle ein. „Viele Rückenschmerz-Patienten denken, dass sie sich schonen müssten. Außerdem weit verbreitet: Der Mythos, ein Bandscheibenvorfall sei gefährlich, und der Irrglaube, dass Personen, die im Beruf schwer heben müssen, sich fast unausweichlich ein Rückenleiden einhandeln. Mittlerweile weiß man jedoch, dass es keine ,falschen‘ Bewegungen gibt. Ob eine Bewegung schmerzhafte Folgen hat, hängt davon ab, wie belastbar der Körper gerade ist. Statt sich zu schonen, sollte man sich möglichst vielfältig be­wegen, die persönliche Belastungsgrenze herausfinden und behutsam erweitern“, sagt Dr. Carsten Funke. Das Tragen schwerer Lasten kann dem Rücken zwar schaden, doch Möbelpacker sind unter Patienten mit chronischen Rückenbeschwerden eher unterrepräsentiert.

Rückenschmerzen hängen eng mit der Psyche zusammen

Viele Studien haben nachgewiesen, dass es neben dem verbreiteten Bewegungsmangel vor allem die psychischen Belastungen am Arbeitsplatz sind, die schmerzen. Falscher Ehrgeiz, Stress, übertriebene Angst: Rückenschmerzen hängen eng mit der Psyche zusammen. „Lebe ich ständig in Angst, dass meine Schmerzen schlimmer werden, falls ich mich belaste, schone ich mich. Der Körper wird schwächer, die Koordinationsfähigkeit nimmt ab, das Miteinander von Muskeln, Sehnen und Knochen wird schlechter. Gerade beim Rücken, wo viele Strukturen zusammenarbeiten, ist das fatal. So kann bei einem Vermeider, so nennen wir diesen Patienten-Typus, aus einer normalen Zerrung eine schwere Schmerzsymptomatik werden. Umgekehrt ist es bei den sogenannten Durchhaltern. Ihnen zeigt erst der Schmerz, wenn es zu viel war. In einer Verhaltenstherapie können diese Menschen lernen, besser auf ihren Körper zu achten.“ Auch Kummer, Trauer und Depressionen verstärken Rückenschmerzen. „Das liegt daran, dass Schmerz immer eine emotionale Seite hat. Wenn man zusätzlich an etwas anderem leidet, ist auch der Leidensaspekt des Schmerzes erhöht.“

Schmerzambulanz im St. Georg - Tel. 0341 9092572

Von Simone Liss

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