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Herzzentrum Leipzig Warum Frauenherzen bei Diagnose und Therapie stärker in den Mittelpunkt rücken
Mehr Gesundheit Herzzentrum Leipzig Warum Frauenherzen bei Diagnose und Therapie stärker in den Mittelpunkt rücken
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14:54 12.03.2019
Vorreiterin: Prof. Dr. Sandra Eifert, Ärztin am Herzzentrum Leipzig, bietet als einzige in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Sprechstunden speziell zu Frauenherzen an. Quelle: Dirk Knofe

Es ist ein Novum im gesamten mitteldeutschen Raum – und selbst deutschlandweit ist Leipzig unter den Vorreitern: Das Herzzentrum bietet seit wenigen Wochen eine Frauenherzsprechstunde an.

Geschlechterunterschiede in der Medizin wurden über viele Jahre vernachlässigt. Besonders bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen diese Unterschiede eine große Rolle. Der Herzinfarkt ist die Todesursache Nummer eins bei Frauen.

Zwar ist das Herz von Männern und Frauen grundsätzlich gleich aufgebaut. Jede Minute pumpt es je nach Größe vier bis sechs Liter Blut durch den Körper und schlägt etwa 100 000-mal am Tag, bei Frauen sind es etwa zehn Schläge pro Minute mehr als bei Männern. Deren Herzen haben eine etwas höhere Muskelmasse.

So weit, so vergleichbar. Doch wer auf Erkrankungen des Herzens schaut, stellt fest: Frauenherzen schlagen anders. Zwar sind zwei Drittel der Patienten mit Herzgefäßerkrankungen in der westlichen Welt nach wie vor Männer, aber wenn Frauen einmal erkrankt sind, sterben sie doppelt so häufig daran. Anders gesagt: Frauen überleben einen Herzinfarkt nur halb so oft wie Männer.

„Bis zu einem bestimmten Alter haben Frauen einen natürlichen, hormonell bedingten Gefäßschutz“, erklärt Prof. Dr. Sandra Eifert, Herzchirurgin am Herzzentrum Leipzig. „Ändert sich der Hormonhaushalt nach der Menopause, fällt dieser Schutz weg. Und damit steigen die Erkrankungszahlen bei Frauen sprunghaft an.“

Auch der Blick auf das Risiko Herzinfarkt zeigt Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Hochkomplexes Thema

Warum genau es diese Unterschiede gibt, ist nicht endgültig geklärt. Das Thema ist hochkomplex, sagt Prof. Eifert: „Die Anatomie ist verschieden, Hormone spielen eine große Rolle, auch die Verstoffwechselung von Medikamenten ist bei Frauen anders als bei Männern. Einflüsse haben auch der Kulturkreis und die Gesellschaft.“

Bisher war die Erforschung medizinischer Therapien vor allem auf Männer ausgerichtet: Versuchstiere sind meist männlich, auch die Probanden von Studien sind mehrheitlich Männer. Das liege daran, dass bei Frauen immer erst abgeklärt werden müsse, ob sie nicht schwanger seien, erklärt Prof. Eifert.

Männer erleiden häufiger akute Herzinfarkte, sie überleben ihn allerdings deutlich öfter als Frauen. All das spricht dafür, das Geschlecht neben anderen Faktoren in die Betrachtung einzubeziehen.

„Es geht darum, jede Erkrankung unter dem Geschlechteraspekt anzuschauen, bezüglich Risikofaktoren, Symptomatik, Behandlung und Verlauf“, erklärt Sandra Eifert. So könnten Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten sichtbar werden und zu einer sinnvollen Behandlung beitragen.

Leben retten, Überleben ermöglichen

Wer mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand ins Krankenhaus kommt, muss so schnell wie möglich behandelt werden. Im Idealfall von einem Ärzteteam, bei dem die verschiedenen Fachrichtungen perfekt aufeinander eingespielt sind. Das Herzzentrum Leipzig bietet seit Herbst 2017 ein solches Cardiac Arrest Center – und als eines der ersten in ganz Deutschland lässt es sich zurzeit nach einem einheitlichen, überprüfbaren Standard zertifizieren.

„Die Versorgung von Patienten nach einem plötzlichen Herzstillstand gehört zu unseren Kernkompetenzen“, unterstreicht Prof. Dr. Holger Thiele, Direktor der Universitätsklinik für Kardiologie – Helios Stiftungsprofessur. „Wenn ein Patient unter Herz-Druck-Massage zu uns kommt, wird ein eingespielter Ablauf der klinischen Versorgung in Gang gesetzt“, erklärt der Mediziner. Eine der größten Herausforderungen: Sein Team muss schnell sein – und trotzdem abgewogen und individuell auf jeden Patienten eingehen.

Im Cardiac Arrest Center des Herzzentrums können rund um die Uhr Herzkatheter gelegt werden, Herz-Lungen-Maschinen stehen bereit, hoch spezialisierte Ärzte sind für die Patienten da. „Wer eine Reanimationssituation überlebt und ins Herzzentrum gebracht werden kann, muss hier optimale Bedingungen vorfinden“, sagt Privat-Dozent Dr. Marcus Sandri, Oberarzt der Klinik für Kardiologie am Herzzentrum Leipzig und Leiter der Station für Herzschwäche-Patienten. Nur so können schwerwiegende Schäden an Gehirn, Herz, Lungen und anderen wichtigen Organen verhindert werden.

Ein Beispiel: Emotionaler Stress scheint Frauenherzen mehr zu schaden als Männern. Die bekannteste stressbedingte Herzkrankheit ist das Syndrom des gebrochenen Herzens. Darunter leiden deutlich mehr Frauen als Männer.

„Deshalb wurden etliche Patientinnen mit Herzbeschwerden zum Psychiater oder Psychologen geschickt“, sagt Prof. Eifert. Sie wiesen aber auch nicht die „Männer“- typischen Symptome auf. Bei Männern steht die körperliche Belastung als Auslöser für einen Herzinfarkt viel stärker im Vordergrund.

Sprechstunde ist offen für alle

Die Frauenherzsprechstunde richtet sich an alle erwachsenen Frauen mit Verdacht auf Herz- und Gefäßerkrankungen. Klassische Risikofaktoren sind Bluthochdruck, die Zuckerkrankheit – bei Frauen ein viel stärkerer Risikofaktor als bei Männern –, Rauchen und Fettstoffwechselstörungen.

Darüber hinaus sind Frauen mit Komplikationen in der Schwangerschaft oder während der Geburt angesprochen – denn die haben ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt und müssen entsprechend behandelt werden.

Das gilt ebenso für Autoimmunerkrankungen und Rheuma sowie für Patientinnen mit hormonabhängigen (Tumor)-Erkrankungen.

Service

Zentrale Kontaktdaten
Herzzentrum Leipzig
Strümpellstraße 39, 04289 Leipzig

Telefon: 0341/865-0

Email: info.herzzentrum@helios-gesundheit.de

Weitere Informationen finden Sie unter www.herzzentrum-leipzig.de

Brustschmerzambulanz
24-Stunden-Hotline: 0341/865-252222

Kommende Veranstaltung
Herzseminar für Patienten, Angehörige und Interessierte
Samstag, 30. März 2019, 10 bis 15.30 Uhr Hörsaal (Zugang über Helios Park-Klinikum Leipzig)

Eine Anmeldung ist erforderlich: Telefonisch unter 0341/865-252624 (täglich 11 bis 12 Uhr und 14 bis 15 Uhr) oder online unter www.helios-gesundheit.de/leipzig-herzseminar

Erste Erfahrungen aus der Frauenherzsprechstunde bringen Prof. Eifert zu dem Schluss: „Frauen sollten mit Blick auf ihre eigene Gesundheit deutlich selbstbewusster auftreten. Obwohl sie oft die Gesundheitsmanagerinnen ihrer Familien sind, verdrängen sie ihre eigenen körperlichen Warnsignale. Sie sollten stärker auf ihr eigenes Herz hören.“

Zentral ist und bleibt dabei die Vorsorge. Deshalb empfiehlt die Leipziger Herzchirurgin, bestehende Risikofaktoren ernst zu nehmen und behandeln zu lassen, ausreichend Sport zu treiben und auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu achten – damit Frauenherzen möglichst lange schlagen. Und Männerherzen auch.

Für die Frauenherzsprechstunde ist eine Terminvereinbarung notwendig unter den Nummern 0341/865-1021, 0341/865-256112 oder 0341/865-256140.

Von PR/LMG

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