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Künstliches Kniegelenk: So gut sind Sachsens Kliniken

Teil 6 der LVZ-Serie Künstliches Kniegelenk: So gut sind Sachsens Kliniken

Die Knie sind die am stärksten beanspruchten Gelenke. Mit zunehmendem Alter – meist ab 60 Jahre – nutzt sich die Knorpelschicht immer stärker ab. Das Einsetzen eines künstliche Kniegelenks kann notwendig werden. Dabei bescheinigt die AOK elf von 47 Krankenhäusern Top-Qualität.

Das Knie ist das am stärksten beanspruchte Gelenk im Körper.

Quelle: Fotolia

Leipzig. ie Knie sind die am stärksten beanspruchten Gelenke. Mit zunehmendem Alter – meist ab 60 Jahre – nutzt sich die Knorpelschicht immer stärker ab. Da Arthrose nicht heilbar ist, können die schmerzhaften Beschwerden oft nur durch eine Operation verringert werden. Das verschlissene Gelenk wird dabei durch ein künstliches ersetzt – eine Endoprothese. Deutschlandweit wurden 2015 rund 154 000 künstliche Kniegelenke eingesetzt.

Der Qualitätsmonitor

Laut dem im November 2017 veröffentlichten Qualitätsmonitor von Gesundheitsstadt Berlin, dem Wissenschaftlichen Institut der AOK und der Initiative Qualitätsmedizin haben allerdings 18,5 Prozent der operierenden Kliniken die gesetzlich vorgeschriebene Mindestfallzahl von 50 Eingriffen pro Jahr nicht erreicht. Die Autoren des Monitors sehen hier einen „erheblichen Handlungsbedarf“ insbesondere der Länderaufsicht, da die Komplikationsraten bei niedrigen Fallzahlen steigen würden. Sachsen schneidet im Ländervergleich noch relativ gut ab. Während zum Beispiel in Brandenburg 40 Prozent der Kliniken 2015 zum Teil deutlich unter der Mindest-OP-Zahl blieben, waren es im Freistaat „nur“ 12,7 Prozent.

Die Paracelsus Kliniken in Adorf und Schöneck, die Helios Weißeritztal Kliniken Freital, das Kreiskrankenhaus Delitzsch, das St.-Elisabeth-Krankenhaus in Leipzig, die Collm-Klinik in Oschatz, das Helios Klinikum in Schkeuditz und das Orthopädische Zentrum Martin-Ulbrich-Haus in Rothenburg gehören beim Kniegelenksersatz zu den besten Kliniken in Sachsen.

Der Krankenhausnavigator

Im Freistaat werden jährlich etwa 9300 Kniegelenke implantiert. Mit 55 von 80 Kliniken führen sehr viele Krankenhäuser in Sachsen diesen Eingriff durch. Im AOK-Krankenhausnavigator werden aber nur 47 Häuser mit statistisch ausreichenden Fallzahlen bewertet. Elf davon bescheinigt die Krankenkasse eine überdurchschnittliche Qualität im Bundes­vergleich. 22 liefern durchschnittliche Ergebnisse, 14 schneiden unterdurchschnittlich ab. Hier sind laut AOK mehr Komplikationen als im Bundesschnitt zu erwarten. Berücksichtigt werden in der Tabelle Eingriffe zwischen 2013 und 2015 sowie eine einjährige Nachbehandlungszeit – ausschließlich von AOK Plus-Patienten.

Die Krankheit

Hauptsymptome der Kniegelenksarthrose sind Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.Der Schmerz tritt verstärkt beim Treppensteigen und beim Tragen von Lasten auf. Auch nach dem Sitzen oder dem Aufstehen am Morgen schmerzen die Knie. Ärzte nennen das Anlaufschmerz. Oft ist bei Bewegungen ein deutliches Knirschen im Gelenk zu hören. Zwei Formen der Krankheit werden unterschieden: die primäre und sekundäre Arthrose. Während der primäre Gelenkverschleiß ein schleichender Prozess ist und oft auch familiär gehäuft vorkommt, entsteht die sekundäre durch Fehl­stellungen, Verletzungen oder Überlastung.

Die Diagnostik

Der Arzt prüft zunächst Gang und Haltung, um mögliche Fehlstellungen, einen Beckenschiefstand, Muskelschwächen oder Schonhaltungen zu erkennen. Die Gelenke werden abgetastet, ob sie schmerzempfindlich oder geschwollen sind. Bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall, CT oder MRT helfen, die Diagnose zu sichern. Ist der Gelenkspalt deutlich verringert, ist das meist ein Zeichen von Arthrose.

Die Operation

Das OP-Team plant den Eingriff am Computer. Größe, Lage und Typ der Implantate werden dort individuell festgelegt. Das vordere Kreuzband und die Menisken werden entfernt – ebenso wie die Gelenkfläche am Schienbein. Eine neue künstliche Schienbein-Gelenkfläche wird mit Zement fixiert, danach der Oberschenkelteil präpariert. Dazwischen liegt ein Plastikkörper, der bei Verschleiß auch auswechselbar ist. In vielen Fällen ist das Gelenk aber noch nicht so kaputt, dass es komplett ersetzt werden muss. Dann genügen Teilprothesen, die individuell herstellbar sind.

Die Komplikationen

Wundinfektionen oder Infektionen des künstlichen Gelenks sind sehr gefürchtet. Um das Risiko zu verringern, wird auf besonders gute antiseptische Hautpflege geachtet. Alle Wunden, selbst kleine Kratzer und unscheinbare Hautdefekte, sollten vor der OP abgeheilt sein. Das gilt auch für Entzündungen im Gebiss oder im Bereich der Harnwege. Der Patient sollte auch auf Allergien hinweisen und frühere Infektionen mitteilen. Viele Krankenhäuser führen vor der OP ein Screening auf multiresistente Erreger durch. Dafür gibt es Hauttests. Eine andere Komplikation ist das Ausrenken und Lockern des Gelenkersatzes. Deshalb sollten bestimmte Drehbewegungen, starkes Beugen oder Überstrecken des Knies nach der OP vermieden werden.

Alternativen zum Kunstgelenk

Die Korrektur von X- oder O-Beinen, eine Gewichtsabnahme oder der Verzicht auf belastende Sportarten kann Linderung bringen. Der Gelenkersatz ist das letzte Mittel. Vorrang haben Physiotherapie und Schmerzbehandlung. Solange Gelenkknorpel da ist, fördert Bewegung ohne Belastung den Erhalt. Die Neuzüchtung von Gelenkknorpel aus eigenen Knorpel- oder Stammzellen ist erst in den Anfängen. Transplantationen sind nur in Einzelfällen gelungen, zum Beispiel nach Sportverletzungen und bei jungen Menschen.

Die Qualitätsindikatoren

Ein Gradmesser für die Bewertung ist die Anzahl ungeplanter Folgeoperationen innerhalb eines Jahres. Sie werden als Komplikation gewertet, wenn sich zum Beispiel das OP-Gebiet entzündet oder sich die eingesetzte Prothese gelockert hat. Zudem werden chirurgische Komplikationen berücksichtigt wie das Aufreißen der Operationswunde, versehentliche Stich- und Risswunden während des Eingriffs oder das Ausrenken, Verstauchen und Zerren des Kniegelenks. Bei geplanten Eingriffen wie diesem ist es höchst selten, dass Patienten sterben. Dennoch wird die Sterblichkeit innerhalb von 90 Tagen nach der OP berücksichtigt.

Kritik aus den Kliniken

Auch bei der Kniegelenks-OP haben Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen hohen Fallzahlen und einer besseren Behandlungsqualität nachgewiesen. Doch beim AOK-Krankenhausnavigator schneiden Häuser wie die Klinik Erlabrunn in Breitenbrunn mit überdurchschnittlich vielen Operationen nur unterdurchschnittlich ab. Dr. Randolf Pirtkien, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie in Erlabrunn, erklärt diesen Widerspruch mit einem höheren Komplikationsrisiko seiner Patienten, die wegen Nebenerkrankungen oder einem hohen Operationsaufwand anderswo nicht behandelt werden könnten. Dieses Risiko, sagt allerdings die AOK, sei bei dem Verfahren berücksichtigt worden.

Professor Harald Englisch, habilitierter Mathematiker und Chef des Vereins Gesundheit Mitteldeutschland in Leipzig, bestätigt das. Allerdings liefere das Bewertungsverfahren aus anderen Gründen verzerrte Ergebnisse. „Zum einen wird beim Indikator ,unerwünschtes Ereignis’ nicht gewichtet, ob es sich um ein schwerwiegendes Ereignis wie einen Sterbefall nach der OP oder um ein leichtes wie eine Transfusion handelt“, sagt er. „Zum anderen muss man bei niedrigen Fallzahlen wie hier mit Vertauensintervallen arbeiten – das heißt, Abweichungen nach oben und unten berücksichtigen.“ Das sei falsch erfolgt. Englisch: „Das benachteiligt Häuser mit großen Fallzahlen und mittlerer Qualität sowie auch Häuser mit geringen Fallzahlen und guter Qualität.“

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