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Oberschenkelhalsbruch: Wie gut sind Kliniken?

Medizinserie Teil 8 (Schluss) Oberschenkelhalsbruch: Wie gut sind Kliniken?

Besonders Frauen im höheren Alter sind bei Stürzen in Gefahr, sich den Oberschenkelhals zu brechen. Eine Verletzung, die fast immer operativ behandelt werden muss. 52 von 80 Kliniken in Sachsen führen den Eingriff durch. Doch nur sieben schneiden überdurchschnittlich gut ab.

Oberschenkelhalsbruch

Quelle: Fotolia

Leipzig. Der häufigste Grund für einen Oberschenkelhalsbruch sind Stürze, vor allem im hohen Alter. Deutschlandweit passieren jährlich über 135.000 solcher Brüche – vorwiegend bei Frauen mit Osteoporose, da bei ihnen die Knochendichte immer mehr abnimmt. Oberschenkelhalsbrüche werden fast ausschließlich operativ behandelt. 52 von 80 Kliniken in Sachsen führen den Eingriff durch. Doch nur sieben hat die AOK Plus eine überdurchschnittliche Qualität im bundesweiten Vergleich bescheinigt.

Die Mehrzahl – 28 Kliniken – entsprachen dem Bundesschnitt, 16 lagen darunter. Die Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Handchirurgie am Klinikum Chemnitz behandelt sachsenweit die meisten Oberschenkelhalsbrüche und gehört auch qualitativ zu den Top-Kliniken. Chefarzt Dr. Ludwig Schütz leitet gleichzeitig das überregionale Traumazentrum, dem fünf Kliniken in Sachsen angehören. „Beim Oberschenkelhalsbruch kommen mehrere negative Voraussetzungen zusammen: Es handelt sich um einen Notfall, die Betroffenen sind meist im hohen Alter und mehrfach krank“, sagt er. „Das kann nur ein gut organisiertes Team meistern.“ Traumazentren würden über spezielles Fachwissen verfügen. Bei alten Menschen favorisiert er eine Osteosynthese, also das Zusammenfügen der Knochen, weil der Eingriff kleiner und mit weniger Narkose möglich sei.

Die Krankheit

Der Oberschenkelhals ist der abgewinkelte Teil des Oberschenkelknochens, der am Gelenkkopf des Hüftgelenks endet. Je nach Verlauf des Bruchspalts werden drei Schweregrade unterschieden. Ein gerader Bruch birgt die wenigsten Komplikationen, weil dort kaum Scherkräfte auf das Gelenk wirken. Je schräger der Bruch verläuft, umso schwerer ist die Erkrankung. Hauptsymptom sind starke Schmerzen in der Leistengegend und Hüfte. Betroffene können ihr Bein nicht mehr aktiv bewegen.

Die Diagnostik

Die Krankheit lässt sich recht einfach anhand eines Röntgenbildes erkennen. In seltenen Fällen und bei ungünstiger Lage kann auch eine Magnetresonanz-Tomografie (MRT) oder eine Computer-Tomografie (CT) notwendig sein.

Die Operation

Beim Oberschenkelhalsbruch gibt es unterschiedliche Operationsmethoden, je nachdem, wo die Bruchlinie verläuft. Der Schenkelhals kann zum Beispiel durch lange Schrauben mit der Hüfte verbunden werden. Bei älteren Menschen ist der Ersatz des Hüftgelenkkopfes oder des kompletten Hüftgelenks oft besser, weil das Gelenk schneller wieder belastet werden kann. Die Patienten sind eher wieder mobil. Doch der Eingriff ist größer und benötigt eine längere Vollnarkose. Nutzen und Risiko gilt es abzuwägen. Eine künstliche Hüfte bekommen aber in erster Linie Menschen mit einer krankhaft veränderten Knochenstruktur, zum Beispiel mit Osteoporose oder Hüftgelenksarthrose. Die Operation sollte innerhalb von sechs bis 24 Stunden nach dem Bruch erfolgen – das verringert das Risiko einer Hüftkopfnekrose, bei der sich der Gelenkkopf zersetzt und abstirbt, weil er nicht mehr richtig versorgt wird.

Alternativen zur Operation

Eine konservative Behandlung kommt nur in Ausnahmefällen in Betracht, zum Beispiel, wenn der Bruch sehr gerade ist und der Patient muss etwa sechs Wochen strenge Bettruhe halten, das Bein wird gestützt und liegt in einer speziellen Schiene aus Schaumstoff, um zusammenwachsen zu können. Danach wird langsam wieder belastet. Die Heilung ist sehr langwierig und erfordert vom Patienten viel Disziplin und Mitarbeit.

Die Komplikationen

Bei der konservativen Behandlung steigt durch das lange Liegen vor allem bei Älteren die Gefahr von Thrombosen und Lungenentzündungen. Bei einer OP können Patienten am nächsten Tag bereits wieder aufstehen und sich bewegen. Doch es können Wundheilungsstörungen oder eine Beinlängendifferenz auftreten.

Die Qualitätsindikatoren

Ein Kriterium für die Bewertung ist auch hier die Anzahl der ungeplanten Folgeoperationen innerhalb eines Jahres. Berücksichtigt werden zudem chirurgische Komplikationen wie das Ausrenken, Verstauchen oder Zerren des Hüftgelenkes und seiner Bänder oder das Aufreißen einer Operationswunde. Solche Komplikationen sind nicht immer auf eine verminderte medizinische Qualität zurückzuführen, erklärt die AOK Plus. Deshalb werden Alter und Geschlecht sowie die bestehenden Nebenerkrankungen der Patienten bei der Bewertung berücksichtigt. Letztlich fließt auch die Sterblichkeit innerhalb von 90 Tagen nach der OP mit in die Bewertung ein.

Die alternativen Infomöglichkeiten

Der AOK-Krankenhausnavigator macht die Qualität der in dieser Serie vorgestellten acht Krankheiten öffentlich. Weitere sind vorgesehen. Wer sich darüber hinaus zu dem Thema informieren möchte, der kann das Internetportal der Initiative Qualitätsmedizin (www.initiative-qualitaetsmedizin.de) nutzen. Die deutschlandweit rund 450 Krankenhäuser, die hier Mitglied sind, publizieren ihre Qualitätsergebnisse jährlich nach eigenen Standards und gehen damit über die gesetzlichen Anforderungen hinaus. So lassen sich im Internet für jedes der Mitgliedskrankenhäuser die Sterblichkeitsraten im Vergleich zum deutschlandweiten Schnitt abrufen.

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