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Reha in Sachsen Reha bei Alterserkrankungen: Wieder mobiler im Alter
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13:15 11.01.2019
Für den Muskelaufbau ist es nie zu spät: Waltraud Tomaczak aus Leipzig bei der Bewegungstherapie in der Reha Zwenkau. Quelle: Ronald Bonss
Zwenkau

Waltraud Tomaczak hat Probleme mit dem Laufen. Die 84-Jährige ist zwar geistig noch fit. Aber Alltagsdinge fallen ihr zunehmend schwerer.

An eine Reha hatte sie nie gedacht. Erst als sie vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen wegen einer Pflegestufe begutachtet wurde, hörte sie von der Möglichkeit. Kinder und Enkel redeten ihr zu.

Und so bekam sie zwei Monate nach ihrem Antrag die Zusage, für drei Wochen ins Geriatriezentrum Zwenkau zu fahren. Es ist eine von vier Kliniken in Sachsen, die sich auf die Rehabilitation alter, kranker Menschen spezialisiert haben.

Im Geriatriezentrum Zwenkau, das seit 2017 zu den Sana Kliniken Leipziger Land gehört, hängen Kinderzeichnungen in den Gängen: ein Skateboard fahrender Opa, ein Senior als Batman und eine flotte ältere Dame unterwegs mit dem Rollator. So stellen sich Teenager aus Markleeberg Bewegung im Alter vor.

Die Patienten in Zwenkau sind im Durchschnitt 81 Jahre alt. „Bewegung ist bei ihnen genau unser Ansatz“, sagt der ärztliche Direktor Dr. Ralf Sultzer – wenn auch etwas anderer Art.

Der Experte: Dr. Ralf Sultzer, Geriatriezentrum in Zwenkau: Der 58-Jährige ist seit 16 Jahren Chefarzt und ärztlicher Direktor. Die Ausbildung zum Facharzt für Innere Medizin absolvierte er im Klinikum St. Georg Leipzig. Seit 1994 ist er in der Geriatrie tätig. Neue Therapieverfahren testet er selbst – auch mit Patienten. Quelle: Ronald Bonss

Die Diagnose

Knapp 50 Prozent der Patienten treten die geriatrische Reha nach einer chirurgischen Behandlung an, also nach Brüchen in Beinen, Armen und Hüftgelenken. Viele haben Endoprothesen und ein hohes Sturzrisiko.

„Hier dürfen wir keine Zeit verlieren. Die Muskeln müssen schnell wieder aufgebaut werden. Denn je länger man damit im Alter wartet, umso schwieriger wird es“, sagt Ralf Sultzer, der auch Chefarzt ist.

15 bis 20 Prozent der Patienten haben neurologische Erkrankungen, kommen beispielsweise nach einem Schlaganfall und haben Koordinationsschwierigkeiten. Andere werden nach internistischen Behandlungen zur Reha geschickt. Oft sind es mehrere Krankheiten wie die Operation eines Bruchs, Orientierungsstörungen und Diabetes.

„Ziel ist es, Menschen mit körperlichen und geistigen Gebrechen auf den Alltag vorzubereiten und möglichst eine dauerhafte Pflege zu verhindern“, sagt Sultzer. Treten schwere akute Erkrankungen auf, müssen sie zurück in die Klinik.

Die Patienten

Nach Zwenkau werden die meisten Patienten direkt nach einem Krankenhausaufenthalt geschickt. Klinikarzt und Sozialdienst stellen den Antrag.

„Bei uns sind es fast 80 Prozent, die bei der Anschlussreha eines der 86 Betten belegen“, sagt Dr. Sultzer.

15 Prozent würden nach einer Pflegebegutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung einen Antrag stellen, weitere fünf Prozent auf Empfehlung des Hausarztes.

Für sie könne die Wartezeit auch mal einige Wochen oder Monate dauern. „Da entscheiden Indikation, Dringlichkeit und Wünsche“, so der Chefarzt.

Wer in eines der sieben Einzelzimmer möchte, muss mehr Geduld haben.

Wird Sauerstoff benötigt, sollte neben dem Pflegebett ein mobiles Sauerstoffgerät verfügbar sein. 24 solcher Betten gibt es in Zwenkau. Sind die belegt, dauert es länger.

Die Kassen geben vor, dass die genehmigte Reha innerhalb von sechs Monaten anzutreten ist. Länger wartet auch in Zwenkau niemand.

„Zwei Drittel unserer Patienten sind Frauen. Das hat nichts damit zu tun, dass die Männer nicht wollen. Die Frauen leben meist länger“, sagt Sultzer.

Angesichts der immer älter werdenden Bevölkerung steige der Reha-Bedarf aber insgesamt an.

Die Therapien

Je nach Indikation wird für den dreiwöchigen Aufenthalt ein Therapieplan erstellt. Wichtig sind Bewegung und Sturzprophylaxe. „Viele Patienten sind nach Stürzen oder Schlaganfällen nicht mehr mobil. Wir wollen Muskeln aufbauen und ihnen Unsicherheiten nehmen“, sagt Sultzer.

Geübt wird Laufen auf dem Gang, über einen Parcours und auf einem speziellen Laufband, das den Möglichkeiten der älteren Patienten angepasst ist. Neben intensiver Krankengymnastik mit und ohne Geräten führen Physiotherapeuten Wärme- und Kältebehandlungen, Kneippsche Güsse, Atemtherapie, Massagen und Lymphdrainagen durch.

Eine zweite Säule ist die Ergotherapie. Dort geht es ums Training für das tägliche Leben.

„Viele Ältere müssen nach schweren Krankheiten erst wieder lernen, wie sie sich waschen, anziehen, essen und kochen können“, erklärt der Chefarzt.

Seit vergangenem Jahr helfen eine komplette Küchen- und Badeinrichtung sowie eine Wand mit Wasserhahn, Steckdose, Griffen und Schloss beim Üben alltäglicher Aufgaben.

Im Ergotherapie-Plan stehen zudem Gedächtnis- und Aufmerksamkeitstraining sowie Kreativangebote wie Arbeiten mit Ton, Singen und Musizieren.

Logopäden behandeln Sprach-, Stimm-, Kau- und Schluckstörungen oder Lähmungen der Gesichtsmuskulatur.

Bei der Ernährungsberatung bekommen die Patienten Hinweise, welche Lebensmittel sie bei Erkrankungen wie Gicht oder Rheuma lieber weglassen, wie sie Fehlernährung vermeiden oder sich bei Diabetes ernähren sollten. „Psychologen bieten Einzel- und Gruppengespräche und psychotherapeutische Maßnahmen an“, sagt Sultzer.

Einen wesentlichen Beitrag bei der Therapie übernehmen die Pflegekräfte. Denn das Erlernte setzen sie mit den Patienten um. „Zum Rehakonzept gehören Pflege- und Therapietage für Angehörige“, so der Chefarzt. Sie müssten wissen, wie sie Eltern oder Großeltern später helfen können.

Während der Reha kümmern sich Internisten, Geriater, Rehamediziner, Neurologen, Therapeuten, Sozialarbeiter, Psychologen, Diätassistenten und Pflegepersonal um die Patienten. „Eine solche fachübergreifende Zusammenarbeit im Team ist bei der Geriatrie etwas Besonderes“, so Sultzer.

Bei schwerkranken Patienten, die zu schwach für eine Behandlung in der Klinik oder zu sehr in ihrer Bewegung eingeschränkt sind, ist die mobile Reha eine Alternative. Die wird in Sachsen aber nur vom Klinikum Chemnitz angeboten.

„Die Patienten werden dabei an 20 Behandlungstagen für jeweils zwei Therapieeinheiten besucht, pro Woche drei Tage“, sagt Verwaltungsleiter Ludwig Heinze. „Das können Physio- und Ergotherapie, Logopädie und Psychologie sein.“

80 bis 100 Rehabilitanden würden in diesem Jahr im Umkreis von 25 Kilometern betreut, 1500 in der stationären Reha. Die Wartezeiten sind kurz: „Maximal zwei Wochen sind es bei einer Anschlussreha, egal ob mobil oder stationär“, so Heinze. Ist die Reha nicht akut, haben die Patienten Wünsche für eine bestimmte Zeit oder fehlen Unterlagen, kann es ein paar Wochen länger dauern.

Der Reha-Erfolg

94 Prozent der Patienten werden nach der Reha nach Hause entlassen. „Weil viele ihren Alltag aber noch nicht vollständig allein meistern können, müssen ihnen Angehörige oder Pflegedienste helfen“, sagt Ralf Sultzer. Mitarbeiter des Sozialdienstes informieren die Patienten über Dienste, Alltagsbegleiter, Nachbarschaftshelfer, Selbsthilfegruppen, Pflegekassen und Sozialämter.

Die Therapeuten geben den Patienten Hinweise zu Möglichkeiten der Nachbehandlung wie Rehasport, Übungspläne und Tipps für den Alltag.

Wenn sich Ärzte davon einen Erfolg erhoffen, kann die Reha um ein bis zwei Wochen verlängert werden. Bei der Entlassung bekommt jeder Patient sein Reha-Buch mit, in das er sich während der Therapien Notizen macht.

Problematischer wird es, wenn die Patienten von der geriatrischen Reha nicht nach Hause können und kein Heimplatz frei ist. Wichtig sei es deshalb, schon zu Beginn der Erkrankung oder eines Krankenhausaufenthaltes mit Ärzten und Pflegern über realistische Ziele zu sprechen – Woche für Woche – und notfalls weitere Pflege zu organisieren, so Sultzer. „Im Internet gibt es unter anderem beim Portal Pflegenetz.Sachsen.de Informationen.“

In Zwenkau soll die oft schwierige lückenlose Betreuung mit einem Altersmedizinischen Zentrum gesichert werden. Neben der Reha-Klinik sind dort die Klinik für innere Medizin, Akutgeriatrie, Tagesklinik und eine Institutsambulanz unter einem Dach.

„So etwas gibt es bisher in Sachsen noch nicht“, sagt Sultzer. Mit der Ambulanz sollen Hausärzte in der Betreuung geriatrischer Patienten unterstützt werden.

Patientin Waltraud Tomaczak kommt nach der Reha zu Hause in Leipzig wieder besser zurecht. Die „Rehaklinik bot mir viele Möglichkeiten, meine Beweglichkeit zu stabilisieren und die Muskeln zu kräftigen“, sagt die gelernte Damenschneiderin. Sie nutzte jede Gymnastikstunde, hob Bälle, zog an Seilen und trat auf dem Fahrradergometer in die Pedalen.

Mit ihrem Rollator spazierte sie oft im Park hinter der Klinik, meist mit ihrer Zimmernachbarin. Gespräche waren ihr genauso wichtig. „Und ich habe gelernt, vor dem Aufstehen aus dem Bett ein paar Übungen mit den Armen und Beinen zu machen, um den Kreislauf in Schwung zu bringen“, sagt sie.

Von Gabriele Fleischer

Übersicht

Diese Kliniken in Sachsen bieten eine geriatrische Reha an.

Hier können Sie ein PDF der Übersichtstabelle herunterladen.

So lesen Sie die Tabellen der Reha-Serie

Die LVZ hat in den vergangenen Wochen umfangreiche Recherchen unternommen. Wir haben alle Kliniken angeschrieben und gebeten, einen Fragebogen auszufüllen. Bis auf eine Ausnahme sind alle der Bitte gefolgt – dafür an dieser Stelle ein Dankeschön.

Die Antworten der Kliniken finden Sie übersichtlich in Tabellenform. Die Tabellen sind mal kürzer, mal länger – je nachdem, wie viele Kliniken für die entsprechende Erkrankung eine stationäre Rehabilitation anbieten. Diese Angaben finden Sie in den Tabellen:

Kostenträger: Hier sind alle Reha-Träger aufgeführt, die die Leistung für die entsprechende Erkrankung anbieten. Am häufigsten sind das die Deutsche Rentenversicherung (DRV) und die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Die Erklärung zu den Abkürzungen finden Sie in der Legende unterhalb der Tabelle.

Patienten: Die Zahl gibt an, wie viele Patienten im vergangenen Jahr die Klinik besucht haben. Ob diese Patienten alle mit dem gleichen Krankheitsbild – also zum Beispiel nach einer Krebserkrankung – zur Behandlung in dieser Klinik waren, geht daraus allerdings nicht hervor. Die Mehrheit der sächsischen Reha-Einrichtungen hat sich auf mehrere Indikationen spezialisiert, sodass auch diese Patienten in die Zahl einfließen können.

Besondere Leistungen: Hier konnten die Kliniken angeben, welche Therapien sie über das Standardprogramm hinaus anbieten, ob sich die Ausstattung von der in anderen Einrichtungen abhebt oder besondere Patientengruppen aufgenommen werden.

Begleitperson/Kosten: Für manche Patienten ist es wichtig, dass sie während der Rehabilitation ein Familienmitglied in der Nähe haben. Das ist so gut wie überall möglich. Die Preise bewegen sich in der Regel zwischen 40 und 60 Euro pro Tag inklusive Verpflegung.

Weitere medizinische Schwerpunkte: Hier erfahren Sie, welche Erkrankungen in der Einrichtung noch behandelt werden. Aus diesem Grund werden einige Kliniken im Verlaufe der Serie mehrmals in der Tabelle erscheinen.

Qualitätsprüfung: Reha-Einrichtungen sind zu einem Qualitätsmanagement verpflichtet. Dazu gehören sowohl interne als auch externe Kontrollen und Befragungen. Für die Kostenträger übernehmen die Deutsche Rentenversicherung und der Medizinische Dienst der Krankenkassen die Überprüfung. Im Wesentlichen geht es dabei um die gleichen Qualitätsmerkmale, allerdings unterscheiden sich die Methoden und die Darstellung der Ergebnisse.

Damit die Ergebnisse der Kliniken vergleichbar werden, finden Sie bei mehreren medizinischen Fachrichtungen (zum Beispiel Orthopädie) zwei Tabellen – eine mit den Kliniken, die von der Rentenversicherung geprüft wurden, und eine mit Kliniken, die die Krankenversicherung bewertet hat. Geprüft werden Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität.

Aus der Vielzahl der Parameter haben wir drei ausgewählt, die für Patienten besonders wichtig sind: die Qualität der Therapien und die Zufriedenheit der Patienten mit der Reha insgesamt sowie mit dem Behandlungserfolg. Eigene interne Befragungen haben wir dabei nicht berücksichtigt.

Bei den Kliniken, die von der Rentenversicherung geprüft wurden, erfolgt die Bewertung in Punkten (maximal 100) beziehungsweise Noten (1–6). Die Krankenversicherung errechnet aus den Ergebnissen Mittelwerte. Maximal möglich ist hier eine 10.

Die Kliniken sind aus Datenschutzgründen nicht verpflichtet, diese Ergebnisse zu veröffentlichen. Mit Ausnahme von elf Einrichtungen haben uns alle diese Angaben zur Verfügung gestellt. Wir haben mit k.A. kenntlich gemacht, welche Kliniken die Veröffentlichung abgelehnt haben. Eine Begründung erfolgte in der Regel nicht.

Bei einigen Kliniken lagen bei Redaktionsschluss noch keine beziehungsweise keine aktuellen Ergebnisse vor.

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