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Tag der Pflege „Weniger Krankenhaus, mehr Zeit zu Hause“
Mehr Gesundheit Tag der Pflege „Weniger Krankenhaus, mehr Zeit zu Hause“
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09:53 11.03.2018
Bei der Visite: Chefarzt Prof. Dr. Christoph Thümmler (li.), Stephanie Lamottke und Dr. Jörg Hofmann kümmern sich um die Patientin Elfriede Schröder. Das Helios Park-Klinikum ist auf ältere Patienten besonders gut eingestellt. Quelle: Dirk Knofe
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Wie verhalten sich ältere Menschen am besten bei einem Notfall?
Prof. Thümmler: Ältere Menschen warten sehr oft zu lange, bevor sie den Arzt konsultieren. Das hängt mit dem Selbstverständnis dieser Generation zusammen, sich so lange es geht, selbst zu helfen. Meine Hauptsorge als Arzt ist es, dass dieses Verhalten dazu führt, dass erst ein echter Notfall entsteht. Man sollte keine Scheu haben, zum Hausarzt oder Facharzt zu gehen oder den Notarzt zu rufen.

Woher weiß ich, wann ich unbedingt zum Arzt muss?
Insbesondere bei Schwindel, Sprachstörungen, Brustschmerzen, Sehstörungen und unstillbarem Erbrechen. Man sollte auch dann zum Arzt gehen, wenn die Symptome schnell wieder verschwinden.

Was können Sie als Mediziner tun, damit die Menschen das wissen?
Wir informieren mit Aktionen, damit die Leute die ersten Anzeichen für Schlaganfälle, Herzinfarkte und Krebs erkennen. Das gilt auch für das Umfeld, für Angehörige und Nachbarn. Wir haben noch ein großes Defizit beim Thema Mangelernährung. Das ist ein riesiges Problem in der Geriatrie. Zwischen 50 bis 70 Prozent der geriatrischen Patienten sind mangelernährt. Da gibt es noch sehr viel zu tun. Das ist für uns ein Schwerpunkt.

Was sind die häufigsten Notfälle bei Senioren?
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stürze mit Folgen wie Frakturen, Atemwegserkrankungen, Mangelernährung, Unterversorgung mit Flüssigkeit und Verwirrtheit.

Wie ist die Altersmedizin bei Ihnen im Klinikum auf ältere Patienten eingestellt?
Wir haben unsere Räumlichkeiten auf ältere Patienten angepasst. Wir vermeiden Stolperfallen und Hindernisse wie Treppenstufen und Höhenunterschiede auf dem Boden. Die Patienten können sich mit Rollator und Rollstuhl frei bewegen. Außerdem arbeiten wir nach dem Konzept der aktivierenden Pflege. Die Patienten sollen so viel wie möglich allein tun – in geschützter Umgebung. Dazu gehört auch, die Kommunikation zu stärken. Wir haben zum Beispiel einen Frühstücksraum, den die Patienten gemeinsam nutzen. Denn man darf auch nicht unterschätzen, dass Einsamkeit ein Problem ist, das krank machen kann.

Gibt es in der Klinik Bereiche, auf die Sie sich spezialisiert haben?
Wir sind dabei, ein Altersnotfallzentrum einzurichten. Die geriatrische Behandlung soll quasi direkt in der Notfallambulanz beginnen. Ein anderes Gebiet ist die Alterstraumatologie, also Stürze und Frakturen. Momentan sind wir im Zertifizierungsprozess, der bis Ende des Jahres abgeschlossen sein wird.

Wie gehen Sie auf Patienten in hohem Alter ein, die mehrere Krankheiten haben, in der Fachsprache „multimorbid“ genannt?
Es ist sehr häufig so, dass gerade ältere Patienten multimorbid sind. Wir müssen – und das ist auch der Unterschied zu den internistischen Fachgebieten – den Patienten ganzheitlich sehen. Es geht nicht nur um die physiologischen Komponenten und die richtigen Medikamente. Auch biologische, psychologische und soziale Ursachen spielen eine Rolle, wie Krankheiten ablaufen.

Wie lange bleiben die Patienten bei Ihnen?
Durchschnittlich 15 bis 16 Tage.

Was können Sie in dieser Zeit für sie tun?
Man muss das realistisch sehen. Wir können Patienten mit seit vielen Jahren bestehenden chronischen Erkrankungen nicht heilen. Das wissen die Patienten auch. Wir suchen nach den besten Lösungen,
um das Maximale herauszuholen. Unser Team aus Ärzten, Sozialarbeitern, Krankenpflegern, Krankengymnasten und Psychologen arbeitet mit den Patienten und ihren Angehörigen zusammen. Dass der Patient selbst entscheidet, was ihm wichtig ist, darauf legen wir großen Wert.

Sie haben lange im Ausland gearbeitet – was haben Sie mitgenommen für Ihr heutiges Arbeiten?
Ein Krankenhaus ist insbesondere für ältere Menschen kein optimaler Ort. Mit modernen Technologien wird es immer mehr möglich sein, dass die Patienten in ihrem häuslichen Umfeld zurechtkommen. Das ist in manchen anderen Ländern schon besser. Ich möchte gerne hier am Klinikum eine ambulante geriatrische Rehabilitation schaffen. Mein Ziel ist: weniger Krankenhaus, mehr Zeit zu Hause.

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