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Die Arbeitswelt der Internet-Nomaden

Digitale Nomaden Die Arbeitswelt der Internet-Nomaden

Immer in Bewegung, nie lange am gleichen Ort, das Leben im Handgepäck und die absolute Freiheit, auf der ganzen Welt sein Können dem Höchstbietenden zur Verfügung zu stellen. Digitale Nomaden sind ein echtes Kind der globalisierten Arbeitswelt.

Irgendwo an einem schönen Ort sitzen und von dort, statt im muffigen Büro seinen Job machen – so stellen sich Digitalnomaden ihre Arbeitswelt vor.

Quelle: fotolia.com © pressmaster

Es ist eine sehr interessante Zahl, die man da tief in den Statistik-Seiten von Leipzigs offizieller Homepage findet: Knapp 249.000 Menschen arbeiten in der Stadt – für fast 211.000 von ihnen ist Leipzig auch der Wohnort, nur ein geringer Teil kommt täglich von außerhalb hinein. Arbeiten und leben im gleichen Ort, das ist nach wie vor für viele verlockend. Dann gibt es aber auch noch eine andere Gruppe, die sich erst in den vergangenen 20 Jahren richtig herauskristallisierte. Die, für die die Vorstellung von der auf Jahre angelegten Reihenhaus-Wohnung ein Gräuel ist. Die, die sich frei treiben lassen möchten, heute in Deutschland sind, morgen in Stockholm und übermorgen vielleicht auf Bali oder im Silicon Valley. Digitale Nomaden nennen sie sich und ihre Lebensweise lässt sich am ehesten als Mix aus Digital-Native und Weltenbummler bezeichnen. Der folgende Artikel wirft einen genaueren Blick auf diese Gattung Arbeiter.

Auf der ganzen Welt zuhause

Seit den frühesten Tagen der Industrialisierung standen Arbeitsnomaden oder Wanderarbeiter immer weit unten auf der sozialen Leiter. Bei digitalen Nomaden sieht es indes gänzlich anders aus.

Wir Kinder der Digitalisierung

Was macht ein digitaler Nomade? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Er arbeitet mit dem Internet für das Internet. Ein Produktionsmitarbeiter kann schwerlich das Fließband von einem Strandcafé in Manila aus bedienen. Jemand, der aber beispielsweise große Unternehmen bei ihrem Social-Media-Auftritt berät, braucht nur einen Internetzugang  - ebenso wie ein Computergrafiker oder ein Softwarespezialist, der Programme schreibt.

Teamarbeit als digitaler Nomade

Teamarbeit ist kein Hindernis. Bis auf „handfeste“ Berufe gibt es nur wenige Jobs, die nicht wenigstens teilweise nomadisch ausführbar sind.

Quelle: fotolia.com © contrastwerkstatt

Bei diesen Berufen lässt sich bereits das Geheimnis des digitalen Nomadentums, zumindest in seiner aktuellen Form, erkennen: Die die allermeisten tätigkeiten, die sich so ausüben lassen, sind erst durch die Internetrevolution und die großmaßstäbliche Digitalisierung der gesamten Welt entstanden. Die Internet-Karte des Globus kennt kaum noch „weiße Flecken“. Und genau das machen sich die Digitalnomaden zunutze. Denn wo ein Projekt nicht mehr braucht als eine WLAN-Anbindung, die entsprechenden Programme auf dem Notebook und vielleicht eine Skype-Verbindung, erblüht eben die Freiheit. Allerdings zeigt sich auch, dass die Gruppe derer, die wirklich die Ur-Definition des Digitalnomadentums ausübt, also die zumindest theoretische Ortsunabhängigkeit praktiziert, sich hauptsächlich auf typische „Denkberufe“ erstreckt:

  • Blogger
  • Texter
  • Webdesigner
  • Softwareprogrammierer
  • Datenwissenschaftler
  • Headhunter
  • Marketing-Berater
  • PR-Profis

Daneben gehören aber auch durchaus noch einige klassische Berufe dazu, die es bereits vor der Digitalisierung gab, aber erst durch diese die Digitalnomaden-Weihen erhielten: Fotografen, Lektoren aber auch zum Beispiel Betreiber von Shops. Denn heute ist es eben auch möglich, den gesamten Versand auszulagern und sich nur – ortsunabhängig – um die kaufmännischen Bereiche seines Unternehmens zu kümmern.

Habe ich das Zeug zum Digitalnomaden?

Haben Sie das Zeug zum Digitalnomaden? Fragen ehrlich beantworten und im Anschluss die Auswertung betrachten.

Quelle: Grafik-Hintergrund fotolia.com © Suzanne Plumette

Freiheit – aber auch Risiko

Natürlich ist es möglich, dass man in einem festen Angestelltenverhältnis steckt und dieses eben teilweise oder gänzlich abseits vom Standort des Unternehmens bedient – die immer weiter steigenden Zahlen von Home-Officelern machen es schließlich vor: Noch sind es „nur“ 30% der Unternehmen in Deutschland, die so etwas anbieten. In zehn Jahren wird es aber mehr als die Hälfte der Betriebe sein, die sich teure Arbeitsplätze sparen und ihren Mitarbeitern zum Beispiel die Unannehmlichkeiten des Pendelns. Auch im Home-Office haben die Mitarbeiter nach wie vor alle Sicherheiten eines festen Beschäftigungsverhältnisses.

Für Digitalnomaden sieht es indes (meist jedenfalls) anders aus: Die meisten von ihnen sind selbstständig, entweder als Unternehmer oder Freelancer. Die Vorteile liegen dabei natürlich auf der Hand, denn die meisten Jobs werden auf Basis von festen Abgabeterminen vergeben. Das macht es möglich, seine Arbeitszeit absolut frei einzuteilen – eines der vielleicht größten Lockmittel für angehende Digitalnomaden, die sich mit dem klassischen 9 to 5-Konzept nicht anfreunden können oder wollen.

Blick über Sofia: Nomadenhauptstadt

Niedrige Lebenshaltungskosten plus gute digitale Infrastruktur ermöglichen ein entspanntes Nomadenleben. In Europa ist Bulgariens Hauptstadt Sofia daher „Nomaden-Hauptstadt“.

Quelle: fotolia.com © cristianbalate

Das bedeutet aber auch Risiken:

  • Passende Projekte muss man sich als Digitalnomade selbst suchen. Intensives Netzwerken ist also eine Grundvoraussetzung
  • Man kann es sich kaum leisten, Projekte abzulehnen, denn man weiß eben nicht, ob die Auftragslage in wenigen Monaten noch die gleiche ist. Das steigert das Risiko für Stress
  • Es wird eine ziemlich große Selbstdisziplin benötigt, denn es steht eben niemand kontrollierend hinter einem, die einzige Leitplanke ist der Abgabetermin
  • Sofern man viel reist oder regelrecht wohnsitzlos ist, muss man für sich passende Lösungen von der Krankenversicherungen bis zur Altersvorsorge und Arbeitslosigkeitsabsicherung finden

Diese Probleme potenzieren sich natürlich umso mehr, je mehr man tatsächlich auf der ganzen Welt zuhause ist. Wer einfach nur vom Heimbüro in Deutschland aus als Freelancer tätig ist, hat natürlich weniger Risiken als der „echte“ Kosmopolit.

Verschiedene Arbeitsmodelle

Das digitale Nomadentum inkludiert nicht nur verschiedene Berufe, sondern auch unterschiedliche Arbeitsmodelle. Diese sollen hier etwas mehr Raum bekommen.

Home Office als Testballon

Home-Office ist ein klasse Einsteiger-Testballon: Kann man hier diszipliniert arbeiten, klappt es auch anderswo auf der Welt abseits des Büros.

Quelle: fotolia.com © ave_mario

Home-Office ist für viele digitale Nomaden der Einstieg und gleichzeitig auch für alle Interessierten eine sehr gute Möglichkeit, in die ganze Thematik des Arbeitens von anderswo hineinzuschnuppern. Ein fester Beruf, den man eben von zu Hause aus ausübt. Die Grundlagen sind wie beim Digitalnomaden: Man arbeitet von seinem Computer über das Web und steht per Telefon, Skype und Co. mit dem Konzern in Kontakt, hat aber gleichzeitig alle sozialen Absicherungen.

Freelancing/Selbstständigkeit ist der nächste Schritt. Man hat also keinen festen Arbeitgeber mehr, sondern sucht sich seine Projekte selbst zusammen. Hier ist alles möglich: Man kann ebenso von zu Hause aus arbeiten, wie man es von ganz woanders tun kann.

Work and Travel ist wieder etwas ortsbezogener, denn man arbeitet zwar frei und reist um die Welt, bleibt aber für Projekte zumindest im „Dunstkreis“ des jeweiligen Kunden. Etwa weil es nötig ist, dass man für Präsentationen oder Vorträge zumindest einige Zeit vor Ort verbringt. Gleichzeitig ist dieses Modell eines der Reise-intensivsten, hier drei Monate in Australien, dann einige Wochen in Johannesburg. Das bedeutet aber auch, dass man sich immer wieder aufs Neue mit den jeweiligen Arbeits- und Aufenthaltsbestimmungen auseinandersetzen muss.

Vollnomaden sind praktisch der Gipfel des digitalen Nomadendaseins. Sie kennen keine wirklichen festen Zeiten an Orten mehr. Was sie für den jeweiligen Kunden erledigen, können sie von überall tun. Der gesamte Projektablauf wird ausschließlich über das Internet realisiert. Manche sind nicht einmal mehr in einem Land fest gemeldet – wobei dies für Einsteiger wenig empfehlenswert ist, denn es birgt auch Risiken und Hemmnisse. So ist beispielsweise in manchen Ländern für Vertragsabschlüsse eine Meldeadresse ebenso zwingend notwendig, wie für die Anmeldung von Fahrzeugen.

Vorstellung: Digitaler Nomade in Hängematte

Vollnomaden haben oft keinen festen Wohnsitz mehr. Das ist zwar die totale FUnbeschwertheit, ist aber nur für sehr Freiheitsliebende geeignet.

Quelle: fotolia.com © alexandre_zveiger

Die Ausrüstung immer dabei

Ohne die Digitalisierung gäbe es kein digitales Nomadentum, denn die meisten Jobs bestünden gar nicht. Aber auch auf der Ausrüstungsseite ist die Digitalisierung die Grundlage dafür, sich hochmobil durch die Welt zu bewegen und binnen weniger Minuten mit wenig mehr als einem Rucksack und einem Rollkoffer die Zelte abbrechen zu können.

  • Grundlage für die meisten Digitalnomaden ist heute das Notebook . Bei Profimodellen ist die Leistungsfähigkeit heute kein Thema mehr, denn was ortsfeste Rechner können, können die Klapp-Computer heute ebenfalls, vor allem in den höherpreisigen Segmenten. Zwar ist das Notebook nicht unbedingt Pflicht, aber gerade beim Schreiben ist der große Bildschirm, gepaart mit einer „echten“ Tastatur, durch nichts zu ersetzen. Interessant ist dabei vor allem, dass viele Kreative nach wie vor auf Apple setzen, auch wenn Microsoft sich dieses Segment gerne schnappen würde. Der Hintergrund ist einfach: Der Hersteller aus Cupertino bietet eben nicht nur Notebooks, sondern auch sämtliche anderen Gadgets. Das macht die Arbeit unterwegs schlicht und ergreifend einfacher, wenn Smartphone, Tablet und Notebook die gleiche Sprache sprechen.
  • Das Smartphone ist das zweite Standbein der Digitalnomaden. Denn es ist heute dank der zahlreichen Apps so leistungsfähig, dass es nicht nur die Kommunikation via Bild und Ton ermöglicht, sondern auch noch diverse andere Funktionen vom Diktiergerät über die Kamera bis hin zum Navigator auf sich vereint. Mittels mobilem Hotspot wird das Handy zudem auch zum WLAN-Generator für die anderen Geräte, falls mal wirklich Not am Mann ist und sich nirgendwo ein ortsfester Hotspot finden lässt. Und die Zukunft steht schon in den Startlöchern: Der koreanische Hersteller Samsung tüftelt bereits an einem Dock, dass das Smartphone mit Bildschirm, Tastatur und Maus verbindet und es somit zum vollwertigen Desktop-Computer macht.
Digitales Büro

So viel Tablets und Smartphones auch können, für anspruchsvolle (Schreib-)Arbeiten ist das Notebook nach wie vor die beste Wahl.

Quelle: fotolia.com © Björn Professional
  • Eine stabile Internetverbindung ist die Grundlage der nomadischen Arbeit. Für die Hardcore-Reisenden gehört deshalb ein mobiler WLAN-Router mit dazu. In diesen wird einfach eine örtliche Prepaid-Telefonkarte mit viel Datenvolumen gesteckt und man kann von überall, wo man Netz hat, mit seinen Geräten so komfortabel aufs Internet zugreifen, wie zuhause auf der Couch.
  • Mit Komfort ist es immer so eine Sache, denn in Koffer und Rucksack lassen sich schwerlich all die Annehmlichkeiten verstauen, die man als „Normalo“ zu Hause hat. Viele Digitalnomaden nutzen aber den Umstand, dass es Gadgets in Hülle und Fülle gibt. Vor allem solche, die Sommerhitze bekämpfen, sind nicht nur im Büro sondern auch unter Freelancern äußerst beliebt. In vielen Fällen handelt es sich dabei nicht mehr als um Miniaturisierungen großer Vorbilder, etwa der Minikühlschrank, die USB-Klimaanlage oder der LED-Ventilator. Auch hier schlägt die Digitalisierung wieder deutlich zu, denn die meisten Geräte haben gemeinsam, dass sie sich über den Micro-USB-Standard mit praktisch allem verbinden lassen, was sich im Nomadenkoffer befindet.
Kamerawahl: SLR

Sofern man nicht als Fotoblogger die Welt bereits, ist eine „echte“ Kamera überflüssig. Heutige Smartphone-Kameras können das meiste ebenso gut.

Quelle: fotolia.com © narathip12
  • Der Nomade lebt davon, flexibel zu sein. Ein Rucksack ist deshalb für die meisten die Stütze ihrer ganzen Arbeitswelt. Ob nun „echter“ Rucksack mit zwei Schultergurten, „Body-Bag“ ( übrigens ein Schein-Anglizismus) mit diagonalem Gurt oder die normalen Umhängetaschen – wo die Elektronik Platz findet, ist für die Dauerreisenden das einzige Kriterium, dass die Handgepäcksmaße der Airlines eingehalten werden.
  • Der letzte Punkt betrifft die Sicherheit. Denn wo man sich von Hostel zu Pension zu Hotel bewegt und nirgendwo richtig ankommt, wird es schwieriger, das Wenige, das man mitführt, wirklich adäquat zu sichern. Viele Digitalnomaden setzen deshalb auf mobile Safes – das können kleine Taschen aus schnittfestem Material sein, oder klassische Metallboxen mit Schloss. Hauptsache, zumindest der Pass und die wichtigsten Unterlagen sind sicher verwahrt.

Innovative Büroräume

Wenn der Arbeitsort für die Digitalnomaden schon dermaßen flexibel ist, so sollte es sich doch auch mit dem täglichen Arbeitsplatz an sich verhalten, oder? In der Tat sieht es so aus, dass auch hier mehrere Modelle zur Auswahl stehen, deren Annehmlichkeiten sich seit kurzem auch in die „normale“ Arbeitswelt weiterverbreiten.

Das vielleicht klassischste Klischee, das die meisten vom Digitalnomaden im Kopf haben, ist das des Kreativarbeiters, der irgendwo in der Ecke eines trendigen Cafés sitzt, dort ein Getränk schlürft und währenddessen auf der Notebook-Tastatur klappert.

Coworking: Büroräume

Coworking-Spaces bieten alle Büro-Annehmlichkeiten, jedoch nur so lange, wie man sie benötigt. Abends räumt jeder seinen Schreibtisch leer.

Quelle: fotolia.com © Monkey Business

Und in der Tat ist es so, dass solche Lokale weltweit ein Zentrum für die Digitalen sind – statistisch bewiesen. Das lag zu Anfang vor allem an dem Umstand, dass viele Cafés (etwa die der Starbucks-Kette) kostenloses WLAN anboten. Mit der Zeit wurden aus den Läden jedoch regelrechte Nomadentreffs. WLAN gibt es heute mittlerweile in den meisten Städten, es kristallisierten sich jedoch Orte heraus, die für die Szene besonders interessant sind, darunter Berlin, Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam oder auch Oaxaca in Mexiko.

Eine echte Erfindung der Nomaden sind indes sogenannte Coworking-Spaces. Im Prinzip könnte man diese Räumlichkeiten als Stundenhotels für Bürojobber bezeichnen, denn genau das sind sie. Coworking-Spaces bieten eine typische Büro-Infrastruktur mit Stühlen Tischen, Whiteboards, Druckern, Highspeed-Internet usw. Aber man mietet sie eben nur tages- oder wochenweise an.  Ihr Vorteil ist nicht nur der Arbeitsplatz als solcher, sondern die Tatsache, dass sich hier eine Menge Gleichgesinnter treffen – und Netzwerken, das wurde ja bereits behandelt, ist für digitale Nomaden ebenso wichtig wie Handy und Notebook. Mittlerweile gibt es so viele Coworking-Spaces, dass dafür eine eigene Internet-Weltkarte erstellt wurde. Übrigens hat sich das Prinzip auch schon weiterentwickelt: Sogenannte FabLabs sind der Coworking-Space für alle, die eine umfangreichere technische Infrastruktur benötigen. Hier finden sich etwa 3D-Drucker, CNC-Fräsen bis hinauf zu Supercomputern. Der Erfolg der FabLabs ist schon ein wichtiger Hinweis darauf, wohin das digitale Nomadentum noch führen wird, denn hier ist die Zielgruppe eben nicht nur der Kreative, sondern auch der hochtechnisierte Arbeiter.

Fablabs: Coworking für Tüftler

FabLabs sind die Coworking-Spaces für Techniker & Tüftler. Hier steht High-Tech für abertausende Euros zur freien Verfügung.

Quelle: fotolia.com © Moreno Soppelsa

Vor allem die digitalen Nomaden, die sich nicht gänzlich in die Welt des ewigen Reisens ergehen wollen, leben aber auch gut damit, sich ein entsprechendes Home-Office einzurichten. Das hat nicht nur rein geschmackliche Vorteile, wenn man auf niemanden außer sich selbst Rücksicht nehmen muss, sondern ermöglicht es eben auch, seinen Arbeitsraum völlig nach ergonomischen Anforderungen auszustatten. Und natürlich gibt es dann noch die Digitalnomaden, die es tatsächlich genießen, irgendwo an einer Strandbar zu sitzen, die Füße im Sand, ein Bier auf dem Tresen und so locker, wie überhaupt möglich, ihre Arbeit auf dem Notebook zu erstellen.  

Hotspots der Nomadenszene

Hotspots der Nomadenszene

Quelle: Grafik-Hintergrund fotolia.com © Suzanne Plumette

Kommunikation und mehr unterwegs

Wie verbindet man sich mit einem Auftragsgeber, der vielleicht tausende Kilometer entfernt sitzt, spricht sich nicht nur mit ihm ab, sondern hält Präsentationen, Meetings, übersendet Daten und verhält sich auch ansonsten so, als stünde man im gleichen Raum? Auch hier ist die Digitalisierung die Grundlage von allem, was das digitale Nomadentum möglich macht.

Videotelefonie im Konferenzraum

Videotelefonie war noch nie so einfach wie heute. Und sie ersetzt, richtig verwendet, vollkommen die physische Anwesenheit.

Quelle: fotolia.com © .shock

Dass Handy und E-Mail für einen Großteil der gesamten Kommunikation ausreichen, muss man nicht extra erwähnen. Vor allem aufgrund der Tatsache, dass sich über das Handy und einen E-Mail-Account eben auch spielend leicht Schriftstücke, Fotos und weitere Dateien in Echtzeit übertragen lassen – und viele Digitalnomaden benutzen auch gar keine anderen Kommunikationsmittel. Aber es kann eben nötig oder zumindest hilfreich sein, auf weitere Dienste zurückzugreifen:

  • Skype ist der Klassiker , denn im Gegensatz zu vielen anderen Chat-Programmen ist es plattformübergreifend. Es funktioniert auf dem Android-Handy ebenso wie auf dem Apple-Notebook oder dem Windows-PC. Und es ermöglicht sowohl schriftliches Chatten, als auch das Versenden von Daten und selbst Videotelefonie-Konferenzanrufe mit mehreren Teilnehmern – völlig kostenlos.
  • TeamViewer ist das Mittel der Wahl für all jene, die große Dateien übertragen wollen, aber auch Fernwartungen übernehmen oder einfach den Teilnehmern einer Videokonferenz den Bildschirm ihres Computers zeigen möchten – etwa um eine Präsentation zu erledigen.
  • Die Dropbox ist der weltweite Speicher für Daten . Man lädt sie von einem Endgerät hoch und kann selbst – zusammen mit Dritten, die einen entsprechenden Link haben, auf diese Daten zugreifen. Das ist vor allem für große Entfernungen gut, bei denen die Zeitverschiebung relevant wird. So kann man ein Projekt bearbeiten, Dateien in die Dropbox legen und der Auftraggeber lädt sie nach eigenem Ermessen herunter.
  • Ähnlich in der Funktion aber erweitert ist Google Docs . Die Grundfunktionen ähneln denen der Dropbox, jedoch mit der entscheidenden Erweiterung, dass darin befindliche Daten von allen Teilnehmern des Teams noch in der Cloud bearbeitet werden können, ohne sie vorher herunterzuladen. Das macht ein globales Echtzeit-Arbeiten in der Gruppe spielend einfach.
  • Dropscan nimmt sich der Tatsache an, dass auch digitale Nomaden nicht ohne Papierpost leben können. Das Unternehmen teilt jedem Kunden eine feste Postadresse zu, an die man analoge Unterlagen schicken lässt. Dort werden sie geöffnet, eingescannt und in PDF-Dateien umgewandelt, auf die man dann via Internet Zugriff hat.
  • Auch ein digitaler Nomade wird für seine Arbeit natürlich bezahlt. Das funktioniert dank der international  gültigen IBAN mittlerweile auch klassisch über die Bank . Wenn man keine Hausbank hat, lohnt sich Paypal. Denn darüber lassen sich eben nicht nur Einkäufe bezahlen, sondern auch Gelder transferieren – etwa auf eine Prepaid-Kreditkarte. Und damit wird aus dem elektronischen Geld wieder Bargeld.

Das sind die Basics, die sich praktisch immer lohnen – natürlich gibt es in der digitalen Welt auch noch eine Menge anderer Helferlein  - zum Beispiel fürs Zeitmanagement. Aber die meisten davon sind ziemlich anwenderspezifisch. Was man wirklich benötigt, kristallisiert sich sowieso erst mit der Zeit heraus. 

Zukunftsaussicht: Digitales Nomadentum  

Um die Zukunft der digitalen Nomaden zu erörtern, muss man einen kleinen Blick in die Vergangenheit wagen. Schon 2006 veröffentlichte der „Internet-Weise“ Sascha Lobo seinen Bestseller „Wir nennen es Arbeit“. Lobo zeigte in dem Buch bereits damals sehr viele Trends auf, die sich für die digitalen Nomaden bis heute bewahrheitet haben.

Gleichzeitig findet seit 2014 die DNX statt – eine Konferenz von und für Digitalnomaden, die sich nur mit diesem Leben und seinen Optionen beschäftigt – und im Mai 2017 weit über 10000 Teilnehmer anzog. Und just leben wir in einer Zeit, in der immer lauter der Abgesang auf klassische Arbeitsweisen zu hören ist. Dass die Digitalisierung in den kommenden Jahren rund um den Globus Millionen Arbeitsplätze vernichten wird – auch dort, wo man es nicht zwangsläufig vermutet und darunter etwa 241.000 in Sachsen – ist seit einiger Zeit bekannt.

telefonierende Frau im Homeoffice am Schreibtisch

Flexibilität und Sparzwänge werden künftig dafür sorgen, dass zumindest Heimarbeit, also die Digitalnomaden-Basis, noch viel stärker in den Fokus rückt.

Quelle: fotolia.com © gpointstudio

Zudem wollen und müssen Unternehmen in einem globalisierten Wettbewerb immer mehr sparen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Und an diesem Punkt kommt der digitale Nomade mit Wucht ins Spiel. Zwar sieht es so aus, dass wir mit ziemlicher Sicherheit nicht in zehn, zwanzig Jahren unser tägliches Brot an karibischen Stränden verdienen werden. Aber die Zahl derer, die keinen Büroarbeitsplatz mehr haben und zumindest von zu Hause aus arbeiten wird, wird dramatisch zunehmen, denn Inhouse-Arbeitsplätze kosten viel Geld.

Gleichsam wird die Digitalisierung aber auch immer mehr Menschen zwingen, sich alternative Wege der Arbeit zu suchen, die sich jetzt noch nicht absehen lassen. Sei es, weil durch sie neue Jobs entstehen oder alte vernichtet werden. Und auch hier existieren viele Optionen für digitales Nomadentum – ebenfalls zwar nicht als Dauer-Weltreisender, aber zumindest als freier Mitarbeiter, der nach Leistung bezahlt wird. Vielleicht befinden wir uns derzeit in den letzten Jahren, in denen die überwiegende Mehrheit der Digitalnomaden diesen Lebensstil aus freien Stücken auf der Suche nach ultimativer Freiheit wählt. Wer das nicht glaubt, sollte sich zurückerinnern: Hätte man sich im Jahr 2000 vorstellen können, dass es Menschen geben wird, die gut davon leben können, Blogs zu schreiben, YouTube-Videos zu drehen oder Social-Media-Seiten zu pflegen? Heute sind das normale Jobs und ganz ähnlich wird es wohl auch mit dem digitalen Nomadentum in Zukunft aussehen.

Zusammenfassung und Fazit

Digitale Nomaden haben sich vom klassischen Anwesenheits-Arbeitsmodell verabschiedet. Sie arbeiten mit dem Internet für das Internet. Noch haben die allermeisten Berufe in diesem Umfeld tatsächlich mit Arbeiten zu tun, die erst durch die Digitalisierung notwendig wurden. Doch mit dem Fortschreiten der Technik erobert diese neue Welt auch die Bereiche, in denen früher Anwesenheit ein absolutes Muss war. In zehn Jahren sitzen die Buchhalter normaler Unternehmen vielleicht im Garten – und arbeiten von dort via Videokonferenz und Datenprogrammen genau so locker zusammen, als säßen sie in einem Raum. 

Doch arbeiten die Menschen damit nicht länger und die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmt weiter? Wird  das Heilversprechen der digitalen Nomaden gehalten oder überwiegt der Stress im Alltag? Einige Aspekte über die " dunkle Seiten der Freiheit" liefern die weiterführenden Informationen.

Redaktion

Welche Erfahrungen haben Sie erlebt und stellen Sie sich das Leben als digitaler Nomade eher positiv oder negativ vor?

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