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Verkehrsrecht Ich habe in der Probezeit einen Bußgeldbescheid erhalten. Was nun?
Mehr Recht Verkehrsrecht Ich habe in der Probezeit einen Bußgeldbescheid erhalten. Was nun?
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15:40 11.10.2017
Geblitzt! Was nun? Geschwindigkeitsübertretungen werden streng geahndet. Quelle: dpa
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Detlef Grube, Fachanwalt für Verkehrsrecht aus der WKR Germany LLP, und Christoph Lattreuter, Justiziar des Internetportals geblitzt.de, erklären die Rechtslage:

Der Gesetzgeber unterteilt Regelverletzungen während der Führerschein-Probezeit in die schwerwiegenden A- und die leichteren B-Verstöße. 

Was sind A- und B-Verstöße?

„In der Regel zählt was im Fahreignungsregister mit Punkten bewertet wird, zu den schwerwiegenden A-Verstößen. Beispielsweise die Geschwindigkeitsüberschreitung ab 21 km/h, die überfahrene rote Ampel und die Fahrt unter Alkoholeinfluss. Leichter bewertete B-Verstöße sind unter anderem, die über das Limit abgefahrenen Reifen oder der mehr als acht Monate überzogene Termin zur Hauptuntersuchung.“, erläutert der Verkehrsrechtsspezialist.

Ich wurde in der Probezeit geblitzt, was habe ich zu befürchten?

„Beim ersten A-Verstoß oder den ersten beiden B-Verstößen wird neben der Verhängung des Bußgeldes, eines eventuellen Fahrverbotes oder der Eintragung von Punkten, ein kostenpflichtiges Aufbauseminar angeordnet. Auch die Verlängerung der Probezeit auf vier Jahre ist dann obligatorisch. Folgt innerhalb dieser Zeit ein weiterer A- oder zwei weitere B-Verstöße, kommt es zur Verwarnung und zur Empfehlung für eine verkehrspsychologische Beratung. Beim dritten A-Verstoß schließlich, beziehungsweise bei zwei neuerlichen B-Verstößen, wird die Fahrerlaubnis für mindestens sechs Monate entzogen“ warnt der WKR-Anwalt.

Faustformel

Zwei B-Verstöße entsprechen einem A-Verstoß.

Ich habe ein Bußgeldbescheid erhalten, was nun?

„Gerade Besitzer des Führerscheins auf Probe, sollten sich auf Grund der drohenden Konsequenzen, bei Verhängung eines Bußgeldbescheids, anwaltlich beraten lassen.“, empfiehlt Christoph Lattreuter. Der Justiziar des Internetportals Geblitzt.de weiß, dass sich Bußgeldbescheide oft als nicht haltbar erweisen. „Blitzer-Anlagen können unsachgemäß aufgebaut, Toleranzvorgaben bei den Messergebnissen nicht beachtet worden sein oder aber es fehlen Eichprotokolle.“, nennt der Jurist nur einige Gründe, die dazu führen können, dass Verfahren eingestellt werden müssen und vorgesehene Strafen dadurch hinfällig werden.

Dennoch rät Lattreuter Fahranfängern zu ganz besonderer Achtsamkeit im Straßenverkehr. „Das dient nicht nur der Vermeidung rechtlicher Konsequenzen, sondern auch der Erhöhung der Sicherheit.“

Beispiele A-Verstöße

  1. Missachtung des Rechtsfahrgebotes
  2. Geschwindigkeitsüberschreitungen: ab 21km/h
  3. Abstandsvergehen: weniger als 5/10 des halben Tachowertes
  4. Verstöße beim Überholen: Überholen im Überholverbot
  5. Missachtung der Vorfahrt: z.B.: Rechts-vor-Links-Regelung nicht beachtet mit Verkehrsgefährdung
  6. Abbiegevergehen: keine Rücksicht auf Fußgänger genommen, während des Abbiegens
  7. Verstöße auf der Autobahn: z.B.: Fahren auf dem Seitenstreifen  
  8. Alkohol am Steuer: Null-Promille-Grenze!
  9. Vergehen am Bahnübergang: Überqueren trotz geschlossener Schranke
  10. Verstöße an Fußgängerüberwegen: zu schnell an Zebrastreifen herangefahren bei Fußgängernutzung
  11. Fahren ohne Begleitperson beim Führerschein ab 17

Beispiele B-Verstöße

  1. Hauptuntersuchungmehr als acht Monate überzogen
  2.  Nicht vorschriftsmäßige Mitnahme von Kindern im Auto
  3. Missachtung der Vorschriften zur Ladungssicherung
  4. Abgefahrene Reifen
  5. Parken auf der Autobahn
  6. Handy am Steuer
  7. Behinderung von Feuerwehr, Notarzt oder Polizei
  8. Falsche oder nicht vorhandene Absicherung eines liegengebliebenen Fahrzeugs   

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