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Ratgeber Spendable Eltern im Milliardenmarkt
Mehr Schlingel & Familie Ratgeber Spendable Eltern im Milliardenmarkt
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14:10 11.09.2018
Djibril sitzt in der Babywiege "Aristot" (Enfant Terrible Design), die auf der weltgrößten Messe für Baby- und Kinderausstattung "Kind+Jugend" ausgestellt wird. Quelle: Oliver Berg
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Köln

Nur das Beste für den Nachwuchs: Diese Einstellung vieler Eltern sorgt für große Ausgaben zugunsten der Kleinsten und für einen wachsenden Milliardenmarkt.

Experten beobachten zudem einen zunehmenden Hang zum Noblen und Teuren. Das lässt die Kassen noch zusätzlich klingeln. Eltern kaufen Hochpreisiges und Markennamen, "weil das für sie Sicherheit, Orientierung und Kompass bedeuten kann", sagt Marktforscherin Birgit Langebartels vom Kölner Rheingold-Institut.

Zunächst die Zahlen: Allein für die Ausstattung von Babys und Kleinkindern haben Eltern 2017 gut 2,5 Milliarden Euro ausgegeben - für Autositze, Kinderwagen oder Spielzeug in den ersten drei Lebensjahren. Das waren zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Und es bedeutet Ausgaben von 1100 Euro pro Junge und Mädchen bis drei Jahre, rechnet der Handelsverband Spielwaren BVS vor.

Immer öfter verdienten beide Eltern. "Dann ist mehr Geld für Kinder- und Babyausstattung da", erläutert BVS-Vize Steffen Kahnt vor der weltgrößten Messe für Kinderausstattung "Kind+Jugend" (20. bis 23. September).

Sogar 7,3 Milliarden Euro umfasst der Markt, wenn man alle Ausgaben für Jungen und Mädchen bis 14 Jahre einrechnet, erklärt Michael Neumann vom Bundesverband der Kinderausstattungs-Hersteller (BDKH). "Es wird teuer gekauft." Aus Gründen der Sicherheit, sagt der Vorstand des BDKH.

Aber es steckt noch mehr dahinter. Warum also greifen viele Eltern für ihren Nachwuchs so tief in den Geldbeutel? "Kinder sind mehr denn je Ausdrucksform und Projekt der Eltern geworden", glaubt Langebartels. In einer Gesellschaft der "unfassbaren Möglichkeiten" fühlten sich viele Eltern auch unter Druck und verunsichert. Zwar können nicht alle sich das leisten, viele Kinder leben in einkommensarmen Familien. Aber die Schwäche für Teures und Markenware sei nicht nur auf die besonders kaufkräftige Oberschicht beschränkt, stellt die Expertin klar: "Mittelschicht-Kinder haben heute eine paradiesische materielle Grundausstattung." Eltern wollten maximale Förderung und optimale Chancen für ihre Kinder. "Sie sind bereit, viel Geld auszugeben. Eltern zeigen damit ihre Fürsorge, auch nach außen."

Welchen Anteil die besonders teuren Produkte am Gesamtmarkt haben, ist Langebartels zufolge statistisch nicht erhoben. Aber es zahle sich für Industrie und Handel aus. Die Tendenz sei stark und seit einigen Jahren zu beobachten. In der extrem breitgefächerten Branche - vom Schnuller bis zum Prinzessinnen-Bettchen - ließen sich solche Erhebungen nicht machen, meint Kahnt vom BVS.

Fest steht: Das Flaggschiff ist die Kinderkutsche. "Kinderwagen sind auch elterliche Ausdrucksformen. Die Suche dauert oft unfassbar lange", weiß Langebartels. "Der Kinderwagen ist das Bild nach außen."

Luxus- und Markenangebote ziehen auch, weil "man in der eigenen Peer Group nicht als "Underperformer" erkennbar werden will", ergänzt Kai-Uwe Hellmann, Marktforscher aus Berlin. Dazu passen ein 6000-Euro-Kinderwagen oder eine ganz in Samt ausgekleidete Luxus-Babywiege für 1135 Euro - beide werden nun bei der "Kind+Jugend" präsentiert. Die Messe wächst jedes Jahr, rund 1250 Anbieter aus 53 Ländern kommen diesmal ab 20. September.

Und was sagen die Eltern? "Der Kinderwagen ist für viele ganz klar ein Statussymbol", meint Philipp Schulz, junger Vater von Zwillingen. "Man muss schon einen sauteuren Kinderwagen haben, wenn man durch Berlin schieben will oder sonst durch eine Großstadt." Die Devise bei den Klamotten lautet: "Biobaumwolle, wenn es direkt an der Haut ist."

Beim Spielzeug soll es hochwertig zugehen. Und wie sind all die teuren Sachen finanzierbar? Tipp: "Zum Kindergeburtstag bei Onkel, Tante und Großeltern Wunschlisten abgeben."

dpa

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