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10:17 28.11.2018
2017 waren in Deutschland 2,1 Millionen Menschen zwischen 60 und 64 beschäftigt. 2000 gab es 1,5 Millionen Beschäftigte in dieser Altersgruppe. Quelle: Peter Steffen
Berlin

Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten auch mit über 60 Jahren noch. So ist heute deutlich mehr als jeder zweite der 60- bis 64-Jährigen erwerbstätig, wie aus dem Dritten Bericht der Bundesregierung zur Anhebung der Regelaltersgrenze auf 67 Jahre hervorgeht.

Im Jahr 2000 waren es nur rund 20 Prozent - im vergangenen Jahr 58 Prozent. Bei den Männern hat sich die Erwerbstätigenquote in dieser Altersgruppe seit 2000 auf über 63 Prozent mehr als verdoppelt. Bei den Frauen liegt die Quote mit über 53 Prozent mehr als vier Mal so hoch wie im Jahr 2000. Dass diese Quote so hoch ist, liegt auch daran, dass es viele Selbstständige gibt, die in höherem Lebensalter noch arbeiten.

Aber auch die Quote der Beschäftigten ohne Selbstständige, die mit 60 bis 64 noch arbeiten, ist in den vergangenen zehn Jahren laut dem Bericht deutlich gestiegen, nämlich von 20,5 auf 40 Prozent. Eine andere Kernzahl des Berichts zeigt, dass bei den Beschäftigten zwischen 60 und 64 auch die absolute Zahl gestiegen ist, zwischen 2000 und 2017 nämlich um 1,5 Millionen auf 2,1 Millionen.

Die Älteren verdienen dabei deutlich mehr als die Jüngeren. So erzielten die 55- bis unter 65-Jährigen 2017 im Mittel 3438 Euro im Monat brutto, während es bei den 25- bis unter 55-Jährigen nur 3256 Euro waren. Wie eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit für die Älteren weiter zeigt, sind es allerdings im Westen deutlich mehr als im Osten - 3616 Euro (West) und 2743 Euro (Ost).

Zuletzt sind auch die Renten spürbar gestiegen, wie der der dpa ebenfalls vorliegende Rentenversicherungsbericht zeigt. Der durchschnittliche Zahlbetrag von Altersrenten sowie

Renten wegen verminderter Erwerbsminderung stieg von rund 813 Euro im Jahr 2015 über 848 Euro auf 866 Euro 2017. Das die Beträge relativ gering sind, liegt vor allem daran, dass hier auch kleine Renten von Menschen mit wenigen Beitragsjahren enthalten sind, etwa von Ehepartnern, die selbst kaum eigene Anwartschaften erwarben.

"Die soziale und wirtschaftliche Situation der älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hat sich weiter verbessert", schreibt das Bundesarbeitsministerium in seinem Bericht. "Ältere sind heute gesünder und besser ausgebildet als frühe."

Derzeit liegt die Regelaltersgrenze bei 65 Jahren und sieben Monaten. Sie wird schrittweise angehoben. Erst für 1964 Geborene gilt die Rente mit 67, die sie 2031 erreichen. Derzeit wird in der Rentenkommission der Bundesregierung auch darüber diskutiert, ob die steigende Lebenserwartung nicht auch zu längerem Arbeiten führen soll. Denn mit den immer zahlreicheren Babyboomern im Rentenalter wächst der Druck auf die Rentenkasse.

Die Arbeitgeber pochen darauf, dass noch mehr ältere Beschäftigte arbeiten und fordern hierfür Anreizprogramme. "Aufgrund der Demografie, der weiter steigenden Lebenserwartung und des Fachkräftemangels gehört die konsequente Umsetzung der Rente mit 67 auf die Tagesordnung", sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands BDA, Steffen Kampeter, der dpa. Die Zahlen könnten sogar noch besser sein, hätte die Politik mit der Rente mit 63 nicht ein "fatales Eigentor" geschossen, das den Betrieben benötigte Fachkräfte entziehe, kritisierte er.

Die Gewerkschaften sehen das völlig anders. Hans-Jürgen Urban, Vorstandsmitglied der IG Metall, sagte der dpa: "Die Rente mit 67 geht an der Wirklichkeit der meisten Menschen vorbei, daran ändert auch eine höhere Erwerbsbeteiligung Älterer nichts." Ältere blieben deutlich länger arbeitslos als der Durchschnitt der Erwerbslosen. "Wer im Alter seinen Job verliert, hat kaum noch die Chance, eine reguläre Beschäftigung zu bekommen."

Urban wandte sich gegen Vorschläge, die Regelaltersgrenze auf über 67 Jahre zu erhöhen. "Die Mehrheit der Bundesbürger rechnet nicht einmal damit, überhaupt bis 67 im Job durchzuhalten." Urban führte hierfür eine repräsentative Umfrage von Kantar Public im Auftrag der IG Metall an. Demnach halten es 61 Prozent der Befragten auf keinen Fall oder eher nicht für realistisch, ihre derzeitige Tätigkeit bis 67 auszuüben. Bei den Arbeitern sind dies sogar fast drei Viertel (72 Prozent).

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sagte der dpa, viele Ältere hingen in Minijobs fest. Auch seien in der Altersgruppe der 55- bis 65-Jährigen fast die Hälfte der Erwerbslosen langzeitarbeitslos. Mit höheren Altersgrenzen lasse sich zwar in der Rente viel Geld sparen, Beschäftigte hätten aber höhere Abschläge.

dpa

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