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Berufsbilder Alltag eines Winzer-Azubis im Landesweingut Kloster-Pforta
Mehr Studium & Beruf Berufsbilder Alltag eines Winzer-Azubis im Landesweingut Kloster-Pforta
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13:14 12.07.2018
Winzermeisterin Anja Weißwange zeigt „Azubi“ Stefan Michaelis, worauf es beim Rebschnitt ankommt. Quelle: Torsten Biel
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Und dann ist der Job noch lange nicht erledigt. LVZ-Mitarbeiter Stefan Michaelis hat sich Weinberge und Keller im Landesweingut Kloster Pforta GmbH in Bad Kösen als Azubi angeschaut. Die Sonne scheint an diesem frühen Dezembertag und taucht die Hänge am Weingut Kloster Pforta in Sachsen-Anhalt in ein warmes Licht. Winzermeisterin und Ausbildungsleiterin Anja Weißwange setzt die scharfe Rebschere eng am Hauptast an. Ich mache es ihr nach und frage: „Wirklich hier? Dann ist doch der ganze Ast weg.“ Das soll er auch, sagt meine Ausbilderin und zeigt mit einer Geste, wie breit ein Rebstock auf dem Gut wachsen darf. Kürzer ist gefragt, das sorgt für weniger Trauben und mehr Qualität.

Beim Rebschnitt – bis zum Frühjahr meine Hauptbeschäftigung als Winzer-Azubi – muss ich lernen, perfekte, angefaulte und unfruchtbare Geiztriebe zu unterscheiden. Garten-Vorwissen ist kein Muss, jedoch eine Neigung von Vorteil: „Man sollte gern draußen arbeiten“, sagt Anja Weißwange. Wenn es kalt ist, regnet und ein scharfer Wind weht, muss man wetterfest sein. „Aber im Winter, an einem klaren Tag im Schnee, oder im Sommer früh um 5 oder 6 Uhr, wenn die Sonne aufgeht – das ist einfach herrlich“, schwärmt die Winzermeisterin.

Azubi Christoph Bittkau (li.) begutachtet mit Stefan Michaelis einen Blauen Zweigelt.

Eine halbe Stunde später stehe ich mit Azubi Christoph Bittkau im Keller des Weinguts, umgeben von mächtigen Holzfässern. Er lässt ein paar Tropfen Blauen Zweigelt in ein Glas laufen und prüft den Rotwein mit Kennerblick. Bis hierhin hat der Winzer-Azubi geholfen, die Trauben zu lesen, zu pressen, um daraus den Fruchtsaft, den Most, zu gewinnen, und in Vorruhetanks zu lagern. All diese Schritte – vom Mosten über die Zugabe von Hefe für jede Rebsorte, das Filtern und viele Schritte mehr bis zum Befüllen des Fasses – macht der Azubi Schritt für Schritt mit, begleitet vom Kellermeister, dem Chef des Weinkellers, und der Ausbilderin.

„Ein Winzer-Azubi lernt jede Folgearbeit kennen, so versteht er, wie ein Weingut im Ganzen arbeitet“, klärt mich Anja Weißwange auf. „Unsere Azubis machen sogar ihren eigenen Wein. Sie bekommen
dafür einen Weinberg, den sie selbstständig bewirtschaften.“ Die Etikettengestaltung, das Marketing, das Präsentieren, die Online-Kommunikation – das gehört alles zur Ausbildung und wird mit dem eigenen Wein geübt. Der letzte Azubi-Wein war sogar ein Renner, sagt Anja Weißwange: „Die 800 Flaschen waren in knapp vier Monaten ausverkauft.“

Fakten

Ausbildungsdauer: drei Jahre

Vergütung Bundesdurchschnitt*:
1. Jahr: 520 bis 630 Euro
2. Jahr: 570 bis 690 Euro
3. Jahr: 615 bis 800 Euro

Deine Lieblingsfächer: Mathe, Naturwissensch, Deutsch

Deine Perspektiven: Winzermeister, Techniker, Studium Weinökologe, Studium internationale Weinwirtschaft*

Quelle: berufenet.arbeitsagentur.de

Womit die dritte große Azubi-Station ins Spiel kommt: Das Lager mit dem Versand. Jetzt im Winter lernt Winzer-Azubi Kimberley Langlotz, wie der Wein zum Kunden kommt. Da helfe ich doch gleich mal mit, eine Palette zu stapeln. Täglich kommt ein Lieferwagen, um Flaschen zu Partner-Verbrauchermärkten und zur Poststelle zu fahren. Außerdem erhält die eigene Vinothek Schulpforte in Naumburg Ausdruck moderner Zeiten ist, dass sogar einzelne Flaschen online bestellt werden können.

Zusammen mit Winzerin Angela Salomon, Lagerleiter Ulrich Karwath und Winzer-Azubi Kimberly Langlotz (von links) werden Weinflaschen verpackt.

Lagerverwalter Ulrich Karwath zeigt mir, wie sorgfältig der Bestellschein aus dem Büro mit den Checklisten an den Kartonstapeln abgeglichen werden muss. Bei der Winzerin Angela Salomon lerne ich, Flaschen liegend oder stehend zu verpacken und Kartons versandfertig zu machen. Ich erinnere mich an Anja Weißwanges Worte: Als Winzer-Azubi lerne ich jeden Arbeitsprozess auf dem Weingut kennen. In der Saale-Unstrut-Region läuft laut der Winzermeisterin gerade ein Umbruch auf den Gütern: „Junge Leute bringen neue Iden mit.“ Ein junger Winzer habe nach seiner Ausbildung verschiedene Möglichkeiten, sein Wissen anzuwenden, vom Großbetrieb bis hin zur Spezialisierung als zum Beispiel Kellermeister. Wer sich in der Region ausbilden lässt, hat auch gute Chancen, einen Arbeitsplatz in der Region zu bekommen. Allein durch den Generationenwechsel „ist die Zukunft des Weinanbaus bei uns gesichert“, sagt Anja Weißwange.

Stefan Michaelis

Mehr zum Ausbildungsprojekt azubify

Über viele weitere Berufsbilder informiert das LVZ-Ausbildungsprojekt azubify – sowohl im gedruckten Magazin als auch online.

 

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