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Berufsbilder Der Ausbildung von Hotelfachleuten auf der Spur
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13:07 12.07.2018
Welcome in Leipzig: Auszubildende Adrianna Balcazar an der Rezeption des Steigenberger Grandhotel Handelshof. Quelle: Christian Modla
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Die 22-Jährige stammt ursprünglich aus Venezuela, lebt seit einigen Jahren in Deutschland. Aktuell macht sie in Leipzig eine Ausbildung zur Hotelfachfrau im Steigenberger Grandhotel Handelshof – dem Haus am Platz. „Ich wollte einen Beruf erlernen, mit dem ich überall arbeiten kann, in dem mir meine Sprachkenntnisse zugutekommen und in dem ich Menschen helfen kann“, sagt Adrianna Balcazar. Ein Austausch verschlug die junge Frau vor vier Jahren ins nordrheinwestfälische Mettingen. Deutschland gefiel ihr so gut, dass sie bleiben wollte. Für das Visum musste sie jedoch erst einmal zurück nach Venezuela. Damit ihr Abschluss anerkannt wird, besuchte sie ein Studienkolleg mit dem Schwerpunkt Wirtschaft. Private Gründe brachten Adrianna Balcazar schließlich nach Leipzig. Mit ihren Vorkenntnissen und ihrer Art punktete sie bei den Verantwortlichen im Steigenberger Grandhotel.

Adrianna Balcazar checkt die Hotelgäste an der Rezeption ein und aus, versorgt sie in der Lobby mit Getränken. Quelle: Christian Modla

Die 22-Jährige spricht fließend Spanisch, Englisch, Italienisch und Deutsch, brachte erste Erfahrungen im Hotelgeschäft mit und vor allem ein offenes Wesen. Auch bei den Schnuppertagen in dem Fünf-Sterne-Hotel konnte sie überzeugen. Das ist nicht bei allen Bewerbern so. „Wir sind zwar in der komfortablen Lage, das erste Haus am Platz zu sein. Aber auch wir spüren einen Rückgang an geeigneten Bewerbern“, sagt Verwaltungs- und Personalchefin Brit Just. Damit spiegelt sie wider, was viele Ausbildungsbetriebe beschäftigt.

Von den Bewerbern erwartet Just, dass diese sich umfassend über das Berufsbild informieren, damit sie wissen, worauf sie sich einlassen. „Dazu zählt, dass in allen Bereichen des Hotels Kenntnisse erlangt werden, so etwa an der Rezeption, im Housekeeping und im Restaurant“, sagt sie. Auch Sprachkenntnisse sind im Hotelwesen unabdingbar. Und auch wenn Noten nicht ganz unwichtig sind: „Die Bewerber sollten aufgeschlossen und teamfähig sein, gerne andere Menschen umsorgen und sich als Gastgeber verstehen. Das ist wichtiger.“ Auch erste Erfahrungen in der Branche können helfen. Ein ewiges Thema sind aber vor allem die Arbeitszeiten. „Darüber machen sich die Bewerber noch keine Gedanken. Es wird aber zum Thema, wenn sie eine Familie gründen“, erzählt Just. Dass Früh-, Spät- und Nachtdienste in der Branche üblich sind – das sollte Bewerbern also klar sein. Für Adrianna Balcazar kein Problem. Zwar waren die ersten Nachtschichten ungewohnt, aber auch daran hat sie sich gewöhnt. Der Job ist zu ihrem Hobby geworden, sie kommt gerne zur Arbeit.

Die Auszubildende achtet auch darauf, dass die Zimmer ordentlich sind. Hat die 22-Jährige Fragen, stehen ihr erfahrene Kollegen zur Seite. Quelle: Christian Modla

In einem Hotel wie dem Steigenberger Grandhotel gibt es noch einen weiteren wichtigen Punkt: Diskretion. Denn das Haus beherbergt regelmäßig prominente Gäste. Ob Politiker, Musiker oder Schauspieler – sie alle kehren in das Luxushotel ein. Die Angestellten dürfen dann keine Einzelheiten ausplaudern. Das Steigenberger Grandhotel bildet für den eigenen Bedarf aus, eröffnet aber die Chance, innerhalb der Hotelkette in andere Hotels im In- und Ausland zu wechseln. Aktuell beschäftigt es 18 Auszubildende – zwei Köche, drei Restaurantfach-, 13 Hotelfachleute. Alle zwischen 16 und 25 Jahre alt. Männer und Frauen halten sich die Waage.

Fakten

Ausbildungsdauer: drei Jahre

Vergütung im Bundesdurchschnitt:
1. Jahr: 459 bis 770 Euro
2. Jahr: 574 bis 875 Euro
3. Jahr: 680 bis 1000 Euro

Deine Lieblingsfächer: Mathematik, Deutsch, Englisch, weitere Fremdsprachen

Deine Perspektiven: Hotelmeister; Betriebswirt/in – Hotel-,
Gaststättengewerbe; Hotel-, Tourismusmanagement u. a.

Quelle: www.berufenet.arbeitsagentur.de

Neben der betrieblichen Ausbildung besucht Adrianna Balcazar die Berufsschule. Hier lernt sie alles über den perfekten Service, verschiedene Arten von Gläsern und wie man einen Tisch für mehrere Gänge eindeckt. Aber auch Ernährungslehre, Warenwirtschaft, Jugendschutz und Verträge stehen auf dem Stundenplan. Außerdem lernt sie Französisch. Und es soll nicht ihre letzte Fremdsprache sein. „Ich möchte gerne noch Mandarin lernen“, sagt sie. Dafür überlegt sie, später für ein Jahr nach China zu gehen. Die junge Frau hat Fernweh und große Ziele. Auch ein Studium schließt sie nicht aus – vielleicht Hotel- und Tourismusmanagement.

Patricia Liebling

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