Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Berufsbilder Der Ausbildung von Tanzlehrern auf der Spur
Mehr Studium & Beruf Berufsbilder Der Ausbildung von Tanzlehrern auf der Spur
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:03 12.07.2018
LVZ-Redakteurin Nadine Marquardt und Azubi Tobias Titz üben den Langsamen Walzer. Quelle: Christian Modla

Zurück, nach rechts, ran. Vor, nach links, ran. Puh, schon bei der Schrittfolge des Langsamen Walzers – ein echter Anfänger-Tanz – komme ich ins Schwitzen. Neben mir schweben die anderen Paare zu sanfter Pop-Musik durch den Raum. Nehme ich zumindest an. Denn nach oben gucken kann ich nicht, sonst bin ich sofort wieder raus. „So, und jetzt können wir uns noch ein bisschen drehen.“ Tobias Titz führt mich mit sanftem Druck der Hand an meinem Rücken. Der angehende Tanzlehrer weiß schon gut, wie er mit Tanz-Neulingen wie mir umgehen muss. Mit ruhiger Stimme erklärt er die Schritte („immer im Viereck“), gibt Eselsbrücken („Wie ein Bierkasten, das können sich vor allem die Männer gut merken.“) und lobt freundlich („Geht schon gut.“).

Klappt doch schon gut, das „Körbchen“: LVZ-Redakteurin Nadine Marquardt lässt sich von Azubi Tobias Titz die Tanzfigur zeigen. Quelle: Christian Modla

Es ist Dienstagabend, wir sind in einem der Tanzsäle der Tanzschule Oliver & Tina in den Gohlis-Arkaden. Das Ambiente erinnert eher an Disko: Das Licht ist gedimmt, Paare stehen abwartend am Rand, Getränke neben ihnen auf kleinen Tischen, vom erhöhten DJPult aus wird die Musik gesteuert. Wir sind beim Tanzkreis: Hierher kommen Paare, die sich durch alle Kurse bis zum Supergoldstar-Abzeichen durchgetanzt haben und nun ihre Kenntnisse intensivieren und neue Figurenkombinationen lernen möchten.

Eigentlich sollte Chef Oliver Thalheim den Kurs leiten, ist aber krank geworden. Mona Philipp, Auszubildende im dritten Lehrjahr, ist eingesprungen. Seit 2010 wird bei Oliver & Tina ausgebildet, vier Azubis gibt es derzeit. Bei entsprechender Leistung stehen die Chancen auf Übernahme hinterher sehr gut, heißt es von der Tanzschule, „Eins, zwei, drei, Schritt, Chassé, Schritt.“ Gemeinsam mit Tobias Titz, der im August 2017 seine Ausbildung begonnen hat, zeigt Mona Philipp die Figur mit Wechselschritt.

Dabei müssen die Tanzlehrer nicht nur selbst alle Schritte und Abfolgen kennen, sondern sie auch erklären können. Die anderen Paare tanzen jetzt das Gezeigte nach. Für mich ist das noch zu kompliziert, also gehen wir an den Rand. „Ich schau gerne bei den Kollegen, Chefs und anderen Auszubildenden zu. So kann ich mir was abgucken und meinen eigenen Unterrichtsstil entwickeln“, erklärt Tobias Titz. Der 18-Jährige tanzt selbst seit der Grundschule. Das sieht man ihm an: Er ist groß, schlank und steht immer mit kerzengeradem Rücken da.

Für die Nachwuchs-Tanzlehrer gehört das Aushelfen an der Bar ebenfalls zu ihrem Arbeitsalltag. Quelle: Christian Modla

Zunächst hatte er überlegt, nach dem Abi Informatik zu studieren. „Ich war bei der Berufsberatung und an der Uni, aber irgendwie hat mir alles nicht so ganz zugesagt.“ Also machte er sein Hobby zum Beruf, bewarb sich für die Ausbildung bei Oliver & Tina und wurde genommen. „Hier bin ich mit vollem Herzen dabei.“

Dazu gehört auch einmal pro Woche Berufsschule: Hier lernen die künftigen Tanzlehrer Schrittfolgen, mit Menschen umzugehen und auch Theoretisches wie eine Tanzhaltung aufzubauen. In der Tanzschule wird es dann praktisch: Tobias leitet zwei eigene Kurse, einen mit Kindern und einen Discofox-Grundkurs. „Die Chefs schauen zu und geben Tipps.“ Auch an der Bar zu helfen, ist Azubi-Alltag. „Eine Umstellung war es für mich, abends und am Wochenende zu arbeiten. Daran muss man sich erst gewöhnen“, sagt der 18-Jährige. Auch körperliche Fitness ist wichtig, denn Tanzlehrer sind immer in Bewegung, stehen, erklären Schrittfolgen und beobachten die Tanzpaare.

Fakten

Ausbildungsdauer: drei Jahre

Vergütung Bundesdurchschnitt*: Je nach Anbieter der Ausbildung kann eine Ausbildungsvergütung gezahlt werden.

Deine Lieblingsfächer: Sport, Biologie, Musik

Deine Perspektiven (Auswahl): Gymnastik- und Tanzpädagoge, Schwerpunkt Bewegungstherapie; Tanztherapeut; Tanzstudium
*Quelle: berufenet.arbeitsagentur.de

Im Büro sitzen sie eher selten. Jetzt will mir Tobias noch eine Figur zeigen, das „Körbchen“: Wir fassen uns an die Hände, er hebt den Arm, ich drehe mich ein und schon stehen wir nebeneinander. Tobias dreht mich noch ein paar Mal nach rechts und links – sobald ich kurz nicht aufpasse stellt sich eher akuter Verknotungsalarm ein als elegantes Tanzvergnügen. Als Tobias das mit Azubi-Kollegin Mona vorgetanzt hat, sah es so einfach aus. Immerhin bin ich ihm nicht auf den Fuß getreten. „Die Figuren werden in den Kursen werden über mehrere Wochen geübt“, tröstet mich Tobias.

Wenn er von seiner Ausbildung erzählt, strahlt er: „Es ist sehr abwechslungsreich und macht wahnsinnig viel Spaß.“ Er kann sich gut vorstellen, danach weiter in der Tanzschule zu arbeiten. Oder sich aber einen kleinen Traum zu verwirklichen: als Tanzlehrer auf einem Kreuzfahrtschiff zu arbeiten. „Da könnte ich die Welt sehen und in meinem Traumberuf arbeiten.“

Nadine Marquardt

Mehr zum Ausbildungsprojekt azubify

Über viele weitere Berufsbilder informiert das LVZ-Ausbildungsprojekt azubify – sowohl im gedruckten Magazin als auch online.

Alle Infos finden Sie hier!

Sie pflanzen Bäume, schützen junge Bäume vor Wild, bauen Zäune, kümmern sich um die Waldwege, fällen Bäume und bauen daraus kreative Erholungsgegenstände oder Hochstände für die Jäger. Das alles sind Tätigkeiten eines Fortwirts.

12.07.2018

Keine Angst vor Zahlen - und vor Menschen: Das ist die wichtigste Voraussetzung für die Ausbildung zum Bankkaufmann oder zur Bankkauffrau. Wer sich dafür interessiert, braucht gute Vorbereitung und etwas Glück. Denn die Plätze sind noch immer heiß begehrt.

16.04.2018

Sie bauen Solaranlagen fürs Hausdach, Notstromaggregate fürs Krankenhaus oder Lüftungssysteme für eine Industriehalle: Elektroniker für Gebäude- und Infrastruktursysteme haben einen abwechslungsreichen Job - und müssen sehr sorgfältig arbeiten.

09.04.2018