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Berufsbilder Vorgestellt: Ausbildung zum Gebäudereiniger
Mehr Studium & Beruf Berufsbilder Vorgestellt: Ausbildung zum Gebäudereiniger
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04:00 14.07.2018
Auch die Glasreinigung auf einer hohen Leiter zählt zu den Aufgaben eines Gebäudereinigers. Kein Problem für Azubi Niklas Andersen. Quelle: Dirk Knofe

Der strahlende Sonnenschein spiegelt sich in der Fassade der rp Gebäudereinigung GmbH in Leipzig-Schönefeld. Gleich soll es hier noch mehr blitzen und glänzen, denn Azubi Niklas Andersen übt heute Fensterputzen. Die einzelnen Teile der Leiter lehnen schon an der Fassade. Doch einfach hochklettern und putzen ist nicht: Unter den wachsamen Augen der Ausbilder Michael Hennig und Martin Beyer muss Niklas erst mal prüfen und aufbauen. Die Sichtkontrolle ergibt: Alle Teile sind in ordnungsgemäßem Zustand. Jetzt baut Niklas den Fuß auf, befördert dann die Spitze mittels eines kleinen Rädchens nach oben und prüft den idealen Winkel der Leiter. Bis zu sieben Meter hoch arbeiten Gebäudereiniger im Alltag – da ist Sicherheit oberstes Gebot, genauso wie schwindelfrei zu sein. Jetzt kann Niklas einen Hüftgurt mit Putzmitteln, Lappen und Abzieher anlegen. Flink klettert er die Leiter hoch, prüft seinen Stand und beginnt in einigen Metern Höhe damit, die Fenster zu wischen, abzuziehen und die Rahmen zu putzen. Hennig und Beyer sind zufrieden.

In der dreijährigen Ausbildung lernen die angehenden Gebäudereiniger die vielfältigen Einsatzgebiete des Berufs kennen. Dazu gehören zum Beispiel Schulen, Kitas, Büros, aber auch Industriegebäude, Baustellen und Krankenhäuser. Böden ­wischen, Oberflächen reinigen oder Fenster putzen: Gebäudereiniger müssen gründlich und sorgfältig arbeiten. Und sie müssen grundlegende naturwissenschaftliche Kenntnisse haben, um zum Beispiel eine Zeichnung ­lesen zu können oder Flächen und prozentuale Dosierungen von Reinigungsmitteln zu berechnen.

Auch beim Bodenwischen kommt es auf die richtige Technik an. Der angehende Gebäudereiniger Niklas Andersen putzt mit System. Quelle: Dirk Knofe

Professionelle Reinigung nach Plan

Selbst so einfach aussehende Tätigkeiten wie Bodenwischen sind nur auf den ersten Blick simpel. Daher organisiert rp regelmäßig sogenannte Praxistage im eigenen Unternehmen. Die Azubis müssen dann die Reinigungsverfahren, die sie gelernt haben, vorführen und werten das mit den erfahrenen Ausbildern aus. „Damit sehen wir den aktuellen Stand der Azubis“, erklärt Michael Hennig, der bei der Firma zum Gebäude­reiniger ausgebildet wurde, nun im Einkauf tätig ist, nebenbei seine Meisterausbildung macht und zu den Betreuern der Azubis gehört. Daher zeigt Niklas heute nicht nur sein Können in der Glasreinigung, sondern übt auch die „manuelle und maschinelle Reinigung von Böden“, wie Hennig erklärt. Nachdem Niklas bereits die Fliesen im Eingangsbereich zweistufig – einmal feucht, einmal trocken – gewischt hat, steht nun die Arbeit mit der Poliermaschine auf dem Programm. Auch hier geht Sicherheit vor: Erst muss Niklas die Maschine prüfen, dann steckt er das Polierpad, dessen Material an einen Küchenschwamm erinnert, an. Jetzt darf die Maschine an den Strom und surrt los. „Das Polieren sorgt nicht nur für eine bessere Optik als das bloße Wischen, sondern auch für weniger Wiedereinschmutzung“, erklärt Michael Hennig. Niklas hält das Gerät ruhig, steuert es souverän über die Fliesen. Martin Beyer ist zufrieden mit seinem Lehrling: „Das hast du sehr gut gemacht. Da habe ich nicht viel auszusetzen. Nur auf das Kabel musst du noch mehr achten“, lobt er den 18-Jährigen.

Der angehende Gebäudereiniger Niklas Andersen an der Poliermaschine. Quelle: Dirk Knofe

Fakten

Ausbildungsdauer: drei Jahre
Vergütung Bundesdurchschnitt*:
1. Ausbildungsjahr: 645 bis 700 Euro
2. Ausbildungsjahr: 775 bis 835 Euro
3. Ausbildungsjahr: 905 bis 975 Euro
Deine Lieblingsfächer: Mathe, Chemie, Physik
Deine Perspektiven (Auswahl): Weiterbildung zum Meister

*Quelle: berufenet.arbeitsagentur.de

Gebäudereiniger sind gefragt

Niklas ist mit dem ersten Lehrjahr fast fertig. „Mir macht die Arbeit Spaß“, sagt der Leipziger. Durch seine Eltern, die auch in der Branche tätig sind, ist er zu dem Beruf gekommen. Die Bedingungen sind gut: Gebäudereiniger haben einen eigenen Tarifvertrag und rp-Geschäftsführer Stephan Gottfried Thurm betont die guten Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. „Es wird händeringend gesucht. Vor allem ausgebildete Gebäudereiniger haben super Chancen.“ Auch seine eigenen Azubis – derzeit sind es zwei männliche und drei weibliche – könnte er nach erfolgreichem Abschluss alle übernehmen. Danach bietet rp nicht nur einen relativ sicheren Job, sondern auch Weiterbildungen und Qualifizierungen an. Trotzdem hat das Unternehmen mit rund 500 Mitarbeitern Probleme, Azubis zu finden. Die Gründe sind für Thurm klar: „Die Arbeitszeiten sind sehr früh am Morgen oder abends. Außerdem ist es schwere körperliche Arbeit“, sagt der Geschäftsführer. Niklas macht das nichts aus: „Egal, dafür habe ich zeitiger Feierabend.“

Nadine Marquardt

azubify

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